Wirtschaft
«Die Bahnreise nach Italien muss wieder Spass machen»
Interview: Matthias Chapman. Aktualisiert am 25.09.2009 9 Kommentare
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Nachtzüge nach Italien werden eingestellt
Die Nachtzüge zwischen der Schweiz und Italien werden ab dem Fahrplanwechsel vom kommenden 13. Dezember eingestellt. Die Bahnunternehmen SBB und Trenitalia begründeten den Entscheid mit einer rückläufigen Nachfrage sowie der nicht mehr zeitgemässen Qualität des Nachtzugangebots.
Die Nachtzüge seien in den letzten Jahren vom Ausbau des Angebots und der Beschleunigung der Tageszüge auf der Nord-Süd-Achse zunehmend konkurrenziert worden, hiess es. Die vom Ende der Nachtzüge betroffenen Mitarbeitenden der SBB-Tochter Elvetino sollen laut den SBB bei Elvetino andere Aufgaben erhalten. In einer ersten Reaktion forderte die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV am Freitag Verhandlungen über einen Sozialplan. Es sei nämlich klar, dass für die Nachtzugbegleiter keine gleichwertigen Stellen innerhalb von Elvetino verfügbar seien.
Herr Schreiber*, sind die Cisalpino-Probleme mit der Auflösung der Betreibergesellschaft gelöst?
Grundsätzlich muss ich sagen, lieber eine Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Für die Mitarbeiter ist das natürlich bedauerlich. Für die Sache aber war diese Lösung überfällig.
Was ist denn genau die Sache?
Aus Sicht des Bahnkunden muss die Bahnreise nach Italien einfach wieder Spass machen. Und daran sollten die beiden Staatsbahnen, die schweizerische und die italienische, nun nach der Auflösung und Verteilung des Rollmaterials alles Interesse haben.
Lag denn nicht das Hauptproblem von Cisalpino beim Rollmaterial?
In zwei Punkten kann eine Verbesserung erreicht werden. Erstens hängt der Erfolg dieser Züge vom Unterhalt und der Wartung des Rollmaterials ab. Und diese Arbeit wird nun wohl auch aufgeteilt. Von Cisalpino-Mitarbeitern werden die neuen Züge ETR 610 als gut bewertet. Und zweitens – was vielleicht noch viel wichtiger ist – geht es um die Verfügbarkeit der Trasseen. Beispiel: Wenn ein Bahnfunktionär in Mailand einen Cisalpino auf dem Trassee Richtung Chiasso hinter einer S-Bahn losfahren lässt, dann fährt der internationale Zug mit 60 km/h hinter dem regionalen Zug her. Und wenn der Cisalpino dann im Tessin mit einer Stunde Verspätung ankommt, bringt das den Fahrplan durcheinander. Das ist so vorgekommen. In Zukunft müssen die Bahngesellschaften die Züge zwischen Italien und der Schweiz auch als internationale Verbindungen planen. Das haben wir von Pro Bahn immer gefordert.
Bringt die Auflösung von Cisalpino also Verbesserungen?
Ich rechne damit, ja.
Wie geht es weiter?
Ich kann mir vorstellen, dass man auf der Strecke zwischen Italien und der Schweiz wieder einen Schritt zurück macht. Dass zum Beispiel wieder internationale Züge im Tessin die Lok wechseln. Oder aber dass, Mehrstrom-Loks eingesetzt werden. Dann ist ein Lokwechsel nicht mehr nötig.
Was machen die SBB mit dem Rollmaterial, das sie von Cisalpino erben?
Ich gehe davon aus, dass die Kompositionen auch im innerschweizerischen Verkehr eingesetzt werden oder gar verkauft werden.
* Kurt Schreiber ist Vizepräsident von Pro Bahn, der Interessenvertretung von Bahn-, Bus- und Tramkunden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.09.2009, 18:52 Uhr
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9 Kommentare
Endlich! Allein, das von Anfang an falsch aufgegleiste Unternehmen wird den Ch-Steurzahler weniger kosten als das nächste sich abzeichnende Fiasko:NEAT. Die so lieben Nachbarn wollen lieber individuellen Verkehr, sprich Strassenverkehr, als ökologisch sinnvollen Personen-und Güterverkehr. Gibt es eine Grüne Partei Italien? Antworten
Muss das noch nicht gelieferte Rollmaterial wirklich übernommen werden? Wäre es nicht sinnvoller aus dem Vertrag auszusteigen? Eine Konventionalstrafe würde sicher billiger zu stehen kommen als die Höchststrafe für uns - mit diesen Zügen in der Schweiz herumzufahren zu müssen - Verspätungen und Stehenbleiben inklusive! Antworten
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