Wirtschaft
Der letzte der Sonnenkönige räumt den Thron
Von David Vonplon. Aktualisiert am 26.01.2010
«Unser Druck hat Wirkung gezeigt»: Daniel Vasella begnügt sich künftig bei Novartis mit einem Verwaltungsratsmandat. (Bild: Keystone)
Wollte beim grössten Konzern des Landes lange Zeit nichts von Gewaltentrennung wissen: Nestlé-VR-Präsident Peter Brabeck.
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Daniel Vasella räumt seinen Sessel als CEO der Novartis, (NOVN 49.92 0.89%) in seine Fussstapfen tritt Joe Jimenez. Wohl auch, weil Vasella sich einen Aufstand an der Generalversammlung, wie ihn vor fünf Jahren Peter Brabeck bei Nestlé erlebt hat, ersparen will. «Unser Druck hat Wirkung gezeigt», erklärte denn auch Ethos-Direktor Dominique Biedermann, der einen für Vasella gefährlich hohen Anteil an Aktionären für seinen Antrag «Stop Chairman-CEO» gewinnen konnte.
Mit Vasellas Ankündigung, bei Novartis kürzer zu treten, verschwindet das Doppelmandat aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Vasella ist der letzte Manager eines Grossunternehmens, der bis heute zwei Hüte trägt. Nur noch in mittelgrossen Unternehmen lebt das anachronistische Führungsmodell weiter: Etwa beim Unternehmen Lindt & Sprüngli, (LISN 33800 0.16%) wo «Chef-Präsident» Ernst Tanner das alleinige Sagen hat, oder beim Technologie-Unternehmen Kudelski, sowie beim Lifthersteller Schindler, (SCHN 108 -0.46%) wo Alfred N. Schindler Chairman und CEO in einem ist.
Doppelmandate im Zwielicht
Die ganz Grossen aber haben sich von dieser Ausnahmeform der Unternehmensführung verabschiedet - wenn auch häufig nur unter Widerstand der amtierenden Chefs. Als Peter Brabeck im Jahr 2005 den abtretenden Rainer E. Gut als VR-Präsident beerbte, folgten 36 Prozent der Aktionäre einem Antrag der Anlagestiftung Ethos, die das verbieten wollte. Brabeck schnappte sich trotzdem den zusätzlichen Hut, gab ihn aber schliesslich im April 2008 doch noch an Paul Bulcke ab.
Auch dem Abgang von Rolf Hüppi bei Zurich Financial Services waren Misstöne vorausgegangen. Dort hatten Aktionäre vergeblich auf einen starken Verwaltungsrat gehofft, der Rolf Hüppi im rechten Moment hätte Paroli bieten können. Schliesslich nahm Hüppi 2002 unter massivem Druck der Aktionäre den Hut. Beim Basler Chemie-Konzern Roche gab Franz Humer seine siebenjähriger Einzelherrschaft im März 2008 ab.
Einzelherrschaft hat auch Vorteile
Obwohl das Doppelmandat in den grossen öffentlichen Konzernen ein Auslaufmodell ist: Empirisch lässt sich kaum festhalten, dass Doppelmandate mit «Bad Governance» einher gehen. Laut Professor Artur Baldauf von der Universität Bern gibt es durchaus Umstände, in denen eine Aufhebung der Gewaltentrennung vorteilhaft ist. Denn: «Das Unternehmen kann so schneller entscheiden und diese Entscheide auch schneller umsetzen.»
Ob vom Grundsatz der Ämtertrennung abgewichen werden kann, hängt von der Stärke des Verwaltungsrats ab, sowie von der Zusammensetzung des Aktionariats. Ein Grossaktionär etwa sorgt in der Regel für zusätzliche Kontrolle und Überwachung. «Bei grossen öffentlichen Unternehmen mit einem breit gestreuten Aktionariat sollte es dagegen eine klare Trennung zwischen Verwaltungsrat und CEO geben», so Baldauf.
Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die Entlöhnung der Unternehmensführung im Blickfeld der Medien steht: «Wenn sich ein Verwaltungsrat als CEO ein Gehalt über 30 Millionen Franken Lohn verordnet, kommt das schlecht an, gerade vor dem Hintergrund einer Wirtschaftskrise», findet Baldauf. Da setze sich das Unternehmen automatisch einem grossen Druck aus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.01.2010, 17:14 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




