Der Schwarzgeld-Test: Welche Bank will 2,5 Millionen?

Von Constantin Seibt. Aktualisiert am 18.03.2009 73 Kommentare

Ein Deutscher in der Bahnhofstrasse. Er sucht Sicherheit für drei Millionen Schwarzgeld. Wer nimmt es? Die UBS? Die CS? Oder gar die Deutsche Bank?

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Bei der UBS kamen die verschiedensten Arten von Lächeln zum Zug: UBS-Sitz am Pardeplatz.
Bild: Keystone

   

Was tun, wenn man entdeckt, dass der Vater 2,5 Millionen Schwarzgeld in Vaduz hat? Und noch einmal eine halbe Million in Deutschland – in bar? Und nun in Panik ist, weil in Liechtenstein wie in der Schweiz das Bankgeheimnis bröckelt?

Dies war das Testszenario für einen gehetzten Tag in Zürich, wo man als fiktiver Sohn das Geld seines alten Herrn an die Bank bringen wollte.

Es war ein Tag mit fünf Beratern, fünf Kaffees und fünf Schokolädchen. Und fünf völlig verschiedenen Ratgebern.

Die Moral der Deutschen Bank

Der Berater der Deutschen Bank war ein angenehm energischer Mann mit nach hinten gewelltem, grauem Haar. «Mein Rat? Sofort raus aus Vaduz!», sagte er. «Ich will nicht auf Panik machen, aber Liechtenstein gefällt mir gar nicht.» Die Treuhänder seien nur bedingt vertrauenswürdig, der Fürst unberechenbar, der politische Druck härter als in der Schweiz.

Die DB würde die 2,5 Millionen sofort übernehmen. «Immerhin kommt es von einer vernünftigen Bank.» Und die halbe Million in bar? «Cash Is King!», sagte er fröhlich, aber nebulös. Man müsse sich über dieses Geld später unterhalten.

In Sachen Bankgeheimnis Schweiz müsse man wissen: 20 Prozent der Steuereinnahmen kämen aus den Banken. Deshalb könne der Bundesrat nicht gänzlich umfallen. «Obwohl, ich freue mich schon jetzt auf den Zulauf für die SVP! Die FDP ist gekippt, die CVP verkündete noch vor drei Wochen das Gegenteil.»

Mein Vater könne auf zwei Dinge vertrauen. Erstens seien Rechthilfegesuche aus der EU extrem selten. «Wir hatten letztes Jahr nur ein Amtshilfegesuch – und das haben wir abgelehnt.» Und zweitens: «Bei Schweizer Banken ist in 50 Jahren – anders als in Vaduz! – kein Fall der Indiskretion bekannt. Das darf man nicht unterschätzen: Bei uns ist die Moral so hoch!»

Das Lächeln bei der UBS

«Wir haben von einigen Kunden jetzt Anfragen: Wir möchten unser Geld sofort abziehen!», sagte der UBS-Mann. «Dann sagen wir: Klar können Sie! Aber ihre Daten verschwinden nicht!» Der Grund: Bankbelege müssten zehn Jahre aufbewahrt werden – wie übrigens auch in Liechtenstein. «Deshalb macht ein sofortiges Auflösen des Kontos für niemand Sinn.»

Es war das erste Mal, dass ein kaum merkbares Lächeln in den Mundwinkeln des UBS-Beraters erschien.

«Mein Rat an Sie: Besorgen Sie sich die Steuerunterlagen der letzten zehn Jahre. Die können Sie brauchen, falls die Lage dramatisch wird und ihr Vater rasch eine Selbstanzeige machen will, etwa um einer Gefängnisstrafe zu entgehen.»

Wieder das kleine, böse Lächeln.

Und die 500'000 Euro in bar, fragte ich: Wie kann man die in die Schweiz bringen?

«Normalerweise – das ist natürlich nicht Ihr Fall – sind spurlose Summen dieser Grösse kriminellen Ursprungs.»

Er lächelte erneut.

Und wenn man die Summe gestückelt bringt – in Portionen zu 10'000 Franken?

«In dem Falle müssen wir wegen der Häufigkeit Untersuchungen einleiten.»

Ich sagte: Die Schweizer Banken sind auch nicht mehr, was sie waren.

«Die Zeit mit dem Geldköfferchen wie im Film ist lange vorbei.»

Ist das die Praxis der UBS oder von allen Schweizer Banken?

«Ich denke, Sie werden heute sicher die Tour de banque machen. Und einige werden ihnen sagen: Liechtenstein ist weniger sicher als die Schweiz...»

Und diese sagen nicht die Wahrheit?

