Wirtschaft

Die El-Maleh-Connection

Aktualisiert am 16.10.2012 6 Kommentare

Ein französisch-schweizerisches Netzwerk soll Drogengelder in der Höhe von 100 Millionen Euro gewaschen haben. Im Zentrum des Skandals stehen drei marokkanische Brüder, von denen zwei in Genf leben.

Eine Finanzgesellschaft mit bisher gutem Ruf: Der Sitz der GPF von Meyer El Maleh in Genf.

Eine Finanzgesellschaft mit bisher gutem Ruf: Der Sitz der GPF von Meyer El Maleh in Genf.
Bild: Sébastien Anex/Le Matin

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Der letzte Woche zerschlagene Drogen- und Geldwäschering hat deutlich mehr Geld umgeschlagen als bisher bekannt. Frankreichs Innenminister Manuel Valls spricht von «einer Summe von zweifellos um die hundert Millionen Euro» aus dem Drogenhandel, die durch das französisch-schweizerische Netzwerk gewaschen worden seien. Es seien mehrere Tonnen Cannabis im Wert von rund 40 Millionen Euro entdeckt worden.

Verkauf von Cannabis in Frankreich

Wie die Westschweizer Zeitung «Le Matin» berichtet, spielen drei Brüder marokkanischer Herkunft eine zentrale Rolle bei diesem Geldwäschereiskandal: Mardoché, Meyer und Nessim El Maleh.

Gemäss den bisherigen Ermittlungen organisierte Mardoché den Drogenschmuggel von Marokko über Spanien nach Frankreich, wo das Cannabis vor allem in der Region von Paris verkauft wurde. Mardoché fungierte auch als Sammelstelle sämtlicher Erlöse aus dem Drogenverkauf, wie das marokkanische Nachrichtenportal Yabiladi berichtet. Schliesslich geschäftete der 52-jährige Mardoché mit reichen Franzosen, die illegale Konten in der Schweiz hatten und liquide Mittel brauchten. Mardoché organisierte ihnen die notwendige Liquidität.

Genfer Finanzgesellschaft als Umschlagplatz für illegale Gelder

Hier trat Meyer El Maleh auf den Plan, der inzwischen in Genf in U-Haft sitzt. Der 48-jährige Meyer ist ein selbstständiger Vermögensverwalter, der seit zwei Jahren die Firma GPF in Genf führt. Die Vermögensverwaltungsfirma, die bislang als seriös galt und einen guten Ruf genoss, war vor 35 Jahren vom Schwiegervater von Meyer El Maleh gegründet worden. Die GPF steht nun im Verdacht, jeden Monat mehrere Millionen Euro gewaschen zu haben. Die Finanzgesellschaft soll einen Mechanismus entwickelt haben, dank dem jegliche Verbindungen mit dem Drogenhandel in Frankreich während Jahren vertuscht werden konnten.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft fungierte die GPF als Drehscheibe für Gelder aus Drogengeschäft und Steuerhinterziehung. In der Villa von GPF-Chef Meyer El Maleh stellte die Polizei rund 1,1 Millionen Euro in bar sowie 160 Luxusuhren sicher. Gemäss seinem Anwalt räumt der marokkanisch-schweizerische Doppelbürger «Probleme mit Fiskaldelikten» ein, das Waschen von Drogengeldern stellt er entschieden in Abrede.

Konten bei der HSBC in Genf

Auch der dritte Bruder der marokkanischen Familie, Nessim El Maleh, soll eine wichtige Rolle im französisch-schweizerischen Netzwerk gespielt haben. Der in U-Haft sitzende Kadermann der britischen Bank HSBC in Genf hat mutmasslich mehrere Konten für Gelder aus dem Drogengeschäft sowie für nichtdeklarierte Vermögen aus Frankreich verwaltet. Zudem soll der 28-jährige Nessim Gelder auf andere Banken im Ausland transferiert und Immobilieninvestitionen in Marokko und anderen Ländern getätigt haben. Gemäss Medienberichten sitzt ein weiteres Familienmitglied in der Generaldirektion der HSBC, dieses steht allerdings nicht im Visier der Genfer Staatsanwaltschaft.

Das französisch-schweizerische Netzwerk war Ende vergangener Woche zerschlagen worden. Insgesamt laufen gegen 19 Verdächtige in der Schweiz und Frankreich Ermittlungen, darunter auch gegen die Grünenpolitikerin und Vize-Bürgermeisterin des 13. Stadtbezirks von Paris, Florence Lamblin. Neun Verdächtige sitzen in U-Haft. Ein mutmasslicher Dealer hat sich aus der Schweiz nach Marokko abgesetzt. (vin)

Erstellt: 16.10.2012, 12:28 Uhr

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6 Kommentare

Gabriel Müller

16.10.2012, 13:17 Uhr
Melden 37 Empfehlung 11

Legalize Cannabis. Der Markt ist offensichtlich vorhanden! Und kaum jemand bemerkt die unbekannten KonsumentInnen. Antworten


Peter Kaegi

16.10.2012, 13:56 Uhr
Melden 22 Empfehlung 7

Es ist eine ausländische Bank, es sind ausländische Akteure, es ist eine ausländische grüne Politikerin, nur die Rahmenbdingungen, geschaffen durch Schweizer Poitiker sind ungenügend. Ob mit Absicht oder Dummheit, kann ich nicht beurteilen. Nur dank Datenaustausch ausländischer Geheimdienste konnte der Handel aufgeklärt werden. Für die Rahmenbedingungen der Schweiz wird es aber sehr eng. Antworten



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