Diamond tritt als Barclays-Chef zurück

Der Skandal um manipulierte Liborzinsen hat einen weiteren prominenten Abgang zur Folge: Nach Verwaltungsratspräsident Agius nimmt auch CEO Diamond den Hut.

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Wegen eines Manipulationsskandals ist Barclays-Chef Bob Diamond mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Dies teilte die britische Bank heute Dienstagmorgen mit. Diamond gibt damit dem politischen und öffentlichen Druck nach. Am Montag hatte bereits der Chef des Verwaltungsrates, Marcus Agius, seinen Rückzug angekündigt.

Agius soll den Angaben nach die Geschäfte aber vorerst weiterführen, bis ein Nachfolger für Diamond feststeht. Zuvor hatte das «Wall Street Journal» noch berichtet, Diamond entschuldige sich für den Skandal um manipulierte Libor-Sätze, wolle aber nicht zurücktreten. Der äussere Druck auf Barclays habe nun aber ein riskantes Niveau erreicht. Dies könne er nicht zulassen, erklärte Diamond. Analysten werten seinen überraschenden Rücktritt als Versuch der Bank, das Vertrauen wiederherzustellen.

Sätze rauf, Sätze runter

Die britische Regierung kündigte eine Reihe von Untersuchungen an und prüft eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen. Wie Agius will auch Diamond wie geplant für die parlamentarische Untersuchung in London zur Verfügung stehen. Barclays hatte gestern zudem eine interne Untersuchung angekündigt.

Vor einer Woche hatten Behörden in den USA und Grossbritannien Barclays mit 450 Millionen Dollar gebüsst, weil die Bank zur Festlegung der Referenzzinssätze Libor und Euribor zwischen 2005 und 2009 falsche Daten angegeben haben soll.

Es handelt sich dabei um Zinssätze, zu denen sich Banken untereinander Geld ausleihen. Angestellte der Bank manipulierten die Sätze über Jahre hinweg. Einerseits war versucht worden, die Zinsen in die Höhe zu treiben, um grössere Gewinne einzustreichen. Andererseits sollten die Zinsen während der Finanzkrise tiefgehalten werden, um die Probleme der Bank zu vertuschen. (ami/rub/sda)

Erstellt: 03.07.2012, 08:42 Uhr

Rücktritt bei Barclays: Diamond stolpert über «Liborgate». (Video: Reuters )

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