«Die Hayeks waren nie kleinlaut»

Schweizerdeutscher Geschäftsbericht und Economiesuisse-Prügel: Nick Hayek fällt erneut auf. Jürg Wegelin hat eine Biografie über den Vater geschrieben. Was treibt die Hayeks an? Antworten - und Anekdoten.

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Herr Wegelin, Nick Hayek drischt verbal und öffentlich aufs Wirtschaftsestablishment ein. Das würde so kein anderer Schweizer Manager wagen. Warum kann er sich das leisten?
Das ist natürlich Tradition in der Familie, die Hayeks waren nie kleinlaut. Schon sein Vater war aufmüpfig und hat das lautstark kundgetan. Einen Einfluss aufs Geschäft müssen sie ja nicht befürchten. Ihre wichtigsten Zielmärkte liegen ausserhalb der Schweiz.

Aber warum überhaupt dieses laute Auftreten?
Das verschafft ihnen Öffentlichkeit weit über die Schweizer Grenzen hinaus, man wird so wahrgenommen. Die Hayeks wissen genau, wie sie die Medien für sich gewinnen. Als Journalist war man in den Augen von Nicolas Hayek immer der beste seines Fachs. Später merkten wir, das er allen das Gleiche erzählte. Genützt hat es offenbar. Was hat die «Financial Times» schon über Swatch geschrieben. Es gibt keine Schweizer Firma von vergleichbarer Grösse, die ein ähnliches Medienecho im Ausland hat.

Hayek hält nun die Swissness-Sache hoch. Warum diese starke Identifikation mit der Schweiz?
Vater Nicolas Hayek hatte früher darunter gelitten, nicht gebürtiger, wir würden sagen «waschechter», Schweizer zu sein. Für mich liegt dieses Pochen auf dem Schweiz-Aspekt darin begründet – quasi eine Überreaktion. Man möchte ein besonders guter Schweizer sein. Der verstorbene Nicolas Hayek liess sich zum Beispiel in Magglingen mit der Armbrust ablichten, in Zermatt projizierte er die Swatch ans Matterhorn. Es gibt unzählige solcher Beispiele.

Und nun lässt er den Geschäftsbericht in Schweizerdeutsch drucken. Was soll das?
Bei Hayeks und Swatch kommt immer wieder diese Message durch, «wir machen es anders als die anderen». Das ist Programm, wie bei der «Weltwoche» ja auch. Der Geschäftsbericht ist aber natürlich auch ein Fehdehandschuh an Analysten und Börse. Schon Vater Hayek hatte immer wieder verbal gegen Banken und Parkett geschossen. Überdies hält Swatch als einziger grosser Schweizer Konzern seine Pressekonferenzen nicht in einer der grossen Städte Zürich oder Basel, sondern in Biel ab.

Warum legt sich Nick Hayek gerade jetzt mit der Wirtschaftselite an?
Die Hayeks lagen mit der Wirtschaftselite immer mehr oder weniger im Streit. Die Swissness-Vorlage brachte das Fass nun einfach wieder einmal zum Überlaufen.

Und worauf gründet der Zwist zwischen den Hayeks und der Wirtschaftselite?
Das begann schon früh. Als in den 80er-Jahren der Franken stark aufwertete, hatte Nationalbankpräsident Markus Lusser lange stillgehalten. Auch der Vorort – der Vorgänger des Economiesuisse – stand Gewehr bei Fuss. Das brachte Nicolas Hayek derart in Rage, dass er über die Angesprochenen an einem Wirtschaftstreffen mit einem regelrechten Wutausbruch herzog. Tags darauf geisselte ihn die «Neue Zürcher Zeitung», er habe von diesen Mechanismen keine Ahnung. Hayek wurde damals von der Wirtschaftselite oft belächelt. Das muss ihn innerlich nur noch mehr aufgebracht haben.

Das Aufmüpfige ist bis heute geblieben. Bleibt auch nachhaltig etwas? Ich erinnere an die gemeinsame Pressekonferenz mit Christoph Blocher, wo sie die Aufspaltung der Banken propagierten.
Ob etwas bleibt, kann ich nicht sagen. Klar ist, dass sie sich parteipolitisch nicht festlegen. Nicolas Hayek paktierte mit Blocher. Er traf sich früher aber auch öfters mit der damaligen Chefin der Uhrengewerkschaft Smuv, Christiane Brunner. Es gibt da diese Anekdote, wonach Hayek mit Brunner durch Lausanne an eine Konferenz fuhr und ständig mit offenem Fenster nach dem Weg fragte. Er wollte damit zeigen, dass er sich mit Menschen verschiedenster Couleur verstand. Aber für politisches Engagement bestand nie ein echtes Interesse.

Besteht nicht doch die Gefahr, dass sich Nick Hayek zu fest aus dem Fenster lehnt, dass er nicht mehr als Winkelried, sondern als Miesepeter wahrgenommen wird?
Das kann ich mir kaum vorstellen. Geschäftlich steht ihm die Nagelprobe zwar noch bevor, auch er wird einmal eine Krise durchstehen müssen. Zum Beispiel dann, wenn der chinesische Markt einmal ins Wanken gerät. Dass es ihm deswegen aber die Sprache verschlägt, glaube ich nicht.

In der Schweizer Wirtschaftsgeschichte gab es nicht viele Unternehmer, die so extrovertiert auftreten wie die Hayeks. Mir kommt Karl Schweri in den Sinn. Und Ihnen?
Ich habe Nicolas Hayek mit Gottlieb Duttweiler verglichen. Auch er hatte sich immer wieder mit der Elite überworfen. Er schmiss Steine gegen das Bundeshaus und machte trotzdem die Migros gross. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 06.03.2013, 19:35 Uhr)

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Jürg Wegelin ist Wirtschaftsjournalist. 2009 veröffentlichte er die Biographie über den Uhrenpatron Nicolas Hayek «Mister Swatch. Nicolas Hayek und das Geheimnis seines Erfolgs.»

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