Der reiche Grieche vom Genfersee

Spiros Latsis, der vermögendste Mann Griechenlands, profitiert von der Krise in seiner Heimat: Über den Euro-Rettungsschirm pumpen die Europäer Milliarden in seine EFG-Bank.

Hier begrüsst die Familie Latsis hohe Gäste: Die 122-Meter-Jacht Alexander.

Hier begrüsst die Familie Latsis hohe Gäste: Die 122-Meter-Jacht Alexander. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Anfang Woche war in Griechenland wieder einmal Zahltag. 18 Milliarden Euro flossen aus dem Euro-Rettungsschirm in das griechische Bankensystem. Die National Bank erhielt 6,9 Milliarden Euro, die Piraeus Bank 5 Milliarden, die EFG Eurobank Ergasias 4,2 Milliarden und die Alpha Bank 1,9 Milliarden. Einer der grössten Profiteure der Rettungsaktion sitzt in Genf: Spiros Latsis, der reichste Mann Griechenlands, mit Wohnsitz in Bellevue bei Genf.

Ihm gehören neben der zweitgrössten Bank Griechenlands, der EFG Eurobank, auch eine Reederei, eine Immobiliengesellschaft, 30 Prozent an Hellenic Petrolium sowie Immobilien in der ganzen Welt. 12 Milliarden Euro steckte seine Bank in die griechischen Staatsschulden, 48 Milliarden haben private griechische Schuldner bei ihm ausstehend. Von denen sind heute nicht mehr alle solvent – aus diesem Grund wäre Latsis’ Bank in Griechenland ohne die Hilfe Europas zusammengebrochen.

Familiensitz in der Schweiz

Die Familie Latsis, geschätztes Vermögen laut «Bilanz» 4 Milliarden Franken, hat schon lange ein Standbein in der Schweiz. Spiros’ Vater Giannis war ein persönlicher Freund der saudischen Königsfamilie und auch schon einer der reichsten Männer der Welt. Der Reeder, Ölhändler und Generalunternehmer beliess seinen offiziellen Wohnsitz in Athen, gemanagt wurden seine weltweiten Geschäfte aber von Genf aus, vorerst durch seine Töchter Marianna und Margarita. Diese wurden in den 80er-Jahren in Genf eingebürgert. Seinen Sohn Spiros schickte Latsis nach England.

Die Latsis fühlten sich in der Schweiz zu Hause. Sie kauften in Genf einiges an Immobilien zusammen: Insgesamt besassen sie im Kanton Genf «mindestens 50'000 Quadratmeter Land mit Verwaltungsgebäuden und zahlreichen Villen», dazu «an die 250 Wohnungen», schrieb die «Bilanz». Einen Coup landete Latsis, als er dank dem Schweizer Pass seiner Töchter ein Gelände für den saudischen König kaufen konnte, das dieser als Ausländer nie hätte erwerben dürfen.

Nähe zu den Mächtigen gesucht

Und Latsis kaufte eine Bank. Dank dem Schweizer Pass der Töchter war die Banque de Dépôt, deren Kapital Latsis – mit Saudi-Geld, wie das Nachrichtenmagazin «Spiegel» schrieb – von 50 auf 250 Millionen Franken erhöhte, ein Schweizer Institut. Deshalb fiel es auch nicht unter die einschränkende Gesetzgebung für Auslandsbanken. Die Familie Latsis suchte immer die Nähe zu den Mächtigen. Dazu diente auch ihre märchenhafte Jacht Alexander. Auf ihr war zu Giannis’ Zeiten George W. Bush zu Gast, der Prinz of Wales und Marlon Brando. Sohn Spiros führte diese Tradition nach dem Tod seines Vaters nahtlos weiter – und trat ins Fettnäpfchen.

2004 verbrachte der heutige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso samt Familie eine Woche auf dem Traumschiff – gratis und franko. Barroso und Spiros Latsis kannten sich schon lange, sie haben in London gemeinsam studiert. Peinlich war, dass kurz nach den Jachtferien in Brüssel strengere Umweltvorschriften für griechische Schiffe verhindert wurden. Entscheide, in die Barroso teilweise persönlich involviert war. Barroso überstand später einen Misstrauensantrag im EU-Parlament mit dem Argument, er sei zur Zeit des Urlaubs noch nicht EU-Präsident gewesen.

In Deutschland hat die Affäre hohe Wellen geschlagen. Und sie kommt immer wieder zur Sprache, wenn Latsis’ Bank Geld von Brüssel bekommt. Zu Hause in Griechenland ist Latsis umstritten. Zwar hat er einen schönen Teil der Presse im Griff, weil sie ihm gehört. Doch bei den Demonstrationen in Athen wurden auch schon Filialen seiner EFG Eurobank verwüstet. In Athen hat er sich im Vorfeld der Olympischen Spielen 2004 Feinde geschaffen, weil er es schaffte, trotz negativem Gerichtsbeschluss ein Shoppingcenter auf einem Gelände zu bauen, das für Sozialwohnungen vorgesehen war. Geholfen haben ihm die hervorragenden Beziehungen zur Regierungspartei Pasok.

Holdingsitz flugs verlegt

In der Schweiz brachte Latsis 2005 seine Bank als EFG International an die Börse. 2010, als die Griechenlandkrise ausbrach, kam es von Kundenseite zu kritischen Fragen die Solidität der Bank betreffend. Die Finanzmarktaufsicht Finma prüfte, ob die Bank in den Strudel der Griechenlandkrise kommen könnte. Im Zuge dieser Abklärungen wurde denn auch die Beteiligung Latsis’ an der EFG Eurobank in die EFG Holding in Luxemburg verschoben.

Seit diesem Zeitpunkt ist die Finma nur noch Regulator für die EFG International mit Sitz in der Schweiz. Weil gleichzeitig mit der Sitzverlegung die statistische Erfassung der Griechenlandausstände der Schweizer Banken um 60 Milliarden abnahm, kennt man auch das Ausmass der Probleme der EFG Eurobank in Athen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 01.06.2012, 22:55 Uhr)

Einer der grössten Profiteure des Euro-Rettungsschirms: Spiros Latsis. (15. Januar 2002)

Artikel zum Thema

Finanzspritze für griechische Grossbanken

Schuldenkrise Athen Vier grosse griechische Banken haben im Kampf gegen die Finanzkrise den Rücken gestärkt bekommen: Sie erhielten bis Montag die zugesagte Brückenfinanzierung von 18 Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsschirm, wie der griechische Stabilisierungsfonds nach Börsenschluss in Athen mitteilte. Mehr...

Auch nach Euro-Austritt – Milliarden für Griechenland

Bei Neuwahlen in Griechenland würde die Linksallianz Syriza profitieren. Ihre Gegner befürchten, dass das Land somit auf den Euro-Austritt zusteuern könnte. Finanziell wäre dies für Athen nicht das Ende. Mehr...

Ein doppelter Rettungsschirm

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM nicht aufstocken. Stattdessen soll sein Vorgänger parallel weiterlaufen. Mehr...

Werbung

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Panzerparade in Weissrussland: In der Nähe der weissrussischen Stadt Minsk probt das Militär den Auftritt am Tag der Unabhängigkeit am 3. Juli. (31. Mai 2016)
(Bild: Sergei Grits (AP, Keystone)) Mehr...