Wirtschaft
Der Fluch der Gewinne
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 22.04.2010
Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Wirtschaftsexperte Philipp Löpfe
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Stellen Sie sich vor: Die Banken sind wieder kerngesund – und keiner freut sich. Das ist derzeit rund um den Globus der Fall. Die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) hat heute bekannt gegeben, dass sie im ersten Quartal 2,1 Milliarden Franken verdient hat. Die UBS hat einen ähnlichen Gewinn in Aussicht gestellt. Aber auch die Deutsche Bank, die Bank of America und gar die von der Finanzkrise besonders hat getroffene Citigroup melden wieder gute Zahlen. Selbstverständlich hat der Klassenbeste Goldman Sachs mit rund über drei Milliarden Dollar Gewinn einmal mehr alle übertroffen.
Doch die Gewinne der Banken lösen gemischte Gefühle aus, auch bei ihnen selbst. Politisch gesehen fallen sie in eine denkbar ungünstige Phase. Parlamente und Regierungen sind dabei, den Beinahe-Kollaps des Finanzsystem zu verdauen. Im US-Senat haben die Beratungen über eine neues Finanzgesetz begonnen. In der Schweiz macht die Finanzaufsicht Finma konkrete Vorschläge.
Überall wird über neuen Regeln gebrütet, die eine Wiederholung dieses Herzinfarktes vermeiden sollen, überall wird darüber diskutiert, wie man das «Too big to fail»-Problem lösen kann. Ernsthaft stellt sich dabei die Fragen, ob man die zu grossen Banken zerschlagen muss wie zu Beginn des 20. Jahrhundert Rockefellers Standard Oil, oder ob Geschäfts- und Investmentbanken per Gesetz getrennt werden sollen.
Besonders heikel ist dabei, dass der Grossteil des neuen Geldsegens beim Investmentbanking anfällt, denn gerade diese Tätigkeit ist ins Visier der Kritik geraten. Es geht dabei mehr als um Gier und obszöne Boni. Es geht dabei um die Frage, ob Investmentbanking überhaupt ökonomisch gesehen sinnvoll ist. Eine ganze Reihe von neuen Büchern stellt genau dies in Frage.
«Sie waren ganz einfach dumm»
Diese Bücher sind für Laien verständlich und äusserst erfolgreich. So ist «The Big Short» von Michael Lewis seit Wochen an der Spitze der US-Bestseller zu finden. Das Buch ist nicht nur brilliant geschrieben – wer es nicht sofort liest, ist selber Schuld – es zeichnet auch ein verheerendes Bild der absoluten volkswirtschaftlichen Sinnlosigkeit des Investmentbankings. Niederschmetternd auch das Fazit, dass der Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz in seinem neuen Buch «Im Freien Fall» zieht: «Wer die waghalsigen Hypotheken-Konstruktionen anschaut, erkennt sofort: Diese Banker haben keine Ahnung, was Risiko ist. Oder hart gesagt: Sie waren ganz einfach dumm.»
Aus dieser Perspektive betrachtet sorgen die neuen Gewinne der Banken für ein mulmiges Gefühlt. Natürlich versprechen Brady Dougan, Oswald Grübel & Co. hoch und heilig, heute sei alles anders. Sie hätten aus den Fehlern gelernt und diesmal könne eigentlich gar nichts passieren. Genau das haben leider auch ihre Vorgänger versprochen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.04.2010, 09:46 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




