Wirtschaft

Die Banker sind zu gescheit

Der Grund für die Finanzkrise sind nicht Immobilienblasen oder chinesische Spargelder, sondern viel zu intelligente Banker.

RJ Matson, St. Louis Post Dispatch

Hans Vontobel und Hans Bär sind bis heute Vorbilder für den redlichen Schweizer Bankier geblieben. Beide sind nach dem Zweiten Weltkrieg in ihre Familienbetriebe eingestiegen, beide erhielten äusserst bescheidene Anfangsgehälter: 320 Franken monatlich waren es bei Bär, 475 Franken bei Vontobel. Die Bankenwelt war damals bieder und kleinbürgerlich. «Früher war man Bankbeamter», schildert Vontobel seine Anfänge. «Diese kamen kurz nach acht Uhr ins Büro, zogen umständlich den Kittel aus, streiften die Ärmelschoner über, stellten sich an ihre Stehpulte und öffneten die grossen Folianten. Es war eine andere Welt, alles war stabil.»

In der Nachkriegszeit hatte Banking null Sexappeal. Die smarten Studenten mit den besten Chancen bei den Frauen wurden Mediziner, Wissenschaftler oder Intellektuelle. Wenn man kaum mehr verdiente als ein Lehrer, warum sollte man sich in einer Bank langweilen? In die Bankwelt zog es deshalb die Studenten, die am Nachmittag im Lichthof der Universität jassten, am Abend in Verbindungskneipen Bier tranken und am Morgen ausschliefen.

Doppelt so viel wie der Professor

Die etwas langweiligen Banker der Nachkriegszeit waren harmlos, auch an der Wallstreet. Oder wie es Calvin Trillin in der «New York Times» schildert: «Sie wollten nur ein nettes Haus in Greenwich und vielleicht ein Segelboot. Viele von ihnen waren Nachkommen von Familien, die immer an der Wallstreet gearbeitet hatten. Deshalb waren sie sich an nette Häuser in Greenwich gewohnt. Aber sie hatten nicht das Bedürfnis, alles auf eine Karte zu setzen um so viel zu verdienen, dass man sich locker eine meerestaugliche Jacht leisten konnte.»

Meerestaugliche Jachten kamen in Mode, als in den Achtzigerjahren Gehälter und Boni explodierten. Michael Lewis schildert in seinem Kultbuch «Lügen-Poker» wie sein Professor an der London School of Ecnomics beinahe ohnmächtig wurde, als er erfuhr, dass sein Schüler als Neuling bei einer Investmentbank doppelt so viel verdiente wie er. «Ich war 24 Jahre alt und stand auf der untersten Stufe meines Berufes», gesteht Lewis. Mit dem Börsenboom, den Leveraged Buyouts, den Hedge-Funds und den Private-Equity-Firmen wurde die Finanzwelt plötzlich sehr, sehr sexy.

«Nicht den blassesten Schimmer»

Menschen reagieren auf Anreize. Wenn Lehrlinge doppelt so viel verdienen wie ihre Uniprofessoren (und das als Einstiegslohn mit Aussicht auf siebenstellige Boni), dann ist die Bankenwelt nicht mehr nur für das schlechteste Drittel der Uni-Abgänger interessant. Dann melden sich die Besten und die Klügsten, und zwar von den renommiertesten Universitäten. Das hatte fatale Folgen: Die Chefs dieser superklugen Jungbanker entstammten noch der Generation der etwas weniger klugen Bankergeneration. «Die hatten nicht den blassesten Schimmer, was ein Credit Default Swap überhaupt war», spottet Trillien. «Die hätten die Mathematik dahinter niemals begriffen.»

Der IQ-Test für Banker

Es kam, was kommen musste: Die ihren Chefs intelligenzmässig weit überlegenen Jungbanker fuhren zuerst mit ihren Vorgesetzen Schlitten, kassierten dank hochkomplexen Finanzinstrumenten ein Vermögen und riskierten dabei den Kollaps des Finanzsystems. Warum sollten sie nicht? Es ist sehr schwierig, sehr intelligente Menschen daran zu hindern, sehr viel Geld zu verdienen, wenn sie wissen, dass letztlich der Steuerzahler für den Schaden aufkommen muss.

Die Moral der Geschichte lautet deshalb: Man muss für die Finanzindustrie eine Art negativen Intelligenztest einführen: Wer einen IQ von mehr als 110 Punkten hat, darf nicht Banker werden. Das Risiko ist zu gross. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.10.2009, 16:43 Uhr

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4 Kommentare

Yves Schneider

26.10.2009, 13:08 Uhr
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In der Finazwelt wurden Produkte geschaffen, die so komplex und kompliziert in deren bewertung waren ,dass selbst deren Schöpfer den Überblick verloren haben. Mit immer raffinierteren Formeln ausgestattet wurden die Risiken nicht mehr kallkulierbar. Eigenlich müssten solche Konstrukte verboten werden. Nur einfache Strukturen sind überschau und kallkulierbar. Gilt nb auch für Gesetzt, Politik usw. Antworten


Gianin May

16.10.2009, 11:36 Uhr
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Das alles ist eine Frage des Anstandes und des Charakters aber machen wir uns nichts vor in Sachen Geld sind alle gleich, vom Büezer bis zu Bänker, wenn wir die Gelegenheit haben abzusanen tun wir es --> fact ist wird sind in erster Linie Egoisten. Aendern wird es sich nur, wenn es ein Gesetzt gibt, dass die Leute, welche für Ihre grosse Verantwortung gut bezahlt werden auch belangt werden. Antworten


martin zumbuehl

16.10.2009, 10:37 Uhr
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Die Finanzkrise begann in den 1980er Jahren mit der Bündelung von Schuldbriefen zu ABS & MBS zur Entlastung der Bankbilannzen. Ab 2000 explodierte der Markt und wurde 2003 mit 4000 Mrd unkontrollierbar. Betrug, Preiszerfall & komplexe Derivate mit Hebelwirkung blähten den Ballon auf bis er 2008 platzte. Noch 2005 war es nicht zu spat, aber Warnungenn wurden aus Gier, Dummheit & Aroganz ignoriert Antworten


Daniel Müller

16.10.2009, 09:59 Uhr
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Es lässt sich nicht verhindern, dass Kluge das System zu ihrem Vorteil ausnutzen. In der Informatik gibt es eine ähnliche Diskrepanz: Qualifizierte und selektierte Informatiker haben IT-fremde als Chefs. Die Ergebnisse sind oft fatal: Der Chef plant unrealistische Termine, welcher der IT-Techniker auszubaden hat. Antworten



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