Wirtschaft
Der verschwiegenste Konzern der Schweiz braucht Geld
Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 26.03.2010 17 Kommentare
3 Milliarden Franken: Willy Strothottes geschätztes Vermögen.
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Willy Strothotte, 65, kann sich nicht darauf beschränken, sein Golfspiel zu verbessern. Stattdessen muss der Präsident und grösste Aktionär von Glencore sich Gedanken machen, wie er die Zukunft des grössten Rohstoffhändlers der Welt sichern kann: Soll er die Firmengruppe an die Börse bringen oder sie mit dem Minenkonzern Xstrata fusionieren, an dem Glencore mit 35 Prozent beteiligt ist?
Denn Glencore wird zum Opfer des eigenen Erfolgs. Die 1974 von Marc Rich gegründete Gruppe ist derart rasant gewachsen, dass ihr Kreditbedarf die Möglichkeiten einer Privatfirma immer mehr überfordert. Der Rohstoffkonzern mit Sitz in Baar bei Zug machte letztes Jahr 106 Milliarden Dollar Umsatz, annähernd gleich viel wie Nestlé. Entsprechend gigantisch ist der Kreditbedarf, um den weltumspannenden Handel mit Erdöl, Metallen und Landwirtschaftsprodukten zu finanzieren. Seit Monaten ist Glencore damit beschäftigt, knapp 7,5 Milliarden Dollar Kredite abzulösen. Zu fest drückt die Zinslast der im letzten Jahr aufgenommenen Kredite – die fallenden Rohstoffpreise hatten die Kreditkosten damals markant nach oben gedrückt. Die Bonitätsnote von Glencore ist gefährlich nahe am Status von Schrottpapieren.
Überlebte Organisationsform
Andere, kleinere Firmen sind längst an der Börse, Glencore ist immer noch wie eine private Partnerschaft organisiert. Dabei ist Glencore ein Riesenkonzern mit über 2000 eigenen Mitarbeitern – rund 450 davon in der Schweiz – und weiteren 50'000 Beschäftigten bei rund 20 Rohstoffunternehmen, an denen die Baarer beteiligt sind.
Noch gehört Glencore den rund 450 Managern der Gruppe. Die oberste Führungsebene – etwas über 60 Manager – besitzt fast die Hälfte am Unternehmen. Strothotte, ein gebürtiger Deutscher, der 1994 von Rich die Führung übernahm, ist mit rund 10 Prozent grösster Einzelaktionär. Doch die Zeiten ändern sich, das Geschäft ist härter geworden. Die Geldgeber verlangen seit der Finanzkrise höhere Risikoprämien; wer weiterhin an den Rohstoffbörsen mitspielen will, muss mehr Kapital hinterlegen als früher. Zudem fegt eine Konsolidierungswelle durch die Rohstoffbranche, riesige Konglomerate entstehen. Seit 2004 gab es über 150 Fusionen und Übernahmen.
In solchen Zeiten wird die Organisationsstruktur von Glencore zur Belastung. Die Zahl der Partner und Mitbesitzer ist mit 450 viel zu gross geworden. Weil der Wert von Glencore stetig gestiegen ist, wird es zudem immer schwieriger, Partner auszuzahlen, die in Pension gehen oder austreten.
Mit Börsengang noch reicher
Darum signalisiert Glencore-Chef Ivan Glasenberg, ein gebürtiger Südafrikaner, seit Spätherbst dem Kapitalmarkt, dass Glencore in zwei bis drei Jahren an die Börse geht. In einem ersten Schritt Richtung Börsengang hat Glencore vor Weihnachten für 2,2 Milliarden Dollar Wandelobligationen platziert, die 2014 in Aktien von Glencore umgetauscht werden können. Den Löwenanteil zeichneten renommierte Finanzhäuser wie First Reserve, ein führender Private-Equity-Investor im Energiesektor, die chinesische Goldminengruppe Zijin Mining, der Vermögensverwalter Blackrock und Singapurs Staatsfonds GIC. Noch halten sich Strothotte und Glasenberg alle Optionen offen. Eine Möglichkeit sei, Glencore mit Xstrata zu fusionieren, die ebenfalls in Zug domiziliert ist. Aber auch eine Fusion mit einer anderen Rohstoffgruppe sei nicht auszuschliessen.
Wie auch immer die Händler sich entscheiden, der rund 3 Milliarden Franken schwere Strothotte würde bei einem Börsengang noch reicher, die einzelnen Partner können je mit mehreren Hundert Millionen Franken rechnen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.03.2010, 10:08 Uhr
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17 Kommentare
@ Peter Imhof - Sie haben absolut keine Ahnung von was Sie sprechen. Wie wissen Sie (falls es so war) als Wirtschaftsprüfer wie die Verhältnisse bei den Bergbauunternehmen sind ? Wieso teilen Sie mit uns nicht Ihre Ansichten wie Ihrer Meinung nach die Arbeit beim Bergbau vor sich gehen soll ? Mit Liegestuhl und Sonnenschirm ? Antworten
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