Wirtschaft

Die Glace, die glücklich macht

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 18.07.2012 5 Kommentare

Barry Callebaut, die Nummer eins im Kakaogeschäft, und Unilever, die Nummer eins bei Glace, haben sich zusammengetan. Sie erforschen, wie der Glacegenuss die Stimmung heben kann.

Ein Schokolade-Überzug, der glücklich macht: Der Werbespot für das neue Infinity-Glacé.

Ein Schokolade-Überzug, der glücklich macht: Der Werbespot für das neue Infinity-Glacé.
Bild: PD / Screenshot Tagesanzeiger.ch

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Gesundheitsversprechen

Kakao unterstützt normalen Blutfluss
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat am Dienstag ein positives Gutachten zu einem 2011 von Barry Callebaut eingereichten Zulassungsantrag für ein Gesundheitsversprechen vorgelegt. Darin hält die Efsa fest, «dass Kakaoflavanole dazu beitragen, die endothelabhängige Vasodilatation aufrechtzuerhalten, die zu einem normalen Blutfluss beiträgt». Barry Callebaut konnte nachweisen, dass sich die Aufnahme von 200 Milligramm Kakaoflavanolen (in Form von 2,5 Gramm flavanolreichen Kakaopulvers oder 10 Gramm flavanolreicher dunkler Schokolade) positiv auf die Blutzirkulation im Körper auswirkt. Das ist laut Efsa eine Menge, die im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung problemlos gegessen werden kann. Damit erhält Barry Callebaut als erstes Unternehmen EU-weit ein positives wissenschaftliches Gutachten zu einem Gesundheitsversprechen von Kakaoflavanolen.

Seit 2005 hat der Konzern die Wirkung von Kakaoflavanolen im menschlichen Körper in über 20 klinischen Studien untersucht. Das Unternehmen verwendete dazu Kakaopulver und Schokoladenprodukte, die anhand des von Barry Callebaut entwickelten ActicoaVerfahrens hergestellt wurden. Damit lassen sich Kakaoprodukte mit besonders hohem Flavanolgehalt gewinnen. Das Acticoa-Verfahren ist das Ergebnis mehrjähriger Forschung zum Erhalt der Kakaoflavanole. Dem Unternehmen gelang es, bis zu 80 Prozent der Flavanole des Rohkakaos zu erhalten, die in konventionellen Herstellungsverfahren überwiegend zerstört würden.

Die Erteilung der Zulassung für das Gesundheitsversprechen gilt als reine Formsache. Damit wäre Barry Callebaut berechtigt, die Aussage über Kakaoflavanole fünf Jahre lang in der EU zu verwenden. Kunden des Konzerns, die dessen Kakaoprodukte mit hohem Flavanolgehalt verwenden, könnten das Gesundheitsversprechen auf ihre Verpackungen drucken – auch bei Schokoladegetränken, Müsliriegeln und Keksen.

Unilever

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Eine Broschüre schwärmt vom «ultimativ langen Gaumenkitzel», ein Werbetext spricht von einem «gesteigerten Glücksempfinden». Der Selbsttest ergibt: Die neue Magnum-Glace Infinity schmeckt intensiv, der Energiekick ist spürbar. Aber beides trifft eigentlich auch auf die Magnum Classic zu.

Weshalb sollte es anders sein? Weshalb soll Infinity echt der Bringer sein? Der Überzug der neuen Variante soll es ausmachen. Er ist mehrheitlich aus Bohnen aus Tansania, und diese enthalten 30 Prozent mehr Theobromin als herkömmliche Bohnen. Das leicht bittere Theobromin ist dem Koffein ähnlich, das ebenfalls im Kakao enthalten ist, wirkt ebenso anregend – und es hellt die Stimmung leicht auf.

Gefroren schmeckt es besser

Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Doch der Hersteller Unilever (UN 29.731 -1.47%) und der Zürcher Konzern Barry Callebaut, (BARN 879 -1.73%) der bei der Entwicklung der Magnum-Glace von Anfang an Pate stand, haben Erstaunliches erforscht. Das geht aus dem europäischen Patent «Gefrorene Süsswarenprodukte und Getränke mit Theobromin und Koffein» hervor, das sich Unilever unlängst gesichert hat. Die Forscher hatten sich zum Ziel gesetzt, Produkte zu finden, bei denen die positiven Wirkungen von Koffein und Theobromin ausgeprägt sind, unerwünschte Nebenwirkungen wie höherer Blutdruck oder Bitterkeit aber möglichst entfallen.

