Wirtschaft
«Die AWD-Übernahme ergibt noch immer Sinn»
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 29.11.2012 44 Kommentare
Das Ende von AWD
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Lange sträubten Sie sich dagegen, bei der teuer eingekauften Tochter AWD einen Abschreiber vorzunehmen. Jetzt kommt es doch zu einer Wertberichtigung von 576 Millionen Franken. Weshalb?
Basierend auf den geltenden internationalen Rechnungsvorschriften führen wir jedes Jahr einen Test durch bezüglich der Werthaltigkeit von Unternehmenswerten. Im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten für das Unternehmensprogramm Swiss Life 2015 haben wir sämtliche Pläne im Konzern – auch diejenigen von AWD – überarbeitet. Die ökonomischen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren verschärft. Zudem geben wir die Marke AWD auf und haben nun unsere Ambitionen für Osteuropa und Deutschland den neuen Realitäten angepasst. Das alles hat dazu geführt, dass dieser Wertberichtigungsbedarf entstanden ist.
Es ist auch das Eingeständnis, dass AWD ein Fehlkauf war.
Eine Wertberichtigung ist kein Eingeständnis, dass es ein Fehlkauf war. Das Geschäftsmodell von AWD erachten wir nach wie vor als sehr erfolgversprechend. Auch strategisch macht dieser Kauf noch immer Sinn, denn es ist eine Ergänzung des Swiss-Life-Geschäfts durch einen unabhängigen Finanzberater. Es ist aber in der Tat so, dass die ökonomischen Rahmenbedingungen 2007, als wir uns zu diesem Kauf entschlossen hatten, ganz andere waren. Auch die Bewertung von Unternehmen war damals eine ganz andere. Wir müssen uns einfach eingestehen, dass die damaligen Pläne nicht in der ganzen Breite umsetzbar waren.
Dass sich die Rahmenbedingungen verschlechtert haben, lässt sich nicht bestreiten. Unter dem Strich bleibt aber die Tatsache, dass sich dieser Kauf nie gerechnet hat.
Wenn man das zurückführt auf eine Rendite im Verhältnis zum Kaufpreis für AWD, kann ich Ihnen nicht widersprechen. Diese Rendite entspricht nicht unseren Vorstellungen. Deshalb präsentieren wir unser neues Programm Swiss Life 2015, mit dem wir weiter an der Effizienz arbeiten wollen. Wir werden aber auch weiter investieren – etwa in die Beratungsqualität.
Der Vorwurf liegt in der Luft: Das Management hat Fehler gemacht, den Preis zahlen die Aktionäre und jene Mitarbeitenden, die ihren Job verlieren.
Der Stellenabbau steht in keinem direkten Zusammenhang mit der Wertberichtigung, sondern hat mit Effizienzgewinnen zu tun, die wir so oder so hätten umsetzen wollen. Die Synergien zwischen AWD und Swiss Life beim Stellenabbau und Kostensenkungsprogramm machen in der Schweiz nur ein Drittel des Abbaus aus.
Und was wird aus der Dividende?
Der Verwaltungsrat wird der Generalversammlung beantragen, eine unveränderte Dividende von 4.50 Franken pro Aktie auszuzahlen. Die Wertberichtigung hat keinen Einfluss auf die Kundengelder, das sogenannte gebundene Vermögen. Sie hat auch keinen Einfluss auf die Solvenz und den Cashflow ...
Hat sie aber Einfluss auf den Gewinn?
Ja, die Wertberichtigung hat eine Auswirkung auf den Gewinn. Das bedeutet, dass wir dank sehr guter operativer Leistung dennoch einen Reingewinn in zweistelliger Millionenhöhe in Aussicht stellen können.
Im Vorjahr war er mit über 600 Millionen Franken im hohen dreistelligen Bereich. Erstaunt bin ich übrigens über Ihre Aussage, dass sich das Geschäftsmodell von AWD nicht ändern werde. Wenn Sie AWD stärker mit Swiss Life vernetzen, glaubt Ihnen definitiv niemand mehr, dass die AWD-Agenten von Swiss Life unabhängig sind.
Es wird aber so sein. An den AWD-Vertriebswegen werden wir nichts ändern. Es bleibt beim Beratungsansatz, den wir als «Best Select» bezeichnen. Dabei geht es darum, massgeschneidert die beste Lösung für einen bestimmten Kunden zu finden. Diese Lösung wird ausgewählt aus einem breiten Produktangebot – keineswegs nur Swiss-Life-Produkte. Wir werden auch keine Vorgaben dazu machen, wie viele Swiss-Life-Produkte durch diesen Kanal abzusetzen sind.
Der Name AWD wird durch Swiss Life Select ersetzt. Ist das der Versuch, unter eine unerfreuliche Geschichte den Schlussstrich zu ziehen?
Mit einem Markenwechsel löst man keine Imageprobleme. Wir wollen mit dem Markenwechsel die Präsenz von Swiss Life in Deutschland, aber auch in der Schweiz weiter stärken. Wir wollen damit auch die Swiss-Life-Select-Kanäle, die ehemaligen AWD-Vertriebswege, besser positionieren. Und letztlich soll der Markenwechsel auch dokumentieren, dass für den Gesamtkonzern dieselben Wertvorstellungen gelten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.11.2012, 07:01 Uhr
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44 Kommentare
Was heisst hier "unabhängiger Finanzberater", vielmehr geht es um eine provisionsoptimierte Beratung. Eine kundenspezifische Beratung findet kaum statt, oft sind die Leute auch schlecht ausgebildet - im Volksmund auch "Provisionsheinis" genannt! Antworten
Klar macht es "Sinn", den Verlust tragen ja die Aktionäre nicht Herr Pfister. Dafür kann man dann in Bern jammern, wenn der PK-Mindestzins erhöht werden soll. Damit man wenigstens dort noch gut Verdient nachdem man das Geld anderswo in den Sand gesetzt hat. Das zahlen dann alle Versicherten solidarisch..... Antworten
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