Der Sohn im Verwaltungsrat

Mit Alexander Gut soll der Sohn von CS-Übervater Rainer E. Gut Verwaltungsrat der Grossbank werden. Ein Beziehungsdelikt?

Alexander Gut, designierter CS-Verwaltungsrat. Foto: Rui Camillo

Alexander Gut, designierter CS-Verwaltungsrat. Foto: Rui Camillo

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Die Credit Suisse holt einen klingenden Namen in den Verwaltungsrat. Die Bank schlägt der Generalversammlung vom 29. April Alexander Gut zur Wahl ins oberste Führungsgremium vor. «Die erfolgreiche Umsetzung unserer neuen Strategie [. . .] erfordert einen ausgeprägten Fokus auf Risikomanagement und Compliance. Deshalb ist es wichtig, dass in unserem Verwaltungsrat herausragende Fachleute vertreten sind», begründet Präsident Urs Rohner.

Gut hat Banking und die Credit Suisse quasi in seiner DNA. Er ist der älteste Sohn von CS-Übervater Rainer E. Gut, der die Bank in den Achtziger- und Neunzigerjahren entscheidend prägte. «Unter Guts Leitung entwickelte sich die Bank zu einem international führenden Finanzdienstleistungskonzern», konstatiert das «Historische Lexikon» der Schweiz. Bis heute ist der ehemalige Konzernchef und Verwaltungsratspräsident Ehrenpräsident der Credit Suisse.

Holocaust-Debatte geprägt

Den Aufstieg seines Vaters und der Bank bekam Alexander hautnah mit. Als er zur Welt kam, lebte die Familie in New York, wo sein Vater Repräsentant der UBS-Vorläuferin Schweizerische Bankgesellschaft war. Fünf Jahre später wird Rainer E. Gut General Partner bei der Investmentbank Lazard Frères & Co und wechselt dann zur New Yorker CS-Tochter Swiss American Corporation. Es ist der Anfang der steilen Karriere.

1973 zieht die Familie Gut zurück in die Schweiz. Nachdem 1977 der Chiasso-Skandal aufgedeckt wird, bei dem Kundenberater mit Fehlanlagen die Bank an den Rand des Ruins brachten, steigt Vater Gut an die Spitze der Generaldirektion auf. Er baut in der Folge das Investmentbanking in New York und London kräftig aus. Von 1983 bis 2000 wirkt Rainer E. Gut als Präsident des Verwaltungsrats. In dieser Rolle ist er entscheidend dafür verantwortlich, dass es in der Holocaust-Debatte 1998 zu einem tragbaren Vergleich zwischen den Schweizer Banken und den jüdischen Klägern kommt.

Am Ende seiner Amtszeit war er aber auch mitverantwortlich für die gescheiterte Allfinanz-Strategie mit der Übernahme der Winterthur-­Versicherung und dem teuren Zukauf der US-Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette. Der Fehlkauf an der Wallstreet belastet die Bank bis heute, und das teuer aufgebaute Investmentbanking wird nun wieder zurückgefahren.

«Kompetent», «bestens vernetzt», «fair»

Alexander machte derweil eine eigene Karriere. Nach der Kindheit in New York und Jugend in Bassersdorf studiert er an der Uni Zürich Betriebswirtschaft. Später setzt er den Doktortitel oben drauf. Er wird Wirtschaftsprüfer und arbeitet als Bankrevisor und Transaktionsberater zuerst für die KPMG und später für Ernst & Young, dann wechselt er zurück zur KPMG und ist in der ­Geschäftsleitung verantwortlich für den Finanzsektor – und damit für eines der wichtigsten Mandate, jenes der CS.

2007 aber macht sich Alexander Gut selbstständig und gründet sein eigenes Beratungsunternehmen für Corporate Finance. Ehemalige Arbeitskollegen bezeichnen ihn als «kompetent», «bestens vernetzt», «fair» und «sympathischen, aber eher introvertierten Typ».

Ein Beziehungsdelikt ist die Nominierung Guts für den Verwaltungsrat der Credit Suisse kaum. Der 53-Jährige kennt die Schweizer Finanzszene aus dem ­Effeff. Auch Adecco und LafargeHolcim entdeckten bereits sein Talent und holten ihn in ihre Verwaltungsräte. Er sei überzeugt, dass die Bank von Guts «grossem Fachwissen stark profitieren wird», sagt Präsident Rohner. Der Ernannte weiss, dass ihn bei der angeschlagenen Grossbank ein harter Job erwartet. Vor seiner Wahl will er sich nicht gross zu seiner Ernennung äussern. Nur so viel sagt Gut: «Das wird sicher spannend.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.03.2016, 22:46 Uhr)

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