Wirtschaft
Die Bank Bär steckt tief in der US-Steueraffäre
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 29.09.2011 40 Kommentare
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Eigentlich hatte die Bank die besten Voraussetzungen, sich früh mit einer Weissgeldstrategie zu profilieren. 2004 brach Hans J. Bär mit seinem Buch «Seid umschlungen, Millionen» als erster Privatbanker das Tabu und sagte, dass das Bankgeheimnis für Steuersünder ein Auslaufmodell sei und es der Schweiz viele Probleme bescheren werde. 2005 stieg Bär aus dem Privatkundengeschäft in den USA aus. Doch heute ist die Bank Bär eine der grössten der mittlerweile 11 Schweizer Banken, die von US-Steuerverfahren betroffen sind.
Mehrere Quellen bestätigen, dass die Bank in ähnlichem Umfang im Verfahren stecke wie die Credit Suisse, die laut US-Klage etwa 3 Milliarden Franken unversteuerte US-Vermögen verwaltete. Laut «Handelszeitung» sei die Bank Bär mit 4 Milliarden dabei gewesen. Eine Zahl, die die Bank nicht kommentieren will. Sicher ist: Julius Bär (BAER 31.29 0.68%) steht auf der Liste der Banken, die den US-Justizbehörden Daten über die Anzahl ihrer Kunden liefern müssen. Dies bestätigt die Bank. Sprecher Jan Vonder Mühll will mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen aber keine Details zum Geschäft mit US-Kunden bekannt geben. Er sagte auf Anfrage nur: «Der Ausstieg aus dem US-Geschäft wurde im Spätsommer 2009 kommuniziert und konsequent umgesetzt.»
UBS-Kunden flohen zu Bär
Zuvor wurde aber kräftig akquiriert. 2008 meldete die Bank Bär Rekordzuflüsse im Private Banking von 17 Milliarden Franken, im ersten halben Jahr stiegen die verwalteten Vermögen gegenüber dem Jahresende 2008 nochmals um 17 Prozent. Die Vermögensverwalter erhielten 7 Prozent mehr Lohn. Gefischt wurde bei UBS-Kunden, die ab Sommer 2008 panisch nach neuen Verstecken für ihre unversteuerten Gelder suchten: Damals wurde bekannt, dass die amerikanischen Steuerbehörden gegen die Bank ermittelten. Nicht immer gingen die Kunden direkt zur Julius Bär, vieles lief über externe Vermögensverwalter.
Ein Einfallstor war die Neue Zürcher Bank (NZB). Diese wurde im Jahr 2000 von drei Ex-Mitarbeitern der Julius Bär gegründet. Anfänglich war ihr Hauptgeschäft jenes mit institutionellen Kunden, 2002 eröffnete sie ihr Private Banking, Chef war Hansruedi Schumacher, ein ehemaliger UBS-Angestellter. Er wurde bekannt, weil er 2001 die UBS-Verantwortlichen vor dem Geschäft mit unversteuerten US-Vermögen gewarnt hatte. Dies ging aus den Gerichtsunterlagen der US-Steuerbehörden im Fall UBS hervor. In seiner neuen Funktion bei der NZB kümmerte ihn seine eigene Warnung laut US-Behörden wenig: Er nahm einen Teil seiner UBS-Kunden mit und benützte die UBS nur noch als Depotbank. Vonder Mühll bestätigt, dass die Bank Bär für die NZB als Depotbank fungierte. Die NZB ist inzwischen geschlossen.
Nachdem bekannt geworden war, dass die UBS in ein Steuerverfahren verwickelt ist, rieten Schumacher und sein Geschäftspartner Matthias Rickenbach den Kunden, nicht an der US-Steueramnestie teilzunehmen, sondern zur Zürcher oder zur Basler Kantonalbank zu gehen – oder zu Julius Bär. Die nahmen das Geld dankbar an. Zum Verhängnis wurde der Julius Bär, dass eine der Kundinnen, die im Juni 2008 zur Bank kam, später mit den US-Behörden kooperierte, wie in der Anklage nachzulesen ist.
Es droht eine Milliardenbusse
Ein weiteres Eingangstor bei der Bank Julius Bär war der unabhängige Vermögensverwalter Beda Singenberger und seine Sinco. In dessen Anklage ist nachzulesen, wie er die Vermögen seiner Kunden in Scheingesellschaften versteckt haben soll und für diese Gesellschaften bereits 2005 Konten bei der Julius Bär und anderen Banken eröffnete. Pikant an Singenbergers Methoden war, dass er in den Geldwäschereiformularen die richtigen Namen der Kunden angab, bei den Formularen aber, die an die US-Behörden gingen, jeweils behauptete, dass es sich nicht um US-Kunden handelte. In der Anklage wird der Name eines Bär-Kunden nicht genannt – ein sicheres Anzeichen dafür, dass er mit den Behörden kooperierte.
Anhand der Akten ist klar, dass Bär Kundendaten liefern und bei der Milliardenbusse mitzahlen muss, wenn sich die Schweiz mit den USA einigt. Der Geschäftsbericht allerdings enthält keine entsprechenden Hinweise.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.09.2011, 06:38 Uhr
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40 Kommentare
Wenn das so weitergeht, bekommt das Label "Swissness" eine negative Konnotation in der Welt. Insbesondere in Zeiten der Frankenstärke sind wir auf dessen positive Botschaft angewiesen. Es kann und darf nicht sein, dass ein paar hundert Banker all das zerstören, was Generationen von fleissigen und anständigen Menschen in diesem Land aufgebaut haben. Man sollte den Sumpf entschlossen trockenlegen Antworten
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