Die Credit Suisse lässt tiefe Einblicke zu

Die Schweizer Grossbank legt offen, wie stark sie vom lokalen Geschäft abhängt.

Das einheimische Geschäft der CS gilt zwar als langweilig, ist aber lukrativer als bisher angenommen. Foto: Akos Stiller (Bloomberg)

Das einheimische Geschäft der CS gilt zwar als langweilig, ist aber lukrativer als bisher angenommen. Foto: Akos Stiller (Bloomberg)

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Die Ankündigung sorgte für Erstaunen. Die Credit Suisse (CS) hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass sie ihre Ergebnisse für die letzten fünf Jahre neu aufschlüsseln wird. Viele Beobachter fragten sich, was das bringen wird. Nun ist klar: Die Bank trägt damit der neuen Struktur Rechnung, die ihr CS-Chef Tidjane Thiam verpasst hat. Thiam hat die Bank in sechs Einheiten aufgeteilt. Hinzu kommt eine Abwicklungseinheit, in der sich die Geschäftsbereiche befinden, die in der neuen CS keine Bedeutung mehr haben.

Am eigentlichen Ergebnis ändert sich nichts. Die Bank legt aber neu offen, welche Divisionen viel Geld verdienen und welche sie schwächeln. Analysten erachten den Schritt daher als positiv. Die CS werde so transparenter, und es sei klarer, wie viel die einzelnen Einheiten zum Geschäft beitragen. Gut schneidet die umstrittene Investmentbank ab. Sie erzielte 2014 einen Vorsteuergewinn von rund 3,7 Milliarden Franken. Besonders interessant sind aber die Zahlen des Schweizer Geschäfts der Grossbank. Sie zeigen, wie wichtig der Heimmarkt für die Bank noch immer ist.

Hohe Gewinne in der Schweiz

Das Geschäft der CS in der Schweiz heisst künftig Schweizer Universalbank. Es soll bis Ende des nächsten Jahres an die Börse gebracht werden. Die gestern publizierten CS-Zahlen sind daher auch als Vorbereitung für den Börsengang der von Thomas Gottstein geleiteten Einheit zu verstehen. 2017 sollen 20 bis 30 Prozent der Firma verkauft werden und so der CS 2 bis 4 Milliarden Franken einbringen. Sie will damit kleinere Banken in der Schweiz übernehmen.

Das Geschäft mit Schweizer Bankkunden gilt eigentlich als eher langweilig. Es hat aber offenbar seine Vorzüge. So zeigen die neuen Zahlen, wie konstant der Geschäftsgang der CS-Universalbank ist. Der Vorsteuergewinn der letzten vier Jahre schwankt jeweils zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Franken. 2014 hat die Schweizer Universalbank fast 2 Milliarden Franken zum Gewinn der Grossbank beigesteuert. Das ist etwa ein Drittel des gesamten Resultats. Es ist zudem deutlich mehr, als bislang angenommen wurde. Als CS-Chef Thiam im Oktober 2015 seine Pläne für den Umbau der Bank ankündigte, hiess es, der Gewinn belaufe sich auf rund 1,6 Milliarden Franken. Nun zeigt sich: Die Bank setzte diesen Wert deutlich zu tief an. Der Betrag liegt aufgrund von Sondereffekten fast 400 Millionen Franken höher.

Damit sind die Ziele, die Thiam im Oktober für die Schweizer Universalbank ausgab, gar nicht so ambitioniert, wie sie damals erschienen. Bis im Jahr 2018 soll die Schweizer Universalbank einen Gewinn von rund 2,3 Milliarden Franken erreichen, so die Vorgabe des neuen Chefs. Das Wachstum soll vor allem aus dem Geschäft mit besonders vermögenden Kunden kommen. Obwohl die Ausgangslage nun komfortabler ist, ändert die Bank diese Ziel­vorgabe nicht.

Tausende Stellen weg

Es ist klar, weshalb die Bank die Ziele nicht korrigiert: Der Markt ist bereits hart umkämpft. UBS und Raiffeisen wollen in der Schweiz ebenfalls wachsen, zudem sind in den einzelnen Regionen die Kantonalbanken sehr stark. Laut den Experten des Beratungsunternehmen EY sind die Wachstumserwartungen aller Schweizer Banken höher als das, was der Markt hergibt. Es wird daher nicht allen Banken gelingen können, ihre ambitionierten Ziele zu erfüllen.

Die gestern publizierten Zahlen zeigen aber auch, dass trotz der guten Zahlen, auch bei der Schweizer Universalbank Stellen abgebaut wurden. 2011 zählte die Universalbank 14'400 Angestellte, zusammen mit den Konzernfunktionen waren damals in der Schweiz rund 21'000 Personen für die CS tätig. Heute arbeiten rund 13'900 Personen für die CS-Universalbank. Interessanterweise stieg die Anzahl der Beschäftigten zuletzt sogar an. Insgesamt beschäftigt die Grossbank dennoch viel weniger Personen in der Schweiz als noch vor fünf Jahren. Vor allem bei den rückwärtigen Funktionen im Backoffice, dem Personalbereich oder der IT-Abteilung gingen Stellen verloren. Seit 2011 fielen in der Schweiz insgesamt mehr als 20 Prozent der CS-Arbeitsplätze weg. Laut den Plänen der Grossbank sollen weitere Stellen gestrichen werden. Durch das im Oktober angekündigte, 3,5 Milliarden Franken schwere Sparprogramm soll die Zahl der CS-Beschäftigten in der Schweiz auf 15'500 sinken.

Die CS wird damit schlanker und effizienter. Sie hat bereits früher viel unternommen, um ihre Kosten in den Griff zu bekommen. 2011 belief sich das Verhältnis zwischen Kosten und Ertrag auf 71 Prozent. Aktuell liegt es bei 66 Prozent. Doch das reicht der Spitze nicht: Die neue Universalbank soll bis im Jahr 2018 über ein Kosten-Ertrag-Verhältnis von 56 Prozent verfügen. Im Branchenvergleich ist das ein sehr guter Wert.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.01.2016, 23:39 Uhr)

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