Wirtschaft
Die Frau, die Kurse bewegt
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 15.10.2009
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Wenn Meredith Whitney den Banken Noten verteilt, bewegen sich deren Aktienkurse. Am Dienstag hat die Analystin, die keine formale Finanzausbildung durchlaufen hat, mit einem Wort die Aktie der US-Grossbank Goldman Sachs 1,54 Prozent talwärts geschickt. Ihr Urteil lautete: «neutral». Damit empfahl die Analystin, dass die Aktie weder gekauft noch verkauft werden soll. Goldman Sachs wird am Donnerstag die Zahlen für das dritte Quartal präsentieren und bei der grossen Mehrheit der Analysten steht die Aktie nach wie vor auf «buy». Seit dem Tiefstand am 20. November des letzten Jahres hat der Goldman-Titel um 260 Prozent zugelegt.
Die Analystin machte gegenüber der Finanzpresse keinerlei Angaben über die Gründe ihrer Einschätzung. Dass sie dennoch die Märkte in Bewegung setzen konnte, ist ein Ausdruck ihrer Macht. Der Ursprung ihres grossen Einflusses geht auf den Oktober 2007 zurück, damals hat sie einen äusserst düsteren Bericht über die Aussichten der mächtigen Citigroup geschrieben, der sich in der Finanzkrise als treffend herausstellen sollte.
Die Macht eines Orakels
Was Whitney tatsächlich bewegt hat, ihre Einschätzung von Goldman zu ändern, musste daher erst ergründet werden. Mittlerweile haben die Analysten mehr erfahren: Die Erklärung von Whitneys Urteil liegt in der Frage «Warum gierig sein?» («Why be greedy?»). Der Kurs der Goldman-Aktie habe den von ihr prognostizierten Wert von 186 Dollar bereits überschritten. Der drastische Anstieg der Aktie über diese kurze Zeit rufe die Frage hervor, ob man wirklich gierig sein und noch mehr verdienen wolle. Denn die Aktie könne nur noch weiter ansteigen, wenn der Markt insgesamt dies auch tue. Insgesamt zeigt sich Whitney in ihrem neusten Bericht skeptisch, dass die Banken insgesamt weiter mit deutlich positiven Kurssprüngen auffallen werden. So empfiehlt sie den Investoren, in den nächsten zwei Wochen Gewinne zu realisieren oder zumindest «neutral» zu bleiben.
Schon vor den Zahlen zum zweiten Quartal war Whitney mit einer ebenfalls unbegründeten Kaufempfehlung für Goldman Sachs aufgefallen. Später wurde klar, dass die Empfehlung von Whitney vor allem darauf fusste, dass die Grossbank gar nicht anders konnte, als vom «Tsunami» an Schuldpapieren zu profitieren, die Gemeinden, Bundesstaaten und die Regierung zu ihrer Finanzierung ausgeben mussten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.10.2009, 08:41 Uhr
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