Wirtschaft
Der reiche Grieche vom Genfersee
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 02.06.2012 79 Kommentare
Einer der grössten Profiteure des Euro-Rettungsschirms: Spiros Latsis. (15. Januar 2002)
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Anfang Woche war in Griechenland wieder einmal Zahltag. 18 Milliarden Euro flossen aus dem Euro-Rettungsschirm in das griechische Bankensystem. Die National Bank erhielt 6,9 Milliarden Euro, die Piraeus Bank 5 Milliarden, die EFG Eurobank Ergasias 4,2 Milliarden und die Alpha Bank 1,9 Milliarden. Einer der grössten Profiteure der Rettungsaktion sitzt in Genf: Spiros Latsis, der reichste Mann Griechenlands, mit Wohnsitz in Bellevue bei Genf.
Ihm gehören neben der zweitgrössten Bank Griechenlands, der EFG Eurobank, auch eine Reederei, eine Immobiliengesellschaft, 30 Prozent an Hellenic Petrolium sowie Immobilien in der ganzen Welt. 12 Milliarden Euro steckte seine Bank in die griechischen Staatsschulden, 48 Milliarden haben private griechische Schuldner bei ihm ausstehend. Von denen sind heute nicht mehr alle solvent – aus diesem Grund wäre Latsis’ Bank in Griechenland ohne die Hilfe Europas zusammengebrochen.
Familiensitz in der Schweiz
Die Familie Latsis, geschätztes Vermögen laut «Bilanz» 4 Milliarden Franken, hat schon lange ein Standbein in der Schweiz. Spiros’ Vater Giannis war ein persönlicher Freund der saudischen Königsfamilie und auch schon einer der reichsten Männer der Welt. Der Reeder, Ölhändler und Generalunternehmer beliess seinen offiziellen Wohnsitz in Athen, gemanagt wurden seine weltweiten Geschäfte aber von Genf aus, vorerst durch seine Töchter Marianna und Margarita. Diese wurden in den 80er-Jahren in Genf eingebürgert. Seinen Sohn Spiros schickte Latsis nach England.
Die Latsis fühlten sich in der Schweiz zu Hause. Sie kauften in Genf einiges an Immobilien zusammen: Insgesamt besassen sie im Kanton Genf «mindestens 50'000 Quadratmeter Land mit Verwaltungsgebäuden und zahlreichen Villen», dazu «an die 250 Wohnungen», schrieb die «Bilanz». Einen Coup landete Latsis, als er dank dem Schweizer Pass seiner Töchter ein Gelände für den saudischen König kaufen konnte, das dieser als Ausländer nie hätte erwerben dürfen.
Nähe zu den Mächtigen gesucht
Und Latsis kaufte eine Bank. Dank dem Schweizer Pass der Töchter war die Banque de Dépôt, deren Kapital Latsis – mit Saudi-Geld, wie das Nachrichtenmagazin «Spiegel» schrieb – von 50 auf 250 Millionen Franken erhöhte, ein Schweizer Institut. Deshalb fiel es auch nicht unter die einschränkende Gesetzgebung für Auslandsbanken. Die Familie Latsis suchte immer die Nähe zu den Mächtigen. Dazu diente auch ihre märchenhafte Jacht Alexander. Auf ihr war zu Giannis’ Zeiten George W. Bush zu Gast, der Prinz of Wales und Marlon Brando. Sohn Spiros führte diese Tradition nach dem Tod seines Vaters nahtlos weiter – und trat ins Fettnäpfchen.
2004 verbrachte der heutige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso samt Familie eine Woche auf dem Traumschiff – gratis und franko. Barroso und Spiros Latsis kannten sich schon lange, sie haben in London gemeinsam studiert. Peinlich war, dass kurz nach den Jachtferien in Brüssel strengere Umweltvorschriften für griechische Schiffe verhindert wurden. Entscheide, in die Barroso teilweise persönlich involviert war. Barroso überstand später einen Misstrauensantrag im EU-Parlament mit dem Argument, er sei zur Zeit des Urlaubs noch nicht EU-Präsident gewesen.
In Deutschland hat die Affäre hohe Wellen geschlagen. Und sie kommt immer wieder zur Sprache, wenn Latsis’ Bank Geld von Brüssel bekommt. Zu Hause in Griechenland ist Latsis umstritten. Zwar hat er einen schönen Teil der Presse im Griff, weil sie ihm gehört. Doch bei den Demonstrationen in Athen wurden auch schon Filialen seiner EFG Eurobank verwüstet. In Athen hat er sich im Vorfeld der Olympischen Spielen 2004 Feinde geschaffen, weil er es schaffte, trotz negativem Gerichtsbeschluss ein Shoppingcenter auf einem Gelände zu bauen, das für Sozialwohnungen vorgesehen war. Geholfen haben ihm die hervorragenden Beziehungen zur Regierungspartei Pasok.
Holdingsitz flugs verlegt
In der Schweiz brachte Latsis 2005 seine Bank als EFG International (EFGN 11.45 0.44%) an die Börse. 2010, als die Griechenlandkrise ausbrach, kam es von Kundenseite zu kritischen Fragen die Solidität der Bank betreffend. Die Finanzmarktaufsicht Finma prüfte, ob die Bank in den Strudel der Griechenlandkrise kommen könnte. Im Zuge dieser Abklärungen wurde denn auch die Beteiligung Latsis’ an der EFG Eurobank in die EFG Holding in Luxemburg verschoben.
Seit diesem Zeitpunkt ist die Finma nur noch Regulator für die EFG International mit Sitz in der Schweiz. Weil gleichzeitig mit der Sitzverlegung die statistische Erfassung der Griechenlandausstände der Schweizer Banken um 60 Milliarden abnahm, kennt man auch das Ausmass der Probleme der EFG Eurobank in Athen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.06.2012, 22:55 Uhr
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79 Kommentare
Jetzt werden sicher wieder viele Kommmentare erscheinen, die sowohl die EU, als auch Deutschland kritisieren oder sogar beschimpfen. Dabei sollten sich die Schweizer fragen: was macht dieser Mann und seine Familie in der Schweiz; warum lebt er nicht in Griechenland, gibt dort sein (auch EU)-Geld aus und zahlt seine Steuern - jede Drachme? Es gibt noch viele 'Latsis' und die Schweiz profitiert. Antworten
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