Wirtschaft

Deutsche Autobauer wollen nichts von einer Krise wissen

Aktualisiert am 11.08.2011 3 Kommentare

Die Halbjahres-Ergebnisse der deutschen Autobauer waren erfreulich. Die Turbulenzen an den Märkten dürften den Managern aber hektische Monate bescheren. Das Wachstum sei endlich, warnen Autoexperten.

Auf nach Asien: Mercedes-Fahrzeuge warten im Hafen von Bremerhaven auf ihre Verschiffung.

Auf nach Asien: Mercedes-Fahrzeuge warten im Hafen von Bremerhaven auf ihre Verschiffung.
Bild: Keystone

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. (Bild: Reuters )

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Rekordabsatzzahlen, volle Auftragsbücher und Sonderschichten - im erste Halbjahr gab es für die deutschen Autobauer allen Grund zum Jubeln. Auch Silvester dürften die Vorstandsvorsitzenden von Daimler (DAI 38.05 -0.12%) oder Volkswagen (VW 121.5 1.08%) mit Champagner anstossen, denn für das Gesamtjahr sind ebenfalls Rekordzahlen zu erwarten. Doch die seit zwei Wochen anhaltenden Börsenturbulenzen sollten die Warnlichter bei der Automobilindustrie blinken lassen. Sie zeigen: Wachstum ist endlich.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen, nimmt Toyota ( 76.8 -0.52%) als warnendes Beispiel. Die Japaner galten als das Mass aller Dinge in der Branche. Dann kamen Rückrufaktionen wegen klemmender Gaspedale und die Atomkatastrophe in Fukushima, und seither fährt Toyota der Konkurrenz von General Motors und VW hinterher.

Die Auto-Aktien tauchen

Jetzt sehen sich die im DAX vertretenen deutschen Autobauer mit deutlichen Kursverlusten konfrontiert. Während der deutsche Leitindex nach Berechnungen der Commerzbank vom 26. Juli bis 9. August ein Viertel seines Wertes oder 190 Milliarden Euro eingebüsst hat, ging es auch mit den Automobilwerten nach unten.

Die VW-Aktie sank in dem Zeitraum von 146,80 auf 112,60 Euro. BMW stürzte von 72,19 auf 58,63 Euro, und die Daimler-Aktie legte eine Talfahrt von 51,77 auf 38,88 Euro hin. In den vergangenen zwei Tagen setzten sich die Kursverluste fort.

Flexibel gegen Konjunkturschwankungen

Doch die Krise könnte vor allem etwas anderes aufzeigen, nämlich wie gut die deutsche Autobranche aufgestellt ist. Sie könne sich Nachfrage- und Konjunkturschwankungen nicht entziehen, sagt Dudenhöffer. «Die einzige Möglichkeit ist, sich flexibel aufzustellen.» Das heisst beispielsweise Zeitarbeit oder Outsourcing.

Vor allem Daimler und BMW seien hier im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt, sagt Dudenhöffer. Bei VW, die 2018 als grösster Automobilkonzern der Welt General Motors überholt haben wollen, sieht er jedoch sogar die Ziele in Gefahr. Der Konzern habe im ersten Halbjahr 35.000 Mitarbeiter fest angestellt. «Das zeugt nicht gerade von Flexibilität», sagt Dudenhöffer.

Flexibel müssen sich die Deutschen auch in ihren Modellreihen präsentieren. Es waren gerade die Amerikaner und reiche Russen sowie Chinesen, die die margenträchtigen grossen Autos gekauft haben. Vor allem in den USA dürfte angesichts einer drohenden Rezession das Geschäft ins Stottern kommen. Aber auch die anderen Märkte wachsen deutlich langsamer als noch zu Jahresbeginn. «Bei der Wachstumsdynamik sind wir auf dem konjunkturellen Höhepunkt oder haben ihn bereits überschritten», sagt auch der Deutsche-Bank-Analyst Eric Heymann.

Konzerne geben sich gelassen

Er sehe im globalen Wettbewerb allerdings niemanden, der besser ist in Sachen Komfort, Ausstattung, Sicherheit oder ökologische Aspekte als die deutschen Hersteller. Das klingt für die Zukunft nicht mehr nach Champagner, aber mindestens noch nach Sekt.

Dementsprechend gelassen geben sich auch die Konzerne. «Das ist keine Krise, die in der Realwirtschaft angekommen ist», sagt ein BMW-Sprecher. Das Ziel von 1,6 Millionen verkauften Fahrzeugen im Gesamtjahr gelte immer noch. Ein Daimler-Sprecher sagt: «Wir beobachten sehr genau und aufmerksam.» Ansonsten ergreife das Unternehmen keine besonderen Massnahmen.

Dass die Werte an der Börse dennoch in den Keller gehen, liegt offenbar vor allem an einer allgemeinen Verunsicherung der Anleger, unter der auch die Autobauer zu leiden haben. Es könnte aber auch ein Zeichen der Normalisierung sein. Schliesslich preschten in den vergangenen zwei Jahren vor allem die Kurse von VW, Daimler und BMW im DAX vorneweg. Bis auf den von Daimler liegen die Kurse aber selbst jetzt noch über dem Vorkrisenwert von 2008. Die Rückgänge erfolgten also von einem hohen Niveau aus. (pbe/dapd)

Erstellt: 11.08.2011, 23:57 Uhr

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3 Kommentare

Jörg Müller

12.08.2011, 07:50 Uhr
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Chinesen nutzen auch politische Gefangene oder Kinder zur Produktion. Da reicht langfristig keine billige Leiharbeit und Outsourcing um konkurenzfähig zu bleiben. Da hilft eigentlich nur noch die Wiedereinführung der Leibeigenschaft, um "Mercedesse für reichen Russen" zukünftig bauen zu können. Die neuen Landvögte sind bald die "Shareholder", die müssen doch immer befriedigt werden. Antworten



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