Wirtschaft

Der Jet für Leute mit Flugangst

Im österreichischen Schnellzug Railjet gibt es eine Extraklasse mit Sitzen und Service wie im Flugzeug. Ab dem 13. Dezember verkehrt der Drei-Klassen-Zug auch von Zürich nach Salzburg und Wien.

Ein neues Eisenbahngefühl: Die Premium-Klasse im Railjet.

Ein neues Eisenbahngefühl: Die Premium-Klasse im Railjet. (Bild: Reto Oeschger)

Mit dem Eurocity Transalpin kommt man heute in 8 Stunden 44 Minuten von Zürich nach Wien. Beim Fahrplanwechsel am 13. Dezember werden die 44 Minuten gekappt, genau 8 Stunden werden dann die Limmat- und die Donaumetropole auseinanderliegen. Das grössere Tempo ist das eine, neu ist auch der Zug: Zunächst einmal täglich, ab Juni 2010 zweimal, verkehrt eine Komposition des Typs Railjet. Diese Züge, von denen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) 17 besitzen und laufend weitere bekommen, haben statt nur einer zweiten und einer ersten Klasse noch eine Überklasse: Economy, First und Premium sind die Bezeichnungen.

In der Premium-Klasse geniessen die Reisenden viel Platz (nur zwei Sitze auf der ganzen Wagenbreite), den Komfort eines bis zur Liegeposition ausziehbaren Polsters, durch Trennwände gesicherte Ruhe und die Bedienung durch eine nur für sie zuständige Begleitperson. Lesestoff, Speisen und Getränke sind im Preis inbegriffen (Erstklassticket plus Premium-Zuschlag von 40 Franken pro Weg).

Richtige Menüs in der ersten Klasse

Verpflegung – auch richtige Menüs – werden in der ersten Klasse am Platz serviert, in der zweiten Klasse zirkuliert eine Minibar, ausserdem gibt es ein Bistro. Für den Zugang mit Rollstühlen sind Hebebühnen eingebaut. Im Zug drin finden Rollstühle oder auch Blindenhunde spezielle Plätze.

Ein Dreiklassensystem kennen nur wenige Bahnen, etwa Eurostar auf der Ärmelkanalstrecke oder Ave in Spanien. Die SBB planen keine Premium-Klasse in ihren künftigen Zügen. Zu kurz sind in der Schweiz die Strecken, zu gering der Nutzen zusätzlicher Dienstleistungen, zu kompliziert die Verrechnung in einem Netz, das ohne Reservationen auskommt und von vielen Abonnenten benützt wird. Die ÖBB, die Railjets bereits nach München, Innsbruck und Budapest führen, haben in den ersten Monaten rund 87 Prozent Economy-Passagiere gezählt, 12 Prozent fuhren First und gut 1 Prozent Premium. Insgesamt fand der Zug viel Anklang, wie Gabriele Lutter, Chefin der ÖBB Personenverkehr AG, am Montag bei der Vorstellung des Zuges in Zürich sagte.

Stolz auf das Online-Ticketing

Besonders stolz sind die ÖBB auf das neue Online-Ticketing, mit dem man sich gezielt einen Sitzplatz aussuchen und reservieren kann. Obligatorisch ist die Platzreservation allerdings nicht.

Railjet sei eine schnelle Stadt-zu-Stadt-Verbindung, so Gabriele Lutter, um die Haltezeiten nicht zu verlängern, sei auf Verlademöglichkeit für Velos verzichtet worden. Die Radfahrer müssen andere Züge nehmen, und wie Eltern mit Kinderwagen zurechtkommen, wird man sehen. Verzichtet wurde auch auf ein Bordunterhaltungssystem, da heute jeder seinen eigenen Player dabei hat. Stromanschlüsse gibt es in Economy einen pro zwei Sitze, sonst einen pro Sitz (für geerdete Schweizer Stecker braucht es einen Adapter).

Ein eigentlicher Hochgeschwindigkeitszug ist der Railjet nicht, und seine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h wird er erst erreichen, wenn in Österreich das Trassee dafür bereit ist. Ab dem 13. Dezember fahren Railjets von Zürich nach Wien (ab 14.40 Uhr, an 22.40 Uhr) und Salzburg (ab 16.40 Uhr, an 21.59 Uhr). Der Morgenzug (Zürich ab 8.40 Uhr) wird bis 12. Juni noch als Eurocity geführt, damit die 8 Stunden eingehalten werden können, bekommt er hinten und vorne eine Lokomotive; das spart Zeit beim Grenzstopp in Buchs. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2009, 04:00 Uhr

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14 Kommentare

Hans Mueller

10.11.2009, 22:14 Uhr
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Ich hatte vor einer Woche die Gelegenheit den Railjet von Wien nach Muenchen zu benuetzen. Nur 2. Klasse, aber ich war auesserst positiv ueberrascht! Computerdisplay ueber den Standort des Zuges, viel Platz, Steckdose.. aber das Beste: die Minibar hat eine mobile Nespresso Maschine! Nicht der ueblich Guellenkafi, sondern echter Nespresso. Danke OeBB! Antworten


