Wirtschaft

Der oberste Lokführer tobt

Aktualisiert am 21.06.2010 17 Kommentare

Der oberste Schweizer Lokführer ist unzufrieden mit der SBB. Hubert Giger klagt über zu viele Überstunden und zu wenig Lohn. Das Image des Berufs habe stark gelitten. Die Folge: Personalmangel.

Nicht gerade ein Traumberuf: Lokführer Reto Tschanz unterwegs während einer Testfahrt mit einer Lokomotive vom Typ Re 465.

Nicht gerade ein Traumberuf: Lokführer Reto Tschanz unterwegs während einer Testfahrt mit einer Lokomotive vom Typ Re 465.
Bild: Keystone

Die Schweizer Lokführer sind unzufrieden mit der SBB als Arbeitgeberin. Seit Jahren zwinge die SBB ihre Lokomotivführer zu Überstunden, die nie abgebaut werden könnten, sagte Hubert Giger, Präsident des Verbandes Schweizer Lokführer (VSLF), in einem Zeitungsinterview.

«Bis zu zwanzig Prozent der Lokomotivführer in der Schweiz weisen Zeitkonti von teilweise weit über 150 Überstunden aus», hielt Giger in der «Thurgauer Zeitung» und im «Landboten» vom Montag fest. Auch beim Einlösen der Ferien hapere es. Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) regle die Gesamtarbeitszeiten. Die SBB hätten diese auch beim Lokpersonal einzuhalten, fordert der Verbandspräsident.

Jeder Lokführer habe momentan rund 15 Arbeitstage zu viel auf dem Konto, bestätigte Marian Klatt, Vizezentralpräsident des Lokomotivpersonalverbandes (LPV), die Vorwürfe auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der LPV vertrete zwei Drittel aller Lokführer, Gigers VSLF ein Drittel.

Verbände warnen vor Personalmangel

Die Folgen der stiefmütterlichen Behandlung sind gemäss Giger fatal: Weil das Image des Lokführerberufes stark gelitten habe, drohe ein Personalmangel. In den nächsten zehn Jahren gehe rund ein Drittel der Lokführer - etwa 1000 Personen - in Pension. «So lange die Attraktivität des Lokführerberufes weiter abnimmt, wird es sehr schwierig sein, Junge zu finden», warnte Giger.

Schlecht für das Ansehen seines Berufsstandes sei auch die Entlöhnung: Mit einem Einsteigerlohn von 60'000 Franken brutto inklusive 13. Monatslohn würden die Lokführer nicht gerade fürstlich bezahlt, kritisierte Giger. Zudem dauere es bis zu 20 Jahre, bis ein Lokführer den Maximallohn erreichen könne.

Noch mehr Sorgen

Den Vertreter der Schweizer Lokführer plagen noch weitere Sorgen: «Neben der Verletzung der GAV-Vorgaben beschäftigt uns nach wie vor das riesige, ungelöste Problem mit der Pensionskasse und die geplante Einführung eines neuen Lohnsystems, das einen Lohnabbau zur Folge hätte», sagte Giger. Falls sich die Situation verschärfe, seien «gewisse Aktionen» nicht ausgeschlossen, kündigte er an.

Bereits erfolgt ist der Gang zum Schiedsgericht: Weil die SBB bei den Überstunden den GAV nicht einhielten, habe der VSLF das Schiedsgericht angerufen, sagte Giger. Unterstützt wird er dabei vom LPV, wie Klatt bestätigte. Ein Urteil sei diesen Sommer oder Herbst zu erwarten.

SBB: Leichter Überbestand

Kein Verständnis für die Kritik der Lokführer hat die SBB: Momentan bestehe beim Lokführerpersonal der SBB ein «leichter Überbestand von 20 Stellen», sagte SBB-Sprecher Danni Härry auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Von einem Personalmangel könne also keine Rede sein.

Zudem bilde die SBB zurzeit 145 Lokführer aus. «Offenbar ist der Beruf immer noch sehr attraktiv», hielt Härry fest. Die Vorwürfe der vielen Überstunden konterte der SBB-Sprecher mit folgender Feststellung: «Seit einigen Jahren nehmen die geleisteten Überstunden ab.» Konkrete Zahlen lägen ihm allerdings nicht vor. (bru/sda)

Erstellt: 21.06.2010, 10:20 Uhr

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17 Kommentare

Michael Wenk

21.06.2010, 10:37 Uhr
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Die Lokführer sind -wie die Arbeiter des Fiat-Werkes in Neapel- nicht die Einzigen, die noch aufwachen müssen. Wir alle wollen immer besser Leistungen zu einem tieferen Preis und höhere Löhne... das wird so nicht funktionieren. Das Geld muss er-arbeitet werden. Auch das Rentenalter wird erhöht werden müssen, nicht nur in Griechenland. Antworten


Freddy Luger

21.06.2010, 11:19 Uhr
Melden

@ M.Wenk Ihr meinung muss sich nicht mit meiner teilen !!!! Antworten



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