Wirtschaft
Der meistgesuchte Swisscom-Partner
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 24.02.2010
Das italienische Telekom-Unternehmen Fastweb ist in den Strudel eines mutmasslichen Geldwäscherei-Skandals geraten. Und mit ihr steht Fastweb-Gründer Silvio Scaglia unter Verdacht. Der 1958 in Luzern geborene Geschäftsmann wird von der italienischen Polizei international per Haftbefehl gesucht. Scaglia, der zurzeit im Ausland weilt, soll einer mafiaähnlichen Gruppe von mehr als 50 Personen angehören. Die Gruppe soll mithilfe von Scheinfirmen mehr als zwei Milliarden Euro an Schwarzgeld gewaschen haben. Die Swisscom-Tochter Fastweb verneint jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit den Geldwäscherei-Untersuchungen. Firmengründer Scaglia sitzt heute noch im Verwaltungsrat von Fastweb.
Scaglia ist auf Geschäftsreise in Südamerika, wie die italienische Zeitung «Corriere della Sera» berichtet. Der Unternehmer hat Kenntnis vom Haftbefehl. «Das ist verrückt», sagte er, «ich verstehe nicht, was da passiert.» Die Angelegenheit sei bereits seit Jahren bekannt. Er habe schon zu Beginn der Strafuntersuchungen vor zwei Jahren Auskunft gegeben. Im Gespräch mit dem «Corriere» weist Scaglia die Vorwürfe zurück, nachdem er bereits über seinen Anwalt seine Unschuld beteuert hatte. Gemäss dem Medienbericht ist der 52-Jährige bereit, sich der Polizei in Italien zu stellen. Scaglia tritt die Flucht nach vorne an.
Von Omnitel zu Fastweb
Mit Scaglia ist einer der erfolgreichsten und reichsten Unternehmer Italiens ins Visier der Justiz geraten. Der Absolvent der Technischen Universität in Turin und McKinsey-Berater brauchte zehn Jahre für seinen rasanten Aufstieg. Bevor er 1999 die heutige Swisscom-Tocher Fastweb gründete, hatte er als Geschäftsführer und Verwaltungsratsdelegierter die Geschicke des italienischen Mobilfunkanbieters Omnitel, heute Vodafone Italia, gelenkt. Dies tat er offensichtlich mit grossem Erfolg, denn seit dieser Zeit nennen ihn seine Freunde «il mago», den Magier. Unter Scaglia schnellte die Zahl der Omnitel-Kunden von 300'000 auf 8 Millionen.
Das grosse Geld machte er aber mit dem Mailänder Breitbandanbieter Fastweb. «Ich habe mein ganzes Geld in das Unternehmen investiert, auch meine ganze Glaubwürdigkeit», hatte er im September 1999 bei der Präsentation von Fastweb gesagt. Nach dem Aufbau eines vier Milliarden Euro teuren Fiberglasnetzes in der Agglomeration Mailand profilierte sich Fastweb als weltweit erster Anbieter eines integrierten Sprach-, Daten- und Videoangebots auf Internet-Protokoll-Basis. Vor knapp drei Jahren, im März 2007, verkaufte er sein Aktienpaket an die Swisscom, (SCMN 352 0.09%) die jetzt über 80 Prozent an Fastweb besitzt. Allein dieser Deal brachte ihm rund 900 Millionen Euro ein. Auf der Liste der reichsten Italiener belegt er den 13. Platz. Und das US-Magazin «Forbes» führt unter den Top 1000 der Reichsten der Welt. Trotz seines Reichtums wohnt er offiziell immer noch in Ayas-La Thuile, einem Dörfchen im Aostatal, das dank Scaglia beim Pro-Kopf-Einkommen an der Spitze in Italien liegt.
Alternative zu Youtube
Nach dem Abgang bei Fastweb engagierte sich Scaglia noch im selben Jahr bei der neuen Web-TV-Plattform Babelgum. Das Unternehmen, in das er 50 Millionen Euro investierte, hat Sitze in den USA, Grossbritannien und Italien. Das Babelgum-Projekt kündigte Scaglia mit grossen Worten an: «Das ist eine Alternative zu Youtube, aber mit professionellen Produkten von höchster Qualität.» Und weiter sagte er: «In Babelgum habe ich alles von mir gegeben, mein Geld und meine Reputation als Unternehmer.» Wegen der Geldwäscherei-Ermittlungen steht sein Ruf nun aus anderen Gründen auf dem Spiel. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.02.2010, 14:15 Uhr
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