Wirtschaft
Der Mann, der Märklin wieder in Fahrt brachte
Von David Nauer. Aktualisiert am 22.12.2010 1 Kommentar
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Er selbst spielte als Kind mit einem «Rhätischen Krokodil», dieser kantigen Spielzeug-Lok der Firma Lehmann Gartenbahn. Noch heute erinnert er sich daran, wie sie kreisrund um den Christbaum surrte. Michael Pluta stand davor – mit glänzenden Augen.
Alles einsteigen
Inzwischen gehört Lehmann Gartenbahn zu Märklin. Und Märklin ist die Firma, die Insolvenzverwalter Pluta soeben vor der Zerschlagung bewahrt hat. Die Gläubiger des schwäbischen Modelleisenbahn-Herstellers, zur Hauptsache Banken, haben gestern seinem Sanierungsplan zugestimmt. Demnach soll das Unternehmen aus eigener Kraft die Insolvenz hinter sich lassen und neu starten können. Die Gläubiger erhalten zunächst nur 33 Millionen Euro ausbezahlt, rund ein Drittel der geschuldeten Summe. Dafür seien sie nun «faktische Eigentümer» der Traditionsmarke, wie Pluta erklärte. Der Verkauf an einen willigen Investor soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Die gute Nachricht für Zehntausende Eisenbahnfans und rund 1000 Mitarbeiter: Märklin-Loks, Wagen, Schienen, Weichen werden vorerst weiter gefertigt. Zu verdanken ist dies zu einem grossen Teil Michael Pluta. Anfang 2009 als Insolvenzverwalter eingesetzt, machte er sich sofort daran, die marode Firma auf Vordermann zu bringen. Der Rechtsanwalt und Spezialist für Firmenpleiten tummelte sich plötzlich auf Spielwarenmessen, sprach mit Händlern, Grossisten und Kunden.
Entgleisung
Gleichzeitig ging Pluta über die Bücher. Märklin hatte zuletzt horrende Verluste geschrieben. Die 150 Jahre alte Firma war von den Eignerfamilien an den britischen Finanzinvestor Kingsbridge verkauft worden. Den neuen Herren fehlte es aber offenbar an Herzblut für die Marke. Sie stellten für Dutzende Millionen Euro Berater ein, ohne dass sich die Lage von Märklin merklich verbesserte.
Hier setzte Michael Pluta denn auch den Hebel an: Eine seiner ersten Handlungen bestand darin, alle teuren Berater hinauszuwerfen. Auch viele Mitarbeiter mussten gehen, 400 insgesamt. Dank dieser Einsparungen, einem gestrafften Sortiment und guten Verkäufen verdiente der Eisenbahnbauer bald wieder Geld.
Sand im Getriebe
Ein grundsätzliches Problem der Firma konnte freilich auch Pluta nicht aus der Welt schaffen: Den Modelleisenbahn-Fans fehlt der Nachwuchs. Die Zeiten, als Kinder – wie einst der kleine Michael – von einem «Rhätischen Krokodil» träumten, sind vorbei. Heute stehen iPod, iPad und iPhone zuoberst auf den Wunschlisten der Jugendlichen. Der typische Modelleisenbahner ist in die Jahre gekommen, er sammelt die bunten Loks eher, als dass er mit ihnen spielt.
Dieses Problem ist auch nach dem gestrigen Entscheid nicht gelöst. Bei Märklin-Fans herrschte dennoch Erleichterung. «Super, dass Märklin gerettet wurde», freute sich einer auf www.tages-anzeiger.ch. «Freue mich sehr», meinte ein anderer. Bereits vor der gelungen Rettung war Michael Pluta für die Modelleisenbähnler zu einem Hoffnungsträger geworden. Sie schrieben ihm Briefe, Gratulationen und Vorschläge. So eine emotionale Insolvenz hab er noch nie erlebt, sagte Pluta der «Stuttgarter Zeitung». Ein besorgter Schweizer habe ihm sogar 350 Euro schicken wollen, als Unterstützung, damit er Märklin wieder in Fahrt bringe. Michael Pluta lehnte ab – mit dem Argument, er schaffe das auch ohne Spenden. Er behielt, wie sich gestern zeigte, recht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.12.2010, 08:12 Uhr
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1 Kommentar
Ich hoffe, dass es Märklin schnallt, dass iPhone und Modelleisenbahn nicht Gegensätze sein müssen. Ich will eine Märklin, die ich über z.B. Bluetooth steuern kann. Vielleicht entsteht damit sogar Nachwuchs für die SBB, damit endlich Leute in der Bahnsteuerung tätig werden, die bei einer Betriebsstörung auch wissen, warum etwas nicht mehr geht (siehe kürzlich in Olten;-)) Wir arbeiten daran!!! Antworten
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