Wirtschaft
Der Hit-Macher
Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 16.01.2012 2 Kommentare
Eve «Strip-o-Meter»
Im Herbst 2011 brachte Rod im Zürcher Sihlcity mit einem Werbespot für Eve by Cardinal 500 Frauen zum Kreischen.Swiss «Campari Soda»
David Schärer holte 2006 für Swiss den 30-jährigen Song «Campari Soda» aus den Archiven für einen TV-Spot. Das Lied ist heute Kult.Google «Was ist dein Street View?»
Für Google lancierte Rod im Herbst 2011 eine Imagekampagne für den umstrittenen Dienst «Google Street View».Slow Down. Take it easy
Jeder kennt ihn, den Song «Slow Down. Take it easy»: Die Kampagne für angepasste Geschwindigkeit ist seit Monaten in aller Munde.Bligg «Tanzanleitung Jan Denli»
Auch hier hatte Schärer offenbar seine Finger im Spiel: Im Sommer war Musiker Bligg während Wochen wegen seiner Wette mit dem 13-jährigen Jan Denli in den Medien.Artikel zum Thema
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Es gibt wohl keinen anderen Berufszweig, der sich dermassen oft selbst mit Auszeichnungen feiert, wie die Werbebranche. Als höchste und schönste Auszeichnung gilt der Titel «Werber des Jahres». Seit 1977 wählt die Leserschaft des Branchenblattes «Werbewoche» alljährlich einen Vertreter der Zunft.
Einer, der am 2. Februar gute Karten hat, die höchste Weihe der Branche zu empfangen, ist David Schärer. Von den sechs nominierten Anwärtern hat keiner übers letzte Jahr hinweg so oft für werberisches Spektakel gesorgt wie der 37-jährige Basler mit seinem Agenturteam Rod.
Wer ist Schärer? Und was macht ihn für diesen Titel so interessant? Über Schärer ist wenig bekannt. Interviews zu seiner Person gibt der Mitinhaber der Agentur Rod (David Schärer ist das D im Namen, Regula Fecker das R, Oliver Fennel das O) so gut wie nie. Auch gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt sich der Werber von seiner zurückhaltenden Seite. «Ich suche den Auftritt nicht», sagt Schärer. Er sehe sich als stiller Handwerker, der seine Meinung nicht in die weite Welt hinausposaune.
Verbrüderung von Marken und Musik
Tatsächlich ist Schärer ein untypischer Branchenvertreter. Der gelernte PR-Fachmann ist beispielsweise nicht Mitglied des renommierten Werbeclubs ADC. Statt ausgeflippte Sujets oder witzige Slogans auszudenken, hat sich Schärer auf die Schweizer Hitparade konzentriert. So hat sich der Agenturinhaber einen Namen damit gemacht, Marken mit Musik zu verbrüdern, um einen Song von der Untermalung eines TV-Spots zum redaktionellen Inhalt und Chartstürmer zu machen.
Das ist ihm bereits dreimal erfolgreich gelungen. Den bisher grössten Hit landete der Basler mit dem Engel Franky Slow Down. In TV-Spots singt die Werbefigur den Autofahrern gut zu. Über Wochen war der Song für die Beratungsstelle für Unfallverhütung in den Schweizer Singlecharts. Die Werbung mit dem schrulligen Engel wurde schliesslich so stark beachtet, dass sie gesammelt wird. Auf Tausenden Autohecks prangt das Leitmotto des Schutzengels Franky.
Ein weiterer Handstreich gelang ihm mit «Campari Soda». Nachdem Dominique Grandjean den Song 1977 veröffentlicht hatte, blieb das Lied trotz Coverversion von Stephan Eicher 1999 weitgehend unbeachtet. Schärer erkannte 2006 sein Potenzial für eine Kampagne der Fluggesellschaft Swiss. Schärer brachte die Single neu auf den Markt und machte den verstaubten Song mit Getöse populär.
Im Dienst von Musiker Bligg?
Im letzten Jahr gelang dem Team von Rod ein weiterer Hit, von dem die hiesige Branche allerdings kaum Notiz nahm. Bei der Lancierung der Single «Manhattan» des Schweizer Musikers Bligg soll dessen Entourage auf die Dienste von Schärer gesetzt haben. Der 13-jährige Jan Denli, der im Frühling letzten Jahres in der TV-Show «Die grössten Schweizer Talente» für Aufsehen sorgte, ist der tanzende Protagonist des Videos zu «Manhattan». Reichlich unspektakulär, hätte nicht Denli medienwirksam eine Wette lanciert. Der junge Tänzer wettete nämlich gegen Bligg, dass er im Rahmen der Sendung «SF bi de Lüt» in Winterthur 600 Leute dazu bringen würde, mit ihm den «Manhattan» zu tanzen. Natürlich gewann Denli die Wette, die Schweiz tanzte, und die Single stürmte daraufhin die Charts.
Hätte nicht Rod das Video produziert, würde man eine glückliche Fügung dahinter vermuten, dass die Schweiz den «Manhattan» tanzte. Hinter vorgehaltener Hand wird in der Branche aber auf einen kalkulierten Treffer von Schärer spekuliert. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet mag der PR-Stratege dies nicht bestätigen.
Keine Werbung aus dem Lehrbuch
Man könnte Schärer und seine Partner Regula Fecker und Oliver Fennel als Werberebellen bezeichnen, denn die Ideen, die die Agentur für Kunden wie Google oder «20 Minuten» aushecken, haben mit klassischem Marketing, wie man es aus Lehrbüchern kennt, wenig zu tun. Sie wählen oft Wege über Kanäle wie Social Media, um Marken wiederzubeleben oder Produkte ins Gespräch zu bringen.
So zum Beispiel im September für das Frauenbier Eve by Cardinal: Via Facebook verlosten Schärer und sein Team 500 Eintrittskarten für einen Kinoevent. Ganz nach der Leitidee, dass Frauen besondere Momente miteinander teilen, wurde ein interaktiver Kinospot gezeigt, in dem sich ein Tänzer nach zweimaligem lautem Klatschen und Kreischen bis auf die Boxershorts herunterstrippte. Das Resultat: 500 kreischende Frauen.
SBB setzen auf junges Kreativbüro
Von dieser Ideen-Power will nun auch die SBB profitieren. Kurz vor Jahresende teilten die Bundesbahnen in einem Communiqué mit, dass die Dachmarke SBB fortan von Schärer und seinem 18-köpfigen Team betreut würde. Wie Tagesanzeiger.ch/Newsnet im September berichtete, will Konzernchef Andreas Meyer den «Beamtenkonzern» kommunikativ neu ausrichten. Für diesen Job holt sich Meyer nun die Expertise eines möglichen Werbers des Jahres. Oder besser von zweien: 2010 wurde Schärers Geschäftspartnerin Regula Fecker mit dem höchsten Titel der Werbung ausgezeichnet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.01.2012, 14:36 Uhr
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2 Kommentare
"Keiner hat übers letzte Jahr hinweg so oft für werberisches Spektakel gesorgt wie der 37-jährige Basler.." Gemäss Artikel sind das dann: Ein Musigvideo für Bligg und ein Bierevent mit 500 kreischenden Frauen in einer Bar. Das Video davon hat läppische 2700 Views auf Youtube. Und das soll werberisches Spektakel sein??? Entweder ist die Schweizer Werbung so schlecht oder der Schweizer Journalismus. Antworten
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