Der Mann, der mehr verdiente als sein Chef

Er gilt als Investmentstar, Fondsguru und «Synonym für den Erfolg des Asset-Managements der Bank Vontobel». Nun geht er. Wer ist Rajiv Jain?

Sein Abgang hat zu einem Kurseinbruch bei den Aktien der Bank Vontobel geführt: Rajiv Jain.

Sein Abgang hat zu einem Kurseinbruch bei den Aktien der Bank Vontobel geführt: Rajiv Jain. Bild: ZVG

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Welche Bedeutung dem Fondsmanager Rajiv Jain bei der Bank Vontobel beigemessen wird, zeigt der Aktienkurs des Geldinstituts. Heute sackte er bei Börseneröffnung um 10,8 Prozent ab, nachdem Montagabend bekannt geworden war, Jain verlasse das Unternehmen. Nach einigen Stunden hat sich der Kursverlust zwar etwas reduziert, dennoch hat die Bank Vontobel deutlich an Börsenwert eingebüsst.

Aufgestiegen und abgestürzt: Die Vontobel-Aktie im Verlauf der letzten sieben Tage.

Es ist nicht das erste Mal, dass ihr Aktienkurs wegen Jain ausschlägt: Als es im Sommer 2014 Gerüchte über dessen Abgang gab, fiel der Aktienkurs bereits einmal in einem ähnlichen Ausmass wie heute.

Jain wirkte während 22 Jahren für Vontobel. Nun will er gemäss Medienmitteilung eigene unternehmerische Pläne verfolgen und verlässt deshalb die Schweizer Bank auf eigenen Wunsch. Jain war bei Vontobel Asset Management in New York tätig und dort Chief Investment Officer, also der Leiter des Portfoliomanagements. Die Vontobel-Tochter in Manhattan verwaltete Ende des letzten Jahres gemäss Website 48,1 Milliarden Dollar. Für die Bank ist die Finanzboutique mit ihren knapp 70 Mitarbeitern damit sehr bedeutend: Insgesamt verwaltet die Bank Vontobel Kundenvermögen in Höhe von 136,3 Milliarden Franken. Jain hatte grob gerechnet also rund ein Drittel aller Vontobel-Vermögen unter seinen Fittichen.

Nachfolger anpreisen

Die Gefahr für Vontobel ist, dass nun zusammen mit Jain auch viele Kunden der Bank den Rücken kehren könnten. Denn der indischstämmige Amerikaner wirkte mit seinen Anlagestrategien und -erfolgen als Magnet für Investoren. Vontobel bemüht sich denn auch, gleichzeitig mit dem Abgang Jains auch dessen Nachfolger ins richtige Licht zu rücken.

Matthew Benkendorf habe während der vergangenen 17 Jahre eng mit Jain zusammengearbeitet und die Firmenkultur sowie den Quality-Growth-Investmentprozess – so nennt Vontobel Jains Anlagestrategie – massgeblich mitentwickelt. Der «Co-Architekt des Quality-Growth-Anlagestils» werde weiterhin auf das erfahrene Anlageteam setzen und einen der besten definierten und robustesten Anlageprozesse umsetzen. Und sogar Jain selbst wird in der Vontobel-Mitteilung mit den Worten zitiert, dass Benkendorf über die idealen Voraussetzungen verfüge, um seinen Posten zu übernehmen.

Auch Marktanalysten werten es zwar als positiv für Vontobel, dass offenbar nur Jain selbst, nicht aber sein Team das Institut verlässt – das bietet Gewähr für eine gewisse Kontinuität. Im Kommentar der Zürcher Kantonalbank heisst es aber gleichzeitig, dass viele Investoren allergisch auf Abgänge von Schlüsselpersonen reagieren würden und deshalb damit gerechnet werden müsse, dass Jains Abgang sich negativ auf die Höhe der von Vontobel verwalteten Vermögen auswirke.

Zahlreiche Auszeichnungen eingestrichen

In der Öffentlichkeit war Jain definitiv eine Schlüsselperson für das Asset-Management von Vontobel. Für Finanzjournalisten war er ein gefragter Interviewpartner, und immer wieder heimste er Auszeichnungen ein. 2013 wurde Jain vom «Morningstar» zum Global Equity Fund Manager of the Year gewählt.

Den Preis erhielt er unter anderem für jenen Anlagefonds, auf dem quasi sein Erfolg gründet: den 1992 gegründeten Emerging Markets Equity Fund. Dieser hat gemäss Produkteinformation von Vontobel über die letzten zehn Jahre eine durchschnittliche Jahresrendite von 7,4 Prozent erzielt und damit die Benchmark deutlich geschlagen. Der MSCI Emerging Markets Index kam im gleichen Zeitraum nur auf ein durchschnittliches Jahresplus von 3,6 Prozent.

25 bis 30 Millionen Entschädigung?

Der Abgang von Jain könnte für Vontobel aber durchaus auch positive Auswirkungen haben – die Bank muss dem Anlagestar keinen Lohn mehr zahlen. Wie viel Jain von seinem Schweizer Arbeitgeber erhielt, ist nicht öffentlich bekannt. In der Branche geht man aber von sehr hohen Entschädigungen aus. So machen Summen von 25 und 30 Millionen Franken die Runde. Auf jeden Fall dürfte Vontobel Jain ein Vielfaches mehr bezahlt haben als dem Konzernchef Zeno Staub. 2015 erhielt dieser Lohn, Boni und Pensionsleistungen in Gesamthöhe von 3,2 Millionen Franken.

Bei seinen Gehaltsverhandlungen wusste Jain wohl die Bedeutung, die er für die Entwicklung des Asset-Managements von Vontobel hatte oder ihm zumindest zugeschrieben wurde, zu nutzen. In Medienberichten ist davon die Rede, dass er jeweils äusserst hartnäckig mit der Vontobel-Führung verhandelt habe und sich so jeweils den weiteren Verbleib beim Unternehmen vergolden liess. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 08.03.2016, 16:25 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Vontobel-Aktie stürzt ab, weil Star-Banker geht

Fondsmanager Rajiv Jain verlässt die Zürcher Privatbank. Warum das bei Anlegern ganz schlecht ankommt. Mehr...

Die unsichere Zukunft der Familienbank

Analyse Die Bank Vontobel ist zu gross für die Nische, zu klein zum Blühen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Anzeigen

Werbung

Kommentare

Werbung

Die Welt in Bildern

Doppelt gemoppelt: Ein Fan, der das Konterfei des indischen Filmstars Rajinikanth auf dem Rücken trägt und sich zusätzlich als solcher verkleidet hat, steht vor einem Kino in Bengaluru, wo der neue Streifen Kabali gezeitg wird. (22. Juli 2016)
(Bild: Abhishek N. Chinnappa) Mehr...