Der harte Job des Thomas Klühr

Die Swiss flog 2015 ein starkes Ergebnis ein. Für den neuen Chef Thomas Klühr wird es schwer, das zu übertreffen.

Der neue Swiss-CEO Thomas Klühr sieht keinen Anlass für einen Strategiewechsel. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Der neue Swiss-CEO Thomas Klühr sieht keinen Anlass für einen Strategiewechsel. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Die wichtigste Aufgabe hat Thomas Klühr in seinen 48 Tagen im Amt als Swiss-Chef offensichtlich erledigt. Er hat sich eingehend über die Befindlichkeit der Schweizer Bevölkerung in Bezug auf die National-Airline erkundigt. Und er wusste darum: Wer als Deutscher von der Mutter Lufthansa als Statthalter nach Kloten geschickt wird, der muss erst einmal Demut zeigen.

Es gebe keinen Anlass für einen Strategiewechsel, sagte Klühr gestern bei der Medienkonferenz zum Jahresergebnis. «Es ist ein total engagiertes Team hier», lobte der Manager weiter, der am 1. Februar die Führung der Swiss übernommen hatte. Das Unternehmen sei gut aufgestellt, seine Vorgänger hätten einen guten Job gemacht. Darum werde die Swiss auch immer die Swiss bleiben und nicht zur «Lufthansa Schweiz» gemacht.

Entlastung wegen tiefem Ölpreis

Der Swiss lief es 2015 wirklich gut. Mit einem Betriebsgewinn von 453 Millionen Franken (plus 34 Prozent zum Vorjahr) erzielte sie das drittbeste Resultat in ihrer Geschichte und ist im Lufthansa-Konzern nun das zweitgewichtigste Standbein. Möglich machten das die verstärkte Nutzung von Synergien in der Gruppe, Sparmassnahmen und Produkteverbesserungen vor allem für die zahlungskräftigen Geschäftsreisenden. Die Swiss hatte aber auch Glück. Der Fall des Ölpreises entlastete die Rechnung um rund 300 Millionen Franken. Dadurch konnte der Umsatzeinbruch nach dem Frankenschock in etwa gleicher Höhe wettgemacht werden.

Das gute Ergebnis macht den Job für den 54-jährigen Klühr nicht einfacher. Der Ölpreis wird nicht weiter fallen, sondern nur noch steigen. Das belastet die Rechnung, obwohl die Swiss sich hier absichert. Die Massnahme (das sogenannte Hedging) hilft erst ab einem Ölpreis von 75 Dollar pro Fass. Darunter kostet sie sogar. Auf der anderen Seite bleibt die Ertragssituation schwierig. Der Franken wird noch einige Zeit stark bleiben. Das heisst für die Swiss, dass die im Ausland erzielten Einnahmen in Franken weniger wert sind und die Lust ausländischer Gäste auf Reisen in die teure Schweiz weiterhin klein bleibt.

Vor allem eines wird die Airline aber schmerzhaft spüren: Die ausländische Konkurrenz behält ihren Kostenvorteil und kann den Preiskampf weiter verschärfen. Das merkte die Swiss bereits 2015. Die Einnahmen pro geflogenen Passagierkilometer (im Fachjargon: Yield) sanken um 7 Prozent. Ein Rückgang, wie ihn die Swiss noch nie erlebt hat.

«Wir bauen keine Stellen ab»

Mit der Investition in neue Flieger (Boeing 777 auf der Lang- und C-Series auf der Kurzstrecke) hofft die Swiss, vor allem Businessreisende wieder vermehrt von sich überzeugen zu können. Klar ist aber auch, dass Klühr weitere Synergien innerhalb der Lufthansa-Gruppe nutzen muss. So können die Kosten weiter gedrückt werden. Immer mehr Prozesse werden inzwischen zentral gesteuert. Das heisse aber nicht, dass dies immer am Konzernhauptsitz in Frankfurt geschehe, beruhigt der Swiss-Chef. Gewisse Bereiche werden in Zürich gelenkt. «Wir bauen keine Stellen ab», verspricht Klühr. Das heisst indes nicht, dass alle ihren Job behalten. Denn seine Aussage gilt nur per saldo.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.03.2016, 08:34 Uhr)

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Schwankende Beliebtheit

Die Swiss aus Kundenoptik

Bei Flügen aus der Schweiz oder in die Schweiz dominiert die Swiss den Markt. Doch die Kundengunst gegenüber der Airline schwankt beträchtlich, wie eine Auswertung des Vergleichsportals Kayak.com im Auftrag des TA zeigt. Bei den ausgewerteten Daten handelt es sich um die Anzahl von Aufrufen von Swiss-Flügen über das Kayak-Portal. Darunter sind auch solche, die in eine Flugbuchung mündeten. Die Auswertung gibt dadurch einen Hinweis, inwieweit die Beliebtheit der Airline schwankt.

Auffällig ist, dass Zu- und Abnahme der Swiss-Aufrufe via Kayak zeitlich mit Änderungen der Tarif- und Gebührenmodelle zusammenfallen. Und mit solchen Anpassungen geriet die Airline im vergangenen Jahr gleich mehrmals in die Schlagzeilen. Die Einführung der drei neuen Tarifstufen in der Economy-Klasse liess das Interesse an Swiss-Flügen bei den Kayak-Nutzern messbar ansteigen. Zur Erinnerung: Seit dem 23. Juni 2015 ist der sogenannte Light-Tarif im Angebot, der nur Handgepäck zulässt und keinen zugewiesenen Sitzplatz enthält. Im Unterschied zum Classic-Tarif, der ein Freigepäck bis 23 Kilo und einen zugewiesenen Sitzplatz enthält. Mit dem teuersten Flex-Tarif erhält der Passagier darüber hinaus einen Sitzplatz in einer bevorzugten Zone, kann umbuchen und gegen eine Gebühr den Flug stornieren.

Nicht goutiert wurde die neue Buchungsgebühr der Swiss, die den Reisebüros aufgezwungen wurde. Seit September werden 16 Franken verrechnet, wenn das Ticket in einem Reisebüro über die dort etablierten Buchungssysteme gekauft wird. In der Auswertung der Kayak-Daten fällt auf, dass genau auf den Einführungstermin dieser Gebühr hin die Kurve mit den Zugriffszahlen abknickt. Die Swiss geht auf Anfrage nicht davon aus, dass Tarifanpassungen die Zugriffszahlen bei Kayak beeinflussen, und nennt Angebot, Nachfrage, die Wettbewerbssituation sowie saisonale Schwankungen als mögliche Gründe.

Matthias Pfander, Barnaby Skinner

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