Wirtschaft

Der Weg an die Sulzer-Spitze kostete Stahlmann 275'000 Euro

Von Rita Flubacher. Aktualisiert am 22.02.2012 19 Kommentare

Gegen den früheren MAN-Topmanager wurde wegen Bestechung ermittelt. Er kaufte sich frei.

Neuer Chef mit Schönheitsfehler: Verwaltungsratspräsident Jürgen Dormann (rechts) und der zukünftige CEO Klaus Stahlmann informieren die Medien. (21. Februar 2012)

Neuer Chef mit Schönheitsfehler: Verwaltungsratspräsident Jürgen Dormann (rechts) und der zukünftige CEO Klaus Stahlmann informieren die Medien. (21. Februar 2012)
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Der Wintermonat Februar hat es für den 51-jährigen deutschen Manager Klaus Stahlmann in sich: Gestern Dienstag, den 21. Februar, wurde er überraschend als neuer Chef des Winterthurer Industriekonzerns Sulzer (SUN 116.3 0.61%) der Öffentlichkeit und der Unternehmensbelegschaft vorgestellt.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte er überraschend seinen Job als Mitglied der Konzernleitung des deutschen Industrieunternehmens MAN abgegeben. Der für den MAN-Bereich Diesel & Turbo Zuständige war über einen Bestechungsfall gestolpert. Noch einer, kommentierten damals deutsche Medien.

Ein anrüchiges Wort steht im Raum

Gegen MAN hatte die Staatsanwaltschaft München seit 2009 ermittelt. Der Konzern soll den Verkauf von Lastwagen und Bussen mit Bestechungsgeldern angekurbelt haben. Ende 2009 zahlte MAN eine Strafe von gegen 151 Millionen Euro, 20 Angestellte, darunter der Konzernchef und sein Finanzchef, mussten gehen. Stahlmann, der seit 2007 MAN-Manager war, rückte als Hoffnungsträger in die oberste Führung auf. Im Februar 2011 war diese Karriere zu Ende.

Und nun, zwölf Monate später, tut sich für Stahlmann wiederum eine neue Karriere auf. Weil nichts von den Vorwürfen an ihm hängen geblieben ist?

Sulzer-Verwaltungsratspräsident Jürgen Dormann preist seinen Landsmann: «Er kennt die Welt von Sulzer sowohl in geografischer Hinsicht wie auch bei den Produkten. Er kennt das Geschäft aus dem Effeff», erklärt er an der Medienkonferenz. Über die Fähigkeiten des in Südamerika aufgewachsenen Wirtschaftsingenieurs, der sich in der Herstellung von Pumpen und Kompressoren und im Anlagebau offenbar bestens auskennt, will niemand Näheres wissen. Denn im Raum steht das anrüchige Wort «Korruptionsaffäre».

Man konnte das offizielle Ende nicht abwarten

Aus der Sicht von Stahlmann hat sich die Sache so abgespielt: Er habe eine Rechnung für ein Geschäft in Kasachstan aus dem Jahr 2005 unterschrieben, also vor seiner Zeit bei MAN. Man habe sich dabei durch einen externen Anwalt beraten lassen. Das Geschäft, das der Zahlung zugrunde lag, habe möglicherweise einen «korruptiven Hintergrund» gehabt, mit dem er nichts zu tun gehabt habe. Als er im Februar 2011 von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München erfahren habe, sei er sofort zurückgetreten, um sich ganz dem Verfahren zu widmen. Als Beschuldigter sei er für das Unternehmen nicht mehr tragbar gewesen, hiess es damals in deutschen Medien. Zu einem überraschenden Rücktritt kam es im Juni 2011 auch an der Sulzer-Spitze: Der Niederländer Ton Büchner wechselte zu Akzo Nobel.

Klaus Stahlmann auf der dringenden Suche nach einem neuen Top-Job, Dormann auf der dringenden Suche nach einem neuen CEO – eine ideale Konstellation. Stahlmann kam auf die Kandidatenliste des Sulzer-VR. Ab August war er gar der Favorit – wäre da nicht das hängige Verfahren in München gewesen, dessen zeitliche Dauer ungewiss war. Die Zeit drängte. Dormann sagt heute, man habe das offizielle Ende der Ermittlungen nicht abwarten können.

Stahlmann gelang es am 16. Februar, gegen die Bezahlung von 275'000 Euro die Einstellung des Verfahrens in München zu erwirken. Ob Sulzer die Auflage bezahlt habe, wird Dormann gefragt. Entrüstet weist er solche Gedanken zurück. Die Aktivitäten der Münchner Justiz nennt er «Holperigkeiten», die den Vertragsabschluss verzögert hätten.

Keine Vorstrafe, aber ein Makel

Ein vom TA befragter deutscher Jurist erklärt, zu einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage komme es etwa dann, wenn die Staatsanwaltschaft zwar überzeugt sei, es sei etwas dran, die Beweislage aber dünn sei. Es handle sich aber keinesfalls um einen Freispruch. Für den Betroffenen sei die Sache vorläufig erledigt, und er gelte nicht als vorbestraft. Aber ein Makel bleibe.

Auch Dormann spricht von einem Makel. Stahlmann sei trotzdem besser als die anderen Kandidaten gewesen. (Unter ihnen gab es auch interne Anwärter.) Der Angesprochene erklärt, er habe eine Erkenntnis aus dem Verfahren wegen möglicher Bestechung gewonnen: «Ich werde noch mehr darauf achten.» Dazu hat er Grund. Dormann betont mehrmals, dass bei Sulzer Nulltoleranz herrsche. Auf die Frage, ob man auch bei Sulzer Geschäfte mit Kasachstan machen würde, antwortet Dormann: «Man darf ein Geschäft dann nicht machen, wenn es Anrüchiges gibt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2012, 22:40 Uhr

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19 Kommentare

Philipp Rittermann

22.02.2012, 07:28 Uhr
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na das sind ja tolle voraussetzungen für den start bei sulzer. aber ich denke auf dieser stufe ist das ja gang und gäbe, dass man dreck am stecken hat. Antworten


Seraina Semadeni

22.02.2012, 08:58 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Stahlmann kann es drehen und wenden, wie er will: In der Schweiz, in der solch' anrüchige Freikauf-Aktionen nicht möglich sind, wird er in der Öffentlichkeit als Vorbestrafter angeschaut. Und Dormann muss sich vorwerfen lassen, einen kriminellen Landsmann zu protegieren. Soviel Frechheit auf einmal zeigt, wie ein einst stolzes Schweizer Unternehmen auf den Hund gekommen ist. Antworten



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