Wirtschaft
«Die BaZ ist kein Parteiblatt»
Aktualisiert am 17.12.2011 55 Kommentare
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«Ich habe noch nie einen Text aus politischen Gründen zensuriert»: BaZ-Chefredaktor, Markus Somm. (Bild: Keystone )
Kundgebung gegen «BaZ»-Besitzer
Die «Basler Zeitung» bleibt auch nach dem jüngsten Besitzerwechsel im Schussfeld der Kritik. An einer Kundgebung in Basel protestierten am Samstag mehrere hundert Personen gegen die Eigentümer der «BaZ» und Chefredaktor Markus Somm.
Zur Kundgebung aufgerufen hatte die Bewegung «Rettet Basel», die letztes Jahr in Zusammenhang mit dem umstrittenen Beratermandat von Christoph Blochers Robinvest entstanden war. Nach Überzeugung von «Rettet Basel» verfolgt Blocher als Kreditgarant mit der «BaZ nach wie vor seine nationale Medienstrategie. Um Meinungsvielfalt gehe es den Besitzern nicht.
Offizieller Besitzer der «BaZ» ist zwar seit dieser Woche ein Kreis von Aktionären um den Tessiner Financier Tito Tettamanti, der die Zeitung schon letztes Jahr für kurze Zeit besessen hatte. Dass aber Blocher aus dem Hintergrund die politische Berichterstattung steuere, sei ein Angriff auf die Demokratie, sagte der Basler SP-Nationalrat Beat Jans. Deshalb habe der SVP-Chefstratege im Nationalrat nichts mehr zu suchen.
Wenn es den Besitzern der «BaZ» um die Region Basel ginge, hätten diese Chefredaktor Somm längst entlassen, sagte Jans weiter. Denn kein Unternehmer halte einen Chef, der ständig seine Kundschaft beleidige.
Unter den Kundgebungsteilnehmern auf dem Theaterplatz hatte es auch auffallend viele ergraute Häupter. Als Redner traten neben anderen auch der Historiker Georg Kreis, Ex-Präsident der Eidg. Kommission gegen Rassismus, und der ehemalige Basler SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner auf.Unterstützt wurde die Kundgebung unter anderem von den Grünen und der SP beider Basel. (sda)
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Die politische Ausrichtung der «Basler Zeitung» gibt auch nach dem Besitzerwechsel zu reden. Die BaZ solle eine eigenständige Forumszeitung bleiben, bekräftigte Filippo Leutenegger als neuer Präsident der «BaZ»-Holding heute.
Ein rechtes Blatt habe so wenig Platz wie ein linkes. «Das wäre schlicht und einfach langweilig», sagte Leutenegger in einem Interview mit der «Basler Zeitung». Eine Zeitung, welche die ganze Region Basel abbilden soll, lebe von unterschiedlichen Meinungen, guten Recherchen und intelligenten Analysen, sagte der Zürcher FDP- Nationalrat.
Die BaZ bloss auf Grund der Linie des Chefredaktors als rechtes Blatt zu diskreditieren, ist für Leutenegger «nicht fair». Ebenso falsch wäre es seiner Ansicht nach, den «Tages-Anzeiger» linkes Revolverblatt zu nennen.
Chefredaktor Somm: «Kein Parteiblatt»
Zum BaZ-Kurs äusserte sich heute auch der umstrittene Chefredaktor Markus Somm. «Dieses Blatt ist kein Parteiblatt und wird es nie werden», versicherte er in seinen «Klarstellungen zu einer unklaren Affäre». Er habe noch nie publizistische Weisungen erhalten. Sollte dies geschehen, würde er sein Amt sofort zur Verfügung stellen.
Über seinen eigenen Standpunkt lasse er keine Zweifel aufkommen, sagt Somm weiter. Was er aber selbst an publizistischer Freiheit geniesse, gelte auch für seine Redaktion.
«Noch nie habe ich einen Text aus politischen Gründen zensuriert», hält der Chefredaktor weiter fest. In der BaZ-Redaktion dürfe jeder mit den besten Argumenten für seinen Standpunkt kämpfen, müsse dies aber auch allen Kollegen mitsamt dem Chefredaktor zugestehen.
Somm äusserste sich auch zum BaZ-Engagement von Christoph Blocher. Dass Blocher dieses nicht erklärt habe, sei ein Fehler gewesen. Dass er, dazu befragt, irreführende Antworten gegeben habe, würden ihm viele nie verzeihen.
Allerdings habe Blocher die Vielfalt sichern wollen, schreibt Somm. Ohne Blochers wirtschaftliche Einflussnahme gäbe es in Basel nur noch eine kleine Lokalredaktion, die irgendeiner Zentrale in Zürich ein paar Nachrichten beisteuern würde.
Kolumnisten nehmen Stellung
Zum BaZ-Kurs nahmen heute auch zwei Kolumnisten des Blatts Stellung, die dem linksgrünen Lager angehören. Es «tätsche» wieder in der Zeitung, und es werde lustvoll provoziert, am liebsten gegen links, konstatiert der frühere SP-Nationalrat und Parteipräsident Helmut Hubacher in seiner Kolumne. Die andere Meinung habe jedoch Platz, und das mache die «BaZ» lesenswert.
Der grüne Zürcher Nationalrat Daniel Vischer, der diese Woche in seiner BaZ-Kolumne die Rolle Blochers bei der «Basler Zeitung» in scharfen Worten kritisiert hatte, attestierte Somm am Samstag im «Tages-Anzeiger, dass ihm der Chefredaktor noch nie in seine Kolumne hineingeredet habe. Über eine Kritik sei er allerdings schon nicht glücklich gewesen.
In den Augen Vischers sind der Inlandteil der «Basler Zeitung» und die Leitartikel eine «klare Aufmarschachse der SVP» geworden. Somm übernehme in Kommentaren und Themensetzung Stil und Inhalt der SVP. Allerdings sei die «BaZ» unter dem Ende August 2010 eingesetzten Chefredaktor in einigen Teilen «klar besser» geworden, hält Vischer im «Tages-Anzeiger»-Interview fest. (wid/sda)
Erstellt: 17.12.2011, 13:42 Uhr
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55 Kommentare
Vielleicht sollte sich Herr Blocher einmal selbst fragen, wieso er z.B. in Basel nicht willkommen ist. Basel ist eine sehr offene Stadt und "Fremde" sind hier nicht so fremd, dass man sie gerade ausschaffen muss.
Seine eigene Meinung kann Herr Blocher haben, aber die ist nicht allgemein gültig und schon gar nicht das a u. o der Weisheit. Diese Toleranz lässt Hr. Blocher schwer vermissen.
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