Wirtschaft
Der Discount-Bestatter und sein Lockangebot
Mit diesem Bild wirbt Patrick Schneider für Feuerbestattungen: Ausschnitt der Website von Aarau-Bestattungen.de.
Vor dem Landgericht Berlin einigten sich am Montag zwei konkurrierende Bestattungsunternehmen in einem Vergleich. Dieser verpflichtet den Discount-Bestatter dazu, seine Werbung transparenter zu gestalten. Ein Traditionsunternehmen hatte dem Billigkonkurrenten unlautere Werbung vorgeworfen.
«Die Täuschung liegt darin, dass ein Grossteil des Publikums denkt, dass die verschiedenen Bestattungen tatsächlich für 499 Euro zu haben sind», sagte der vorsitzende Richter Wolfgang Moritz. Der Billigbestatter, der bundesweit sechs Filialen betreibt und expandieren will, dürfe nicht ausschliesslich den Grundpreis von 499 Euro für eine anonyme Feuerbestattung anpreisen. Vielmehr müsse er die Zusatzkosten für die angebotenen Beisetzungsformen ausweisen, damit der Endpreis für den Kunden erkennbar sei.
Zusatzkosten von bis zu 4500 Euro
Patrick Schneider, der seine Discount-Bestattungen seit 2007 anbietet, bezeichnete den Vergleich als «vernünftig» und kündigte an, einige Werbeslogans zu ändern. «Aber der Preis von 499 Euro bleibt», fügte er hinzu. Er widersprach dem Vorwurf, seine Kunden in die Irre zu führen: «Für eine Luftbestattung ist eine Feuerbestattung Voraussetzung, und diese kostet ja 499 Euro», rechnete er vor. Die Zusatzkosten für die Luftbestattung erhalte nicht er, sondern der jeweilige Anbieter der Beisetzungsform.
Der Richter Moritz sah dies anders. Die 18 verschiedenen Bestattungsformen, die Schneider anbietet, seien «einheitliche Leistungen», deren Endpreis der Kunde erkennen müsse. Schneider zufolge ist die günstigste Variante die Friedwaldbestattung in einem Privatwald in der Schweiz. Der Endpreis einschliesslich der Beisetzung betrage hier 599 Euro. Bei exklusiveren Formen wie der Diamantbestattung entstünden Zusatzkosten bis 4500 Euro. Auch bei der anonymen Feuerbestattung zu 499 Euro kommen Friedhofsgebühren sowie Kosten für Trauerfeier und Blumen hinzu.
Traditionsbestatter fürchtet Billigkonkurrenz nicht
Der Berliner Traditionsbestatter Otto Berg, der bereits im Mai eine einstweilige Verfügung gegen seinen Billigkonkurrenten erwirkt hatte, sah sich durch den Vergleich bestätigt: «Die Werbung von Herrn Schneider ist nicht wahrhaft, denn es kostet ja am Ende nicht nur 499 Euro.» Ein fairer Wettbewerb sei nötig. Berg, der nach eigenen Angaben mittlere Bestattungen für etwa 1500 Euro anbietet, betonte, die Discount-Bestatter nicht zu fürchten. In der Branche sei man in erster Linie auf Empfehlungen angewiesen, darum setze sich langfristig Qualität durch. (sam/ap)
Erstellt: 23.06.2009, 15:51 Uhr
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