Wirtschaft
«Deutschlands wirklich dümmste Bank»
Es war 8.37 Uhr am 15. September 2008. Bei der deutschen Staatsbank KfW wird ein verhängnisvoller Zahlungsauftrag ausgelöst, der schon vor zwei Monaten ins System gestellt worden war. Dadurch fliessen knapp 320 Millionen Euro an Lehman Brothers. Bloss: Die amerikanische Investmentbank hatte in der Nacht zuvor Konkurs beantragt. Und so kam die abgemachte Rückvergütung von 500 Millionen Dollar nie mehr bei der KfW an. «Deutschlands dümmste Bank», titelte die Boulevardzeitung Bild am Tag darauf. Denn das Staatsinstitut war schon vorher wegen der Rettung der Bank IKB in Schieflage geraten.
Ein Gerichtsurteil zeigt nun, dass der unrühmliche Titel so falsch nicht gewesen war. Das Landgericht Frankfurt hält darin gemäss «Financial Times Deutschland» fest, dass in der KfW «unhaltbare Verhältnisse» geherrscht hätten. Die Struktur des Instituts, das eigentlich Kredite an Firmen vergeben und den staatlichen Infrastrukturbau finanzieren sollte, war völlig inadäquat. Es habe gar «keine Möglichkeit gegeben, bei einer drohenden Insolvenz Geldabflüsse an den betroffenen Geschäftspartner zu verhindern», hält das Gericht gemäss der Wirtschaftszeitung fest.
«Heillos überfordert»
Damit nicht genug: Auch die gesamte Organisation und das Gerichtswesen seien «nicht an die Entwicklung an den Finanzmärkten angepasst worden». Die KfW habe nicht einmal «über einen unmittelbaren Zugang zu aktuellen Informationen eines Wirtschaftsdiensts verfügt», zitiert die «Financial Times Deutschland» aus dem Gerichtsurteil. Die KfW sei heillos überfordert mit dem gewesen, was sie getan habe. «‹Deutschlands dümmste Bank›, das war nicht bloss eine Schlagzeile - es war beinahe eine Zustandsbeschreibung», kommentiert die «Financial Times Deutschland». Und sie titelt: «Deutschlands wirklich dümmste Bank».
Inzwischen kann der neue Bankchef Ulrich Schröder darüber schon wieder witzeln. Die Bekanntheit seiner Bank sei dank dem Vorfall von 38 auf 67 Prozent geklettert. Dafür seien eigentlich viele Werbekampagnen nötig, meinte er kürzlich. «Die Kunst besteht jetzt darin, den Bekanntheitsgrad zu halten, aber die Reputation nach oben zu verschieben», zitiert ihn das «Handelsblatt». (se/se)
Erstellt: 18.11.2009, 17:47 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