Mike Hamilton

10.11.2009, 15:05 Uhr
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8 Stunden? Haha! Guter Witz. @Michi Kessler: Welcome to the real world. Was an den Beduerfnissen der Menschen vorbeigeht, wird verrissen und das ist auch gut so. Antworten


Bernard Berner

10.11.2009, 13:18 Uhr
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Wie sollten die SBB auch eine Premium-Klasse planen? Die SBB sind ja nicht mal in der Lage einen Erstklass-Komfort anzubieten, der diesen Namen auch verdient. Einzig bei den Preisen haben die SBB Premium-Niveau erreicht. By the way: der deutsche ICE bietet in der zweiten Klasse deutlich mehr Komfort, als die Erstklasswagen der SBB! Und das zu absolut moderaten Preisen, auch in erster Klasse!! Antworten


Weber Max

10.11.2009, 12:42 Uhr
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Dieser Zug ist ein Anfang aber es braucht einen Basistunnel am Alberg, in Feldkrich rein und in Landeck wieder raus. Nur so kann die Strecke eine Konkurenz zum Auto sein. Antworten


Mike Keller

10.11.2009, 12:20 Uhr
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Wien müsste in 4h bis max 5h erreichbar sein, dann wäre so ein Railjet konkurrenzfähig. Das floppt 100%ig. Antworten


Hans Ernst

10.11.2009, 12:11 Uhr
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Für die gesamte Strecke bis Wien ist der Zug vielleicht mit 8 Stunden Fahrzeit schon nicht so interessant. Aber man sollte nicht vergessen, dass er auch für Teilstrecken wie Zürich-Innsbruck und Zürich-Salzburg benutzt werden kann. Antworten


michi kessler

10.11.2009, 12:05 Uhr
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schon krass diese nörgelei. was ist den eure idee? oder vorschlag? wundert einem ja nicht wenn einem die lust an kreativität vergeht bei all der motzerei. egal was man zustande brigt. was würdet ihr denn verändern? Antworten


Bernhard Meyer

10.11.2009, 11:20 Uhr
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ich kann H. Mauch`s Beitrag nur unterstreichen - Komfort hin oder her. 8 Stunden ist absolut nicht konkurrenzfähig, vor allem für Businessreisende, auf die dieser Service ja wohl zugeschnitten sein soll.... Aber es ist leider häufig so, dass prestigebringende supermoderne Züge auf Gleisen rollen, die Kaiser Franz-Joseph noch persönlich eingeweiht hat!! Antworten


Jürg D. Lüthard

10.11.2009, 10:55 Uhr
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Warten wir es ab, ob das so gut sein wird. Zumindest aus nicht offizieller Seite gibt es da in Österreich bereits einige markantere Zweifel. Wächst da der neue Cisalpino heran? Antworten


Rinaldo Meier

10.11.2009, 10:39 Uhr
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Endlich die Kaiserin Elisabeth war ja gut und recht aber ab Feldkirch waren die Stopps bei jeder Bergbahn einfach nicht im Sinn von modernem Bahnreisen.Es gibt ja auch Regionalzüge die den Touristen zu den Bahnen bringen. Aber in AT ticken halt die Uhren anders ! Bravo öbb endlich ! Antworten


Hans Schmid

10.11.2009, 10:03 Uhr
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Die SBB braucht keine Premium-Klasse. Es würde ausreichen, den Sitzkomfort in der 1. Klasse auf ein Niveau zu bringen, das diesen Namen verdient. Dass man in der 2. Klasse eines deutschen ICE komfortabler sitzt als in der 1. Klasse eines Doppelstock-IC der SBB, ist einfach nur noch peinlich. Von der Zumutung in der Zürcher S-Bahn (2-2-Bestuhlung für die 1. Klasse!) ganz zu schweigen. Antworten


Leon Mauch

10.11.2009, 09:54 Uhr
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In 8 Std. fliege ich nach Wien, nehm an einer Besprechnung teil und fleige wieder zurück. Ich Frage mich nur welcher Geschäftsmann sich eine so lange Reise leisten will? Antworten


Marcel Hehle

10.11.2009, 09:14 Uhr
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Schön und gut ... aber mit dem Auto bin ich trotzdem immer noch um ca. 2h schneller!!! Antworten


majo naef

10.11.2009, 04:40 Uhr
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UM da mithalten zu können, muss die SBB natürlich die Preise erhöhen. Bezahlen wir nun den Ausbau für die Premium-Klasse. Erst wurden die Ruhewagen bei uns gestrichen, waren ja auch 3 Klassen, nur musste man nicht mehr dafür bezahlen. Antworten



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