Wirtschaft

Dicke Luft in der Therme von Stararchitekt Peter Zumthor

Aktualisiert am 03.02.2010

Das Thermalbad in Vals GR ist von heftigen Turbulenzen in der Chefetage gebeutelt. Neuestes Kapitel ist ein Protestmarsch der Angestellten.

Hinter den Kulissen ist die Atmosphäre alles andere als entspannt: Thermalbad Vals.

Hinter den Kulissen ist die Atmosphäre alles andere als entspannt: Thermalbad Vals. (Bild: Keystone)

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Die Angestellten wehren sich gegen die Abwahl des gesamten Verwaltungsrats. «Die Mitarbeitenden sind vom abgewählten Verwaltungsrat instrumentalisiert worden», sagte Gemeindepräsidentin Margrit Walker-Tönz auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA zu Berichten in den Tageszeitungen «Die Südostschweiz» und «Bündner Tagblatt».

Am Sonntag hatten rund 60 Mitarbeitende der international für ihre Architektur beachteten Therme Vals ihre Arbeit unterbrochen und zogen mit Transparenten durch das malerische Walserdorf am Rande der Surselva. «Nicht mit uns» stand darauf zu lesen, oder «Unsere Hotelkultur bleibt, wie sie ist».

Verwaltungsrat schoss sich selber ab

Sie drückten damit ihren Unmut aus, nachdem letzten Donnerstag der Verwaltungsrat an einer ausserordentlichen Aktionärsversammlung überraschend komplett neu bestellt wurde. Der Kahlschlag in der strategischen Führung sei in einer Nacht-und-Nebel-Aktion erfolgt, so die Kritik der Angestellten.

Das will die Gemeindepräsidentin, die auch die Wahlkommission leitet, nicht auf sich sitzen lassen. Die Aktionärsversammlung sei vom bisherigen Verwaltungsrat selber einberufen worden. Das Führungsgremium wollte bestätigt werden, so Walker-Tönz.

Offensichtlich ging der Schuss nach hinten los. Die 13-köpfige Wahlkommission, welche die Gemeinde Vals als Besitzerin der Therme vertritt, entzog den Ratsmitgliedern das Vertrauen und stellte eine neue Führungsriege auf die Beine.

«Verwandtschaftliche Verbandelungen»

Über die Hintergründe des Köpferollens wollte Walker-Tönz nur wenig verraten. Das sei eine «innervalserische Angelegenheit». Die Massnahme solle aber nicht zuletzt das angewachsene Misstrauen in der Bevölkerung zerstreuen und gewissen «verwandtschaftlichen Verbandelungen» des Verwaltungsrates ein Ende setzten. Die neuen Leute seien unabhängig und sehr kompetent.

Die Neubesetzung löst gleichzeitig ein Problem, das die Therme letztes Jahr wiederholt in regionale Schlagzeilen gebracht hatte: ein komplettes Zerwürfnis zwischen Architekt Zumthor und Verwaltungsratspräsident Pius Truffer, der sich bis vor kurzem auch den Direktorensessel mit Zumthors Frau Annalisa teilte. Beim personellen Wechsel habe der Zwist aber keine Rolle gespielt, betonte Walker-Tönz.

Streit zwischen Alphatieren blockiert Ausbau

Die Streitigkeiten hatten das Vorhaben zum Stillstand gebracht, das zur Therme gehörende Hotel von Zumthor prestigeträchtig ausbauen zu lassen. Geplant war unter anderem ein rund 70 Meter hoher, baumähnlicher Turm. Doch der Verwaltungsrat kündigte Anfang 2009 alle Verträge mit dem Stararchitekten. «Da sind zwei Alphatiere aneinandergeraten», kommentierte Walker-Tönz die Spannungen.

Jetzt sei der Weg wieder frei für eine Zusammenarbeit mit dem mehrfachen Träger der renommiertesten nationalen und internationalen Architekturpreise. Es sei aber Sache des neuen Verwaltungsrats, über eine erneuten Auftrag an Zumthor zu entscheiden.

Wohl zu spät kommt die Blutauffrischung im Verwaltungsrat für Annalisa Zumthor. Wegen Differenzen in der Betriebsführung hatte auch sie sich mit Truffer überworfen und räumte noch vor ihm ihre Hälfte des Chefsessels. (sam/sda)

Erstellt: 03.02.2010, 10:10 Uhr

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