Wirtschaft
Die Credit Suisse muss glänzen
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 21.04.2010
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Morgen Donnerstag präsentiert die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) als erste der Schweizer Grossbanken ihre Zahlen für das erste Quartal 2010. Die Analysten erwarten gemäss Konsensschätzung einen Reingewinn von 2,02 Milliarden Franken, der damit etwa jenem im ersten Quartal des Vorjahres entsprechen würde, als die Bank netto 2,038 Milliarden Franken verdient hat. Im Vergleich zum letzten Quartal 2009 (793 Millionen Franken) würde sich der Gewinn beinahe verdreifachen.
Als wichtigster Profittreiber dürfte sich auch bei der Credit Suisse das Segment «Fixed Income» erweisen. Dieses umfasst den Handel mit festverzinslichen Anlagen – vor allem Obligationen und Derivate, aber auch Rohstoffe. Das Management hat bereits klar gemacht, dass der Auftragsbestand im Investmentbanking so gut sei wie nie seit Ausbruch der Finanzkrise. Laut einer Analystenumfrage von Reuters soll der Handel im ersten Quartal insgesamt 3,1 Milliarden einbringen.
Gewinntreiber «Fixed Income»
Das Geschäft mit Anleihen läuft traditionell im ersten Quartal besonders gut. Selbst die Erzrivalin UBS liess vorab bereits verlauten, dass sie im Bereich FICC für das erste Quartal Erträge im Umfang von 2,5 Milliarden Dollar erwarte, was ihrem Aktienkurs Schub verliehen hat. FICC steht neben «Fixed Income» auch für Währungen (Currencies) und Rohstoffe (Commodities). Bei der Credit Suisse fallen vor allem die festverzinslichen Anlagen ins Gewicht: Die Unterbereiche Devisen und Rohstoffe sind bei ihr weniger deutlich ausgeprägt als bei wichtigen Konkurrenten. Auch die US-Banken JPMorgan, Citigroup und Goldman Sachs, die bereits ihre Quartalszahlen publiziert haben, verdanken ihren Gewinn zum grössten Teil diesem Geschäftsbereich.
Doch die Credit Suisse reitet nicht nur auf einem Branchentrend. In einer Studie vom 12. April erklären die Analysten der US Bank Morgan Stanley, dass sie die Aktie der Schweizer Grossbank allen anderen europäischen Finanzinstituten vorziehen würden. Beim Kurs von 54,3 Franken errechneten sie aufgrund ihrer Gewinnschätzungen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,6 für das laufende Jahr und von 7,5 für das nächste. Damit ist die Aktie günstiger als die der grossen Europäischen Konkurrenten UBS und Deutsche Bank, aber auch als die aller Europäischen Institute im Durchschnitt – und erst Recht als die teureren US-Banken.
Vor allem eine Investmentbank
Damit setzt sich fort, was sich bereits am Ergebnis des vergangenen Jahres ablesen liess: Die Credit Suisse ist, gemessen an den Ertragstreibern, vor allem eine Investmentbank. Im vergangenen Jahr steuerte diese Sparte 60 Prozent an die Gesamterträge bei. Weil hier auf dem Markt die höchsten Löhne und Boni gefordert und bezahlt werden, wird das Thema Entschädigung bei der Credit Suisse die Öffentlichkeit noch länger beschäftigen. Die starke Ausrichtung auf den Handel im Investmentbanking hat einen weiteren Nachteil: Das Geschäft unterliegt weit stärkeren Schwankungen als andere Geschäftsfelder der Banken.
Doch auch für das stabilere Vermögensverwaltungsgeschäft mit reichen Kunden (Private Banking) erwarten die Analysten von der Credit Suisse glänzende Zahlen: Laut Konsensschätzung sollen der Bank im ersten Quartal neue Gelder im Umfang von netto 11,2 Milliarden Franken zugeflossen sein. Das Management der Credit Suisse hat bereits verlauten lassen, dass sich der Januar als Rekordmonat herausgestellt habe. Bei der Konkurrentin UBS dagegen fliessen noch immer Gelder ab. Im ersten Quartal sollen es total 18 Milliarden sein. Die Analysten von Morgan Stanley vermuten in ihrer Studie daher, dass die Credit Suisse im Private Banking die UBS im nächsten Jahr sogar als Marktführerin ablösen wird, wenn sie so weiter zulegt und man den Handel mit Kleinkunden (Retail Brokerage) nicht mitrechnet.
Im Private Banking auf der Überholspur
Das Vermögensverwaltungsgeschäft der Credit Suisse legt nicht nur zu, es ist aus Sicht der Konkurrenzbanken auch beneidenswert profitabel. Im letzten Quartal lag die Bruttomarge der Bank bei 1,3 Prozent auf dem verwalteten Vermögen. Im ersten Quartal soll diese Marge nun leicht abgenommen haben – ein Resultat des Wachstums. Doch die Reduktion wird minim sein, laut Vontobel soll sie sogar bloss um 0,01 Prozent auf 1,29 Prozent abnehmen. Die Konkurrentin UBS kann von solchen Zahlen nur träumen. Sie ist schon glücklich, wenn sie es auf 1 Prozent bringt, im vierten Quartal waren es erst 0,82 Prozent. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.04.2010, 13:21 Uhr
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