Die Hedgefonds-Legende und die hohen Renditen

Steven A. Cohen verwaltet Milliarden Dollars und erzielt seit 1992 überdurchschnittliche Erträge. Doch nun rücken seiner SAC Capital die US-Behörden auf den Leib. Haben seine Zauberlehrlinge getrickst?

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SAC Capital ist ein Hedgefonds, der rund 15 Milliarden Dollar Vermögen verwaltet, 1000 Mitarbeiter beschäftigt und in Stamford im US-Bundesstaat Connecticut beheimatet ist. Sein Besitzer Steven A. Cohen entspricht so ziemlich allen Klischees, die man von exzentrischen Milliardären kennt: Er ist ein Mathe-Genie, gibt keine Interviews, sammelt Kunst wie andere Menschen Briefmarken und huldigt einer ultralibertären Weltanschauung à la Ayn Rand.

Doch derzeit plagen ihn nicht hohe Steuern und ein übermächtiger Staat, sondern eine offenbar kurz bevorstehende Anklage der US-Börsenaufsicht SEC und des FBI. Das zumindest berichten alle führenden Finanzzeitungen. Wie für Banken ist auch für einen Hedgefonds eine Anklage tödlich.

Mehr als reine Mathematik

Die Vorgeschichte: SAC ist eine Legende unter den Hedgefonds. Seit 1992 hat er Jahr für Jahr überdurchschnittliche Renditen erzielt. Cohen setzt bei seinen Deals nicht auf das Bauchgefühl, sondern auf das Wissen seiner Quants, der hochqualifizierten Mathematiker, die mit ihren Algorithmen und superschnellen Computern den Markt schlagen. Doch inzwischen mehren sich die Indizien, dass Cohen und seine Zauberlehrlinge nicht nur angewandte Mathematik einsetzen, sondern auch Insiderwissen. Acht Mitarbeiter von SAC werden angeklagt, auf diese Weise illegale Gewinne eingefahren zu haben. Ungeklärt ist die Frage, wie weit Cohen selbst in diese Deals involviert ist.

Einer der Angeklagten ist der frühere Portfolio-Manager Mathew Martoma. Er hat davon erfahren, dass klinische Tests von Produkten der Pharmahersteller Wyeth und Elan enttäuschend ausgefallen sind, und soll dieses Insiderwissen für Börsengeschäfte ausgenutzt haben. Angeblich soll Martoma dieses Wissen auch an Cohen weitergeleitet haben. Martoma bestreitet die Vorwürfe, und Cohen ist es bisher gelungen, ein Verfahren in dieser Sache abzuwenden.

«Nice job on Dell»

Der zweite Fall betrifft Michael Steinberg, ebenfalls SAC-Portfolio-Manager. Er soll im März 2008 von schlechten Quartalszahlen des Computerherstellers Dell erfahren und daraufhin Dell-Aktien im grossen Stil abgestossen haben. In einem E-Mail soll er dieses Wissen an Cohen weitergeleitet haben, der daraufhin ebenfalls seine Dell-Papiere verkaufte. Steinberg bestreitet die Anschuldigungen ebenfalls. Cohens Anwälte erklären, dass ihr Klient täglich rund 1000 E-Mails erhalte und das betreffende E-Mail gar nie gelesen habe. Dumm allerdings, dass SAC mit dem Verkauf der Dell-Aktien einen grossen Verlust verhinderte und Cohen Steinberg später ebenfalls ein E-Mail sandte mit dem Inhalt: «Nice job on Dell».

Cohen zieht alle Register, um Investoren und Behörden zu besänftigen. Wie verschiedene Banken hat er bereits eine Busse von 616 Millionen Dollar bezahlt, ohne Schuldgeständnis allerdings. Es wird nun allgemein angenommen, dass SAC Capital dennoch vor dem Kadi erscheinen muss. Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass Cohen persönlich mit einer Klage rechnen muss. Trotzdem droht dem Hedgefonds der Untergang. Bereits haben Investoren rund fünf Milliarden Dollar abgezogen. Neun Milliarden Dollar gehören Cohen und seinen Mitarbeitern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 24.07.2013, 23:00 Uhr)

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