Das Resultat ihrer Studien, die aber von keiner Gesundheitsbehörde überprüft worden sind: Theobromin kann der Erhöhung des Blutdrucks entgegenwirken, die Koffein verursacht. Weitere Untersuchungen, auch mit Testpersonen, ergaben zudem, dass gefrorene Produkte wie Glace mit hohen Anteilen an Koffein und Theobromin besser schmecken als normale Schokolade mit diesen Ingredienzen. Schliesslich befand man, dass die Produkte für das anvisierte Ziel 5 bis 20 Gewichtsprozent Kakaobohnenteile enthalten sollten. All diese Erkenntnisse flossen in die neue Magnum ein.

Glace ist Barry Callebauts Wachstumpfeiler

Die neue Glace steht für die langfristige Partnerschaft, die Barry Callebaut und Unilever diesen Januar bekannt gegeben haben. Mengenmässig soll sich das Geschäft der Schweizer mit dem langjährigen Kunden dadurch verdoppeln, auf geschätzte 60'000 Tonnen und 70 Prozent des weltweiten Bedarfs von Unilever. Dafür investiert Barry Callebaut 22 Millionen Franken in den Ausbau bestehender Fabrikationsanlagen in allen Weltregionen.

Durch das Abkommen wird Barry Callebaut nicht nur Hauptlieferant von Unilever, sondern auch Innovationspartner. Der Weltkonzern sieht im Glacegeschäft einen seiner Wachstumspfeiler und ist mit 17 Prozent Anteil Weltmarktführer.

Weltweiter Bestseller Magnum

Die Magnum wurde 1987 in Grossbritannien als erstes Premium-Eis am Stiel eingeführt und eröffnete einen neuen Markt. In der Schweiz ist Magnum seit Jahrzehnten ein Begriff, weltweit war der Stängel 2009 der meistverkaufte gefrorene Snack. Doch im grössten Glace-Markt der Welt, den USA, wurde das Erfolgsprodukt erst letztes Jahr mit einer 10 Millionen Dollar teuren Kampagne eingeführt. Magnums Potenzial ist lange noch nicht ausgeschöpft, denn auch in Brasilien oder Indonesien wurde der Stängel erst gerade lanciert.

Barry Callebaut wird mit Unilever weiter an Innovationen arbeiten. Regelmässig laden die Zürcher die Speiseeisspezialisten des niederländisch-britischen Konzerns zu Innovationsseminaren ein, wo hauseigene Spezialisten die neusten Techniken für die Arbeit mit Schokolade und Ideen für zukünftige Anwendungen präsentieren. Meist stehen die Innovationen allerdings allen Kunden offen. Erst im Januar haben die Schweizer zum Beispiel «zartschmelzende Schokoladenstückchen für Speiseeis» als Weltneuheit angekündigt.

Barry Callebaut beantragt gesundheitsbezogene Werbeversprechen

In der klinischen Forschung untersucht der Konzern die mehreren Hundert Komponenten von Kakao auf ihren potenziellen Nutzen für die Gesundheit – etwa bei der Unterstützung des Blutkreislaufs durch die in Kakao enthaltenen Flavanole. In diesem Bereich hat Barry Callebaut letztes Jahr bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) einen Antrag für gesundheitsbezogene Werbeversprechen eingereicht. Laut Sprecher Raphael Wermuth enthält der Antrag fünf klinische Studien, die zum Teil noch nicht veröffentlicht wurden. Gestern Dienstag hat die Efsa dazu einen positiven Entscheid gefällt. Barry Callebaut bereitet unterdessen bereits weitere Anträge zuhanden der Efsa vor. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2012, 07:16 Uhr

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5 Kommentare

Mauritius Hafner

18.07.2012, 08:12 Uhr
Melden 23 Empfehlung 0

Wenn Barry Callebauts auch noch die Bauern unterstützen würde und nicht nur in endlosen Monokulturen Kakao anbaut, wäre alles gut. Antworten


Peter Haller

18.07.2012, 07:34 Uhr
Melden 15 Empfehlung 0

Glace, die glücklich macht! dann müsste aber Kanabis längst legal sein! Antworten



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