«Wir müssen an den Ruf denken: Lieber einmal zu viel Nein als einmal zu oft Ja. Ich sage es mal so: Wichtig ist, dass man offen darüber spricht», grinste der UBS-Berater. Dann gab er mir zwei Visitenkarten, eine mit, eine ohne verdächtiges UBS-Logo. Und sagte: «Sie wissen ja, warum ich Ihnen zwei gebe?»

Das Winden von Leu und Bär

Derart unangenehm ging es weiter.

Bei Julius Bär brachte man mir statt des Beraters ein Telefon. «Ich kann Ihnen gar nichts sagen – alles andere wäre unseriös», stöhnte der Berater. «Wir warten alle auf die Entscheidungen der Politik.» Er stöhnte erneut. «Sie sehen doch, wie schnell sich alles ändert! Deshalb kann kein Mensch heute etwas Vernünftiges raten.» Damit hängte er ab.

Wenn bei der Bank Bär gestöhnt wurde, lieferte man bei Clariden Leu die stumme Variante davon: das Winden. Der Berater wand sich, während er sagte, er sei «kein Staatsrechtler», «kein Jurist» und er «könne auch nur in die Kugel schauen». Dann er wand sich noch mehr, als er nach Tipps für Schwarzgeldtransfer gefragt wurde: «Sie möchten doch hier Geld anlegen? Langsam komme ich mir... Ihre Fragen sind etwas sehr genereller Natur!» Damit riet er, keinesfalls in Panik das Geld der deutschen Steuer zu deklarieren, sondern abzuwarten, und vermittelte einen Termin mit dem Anlageberater.

Die Sache der CS

«Liechtenstein ist eine Diktatur und deshalb nicht vertrauenswürdig! Das ist so, ja! Könnte ich auch sagen!», freute sich die CS-Beraterin und fragte: «Wer weiss sonst noch von dem Geld?»

Die Antwort «Nur die Familie!» befriedigte sie. «Wir haben zwar eine Steuer auf steuerneutralem Geld. Aber es gibt auch Formen von Trusts, wo ich Ihnen einen Mantel mache, wo die Steuer nicht anfällt.» – Wäre das denn klug? – «Grund

sätzlich müssen Sie alle Erträge melden, aber das ist nicht unsere Sache. Ich sage es mal so: Theoretisch müssen Sie melden.» Sie lachte. «Aber das ist nicht die Sache der Bank.»

Und wie steht es mit der Sicherheit?

«Die Schweiz muss gewisse Kompromisse machen. Weil sie sonst auf die schwarze Liste kommt. Aber das Bankgeheimnis bleibt! Sicher!»

Aber ist die Schweizer Regierung nicht schwach?

«Ich hoffe doch, dass der Bundesrat standfest bleibt!» Sie lachte nervös.

Wenn das so ist, wie bringe ich dann die 500'000 Euro meines Vaters nach Zürich?

«Sie bringen es bar... sie bringen es physisch... Vielleicht könnte Ihr Vater ja auch bei CS Deutschland Kunde werden. Obwohl: Mit Bargeld wäre ich vorsichtig.»

Aber sollte man nicht legalisieren? Mit Schwarzgeld kann ja einiges passieren? Da der Kunde sich nicht beschweren kann?

«Das ist eine falsche Einstellung», sagte sie wütend. «Ich teile sie nicht. Es ist nicht meine Sache, was schwarz ist und was nicht! Wir sind da zu tun, was der Kunde will. Steuerneutral oder nicht: Wir machen keinen Unterschied. Nicht vergebens hat die Schweiz so einen guten Ruf! Wir haben immer die Privatsphäre geschützt, nicht die Gangster, das ist doch nicht verächtlich, oder?»

Ich lächelte. Ich hatte die Bank für meine drei nie existierenden Millionen gefunden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2009, 12:32 Uhr

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73 Kommentare

Emmanuel Meier

18.03.2009, 16:11 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@R. Schneider: Weitgreifende Idee! V.a., wenn man sieht, wie sehr, dass es Leute gibt, die unsere Sozialhilfe bewusst ausnutzen! Dies, weil sie offenbar eben keine grosse Strafe ist! Da die Voraussetzungen gesetzlich verankert sind, spüren Sozialhilfeempfänger keinen Rappen vom Steuerbetrug! Antworten


marco persi

18.03.2009, 21:21 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@Robin Schneider: es geht hier um Deutschland, wo der Staat mit riesigen Steuerabzugen die Normalarbeitet bestraft und Arbeitslose fast bis zur Gemuetlichkeitsgrenze unterstuetzt. Es gibt da Leute die mit Hartz4 mehr bekommen als wenn sie arbeiten gingen. Es ist eine geradezu romantische Weltanschaung wenn man meint ausschliesslich mit Korrekt & Nett sei heut irgendwo noch was zu verdienen. Antworten



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