Die Ideensammler

Das Prinzip Facebook funktioniert auch bei der Innovation: Unternehmen wie Post, BMW oder Swisscom stellen auf Atizo.com ihre Fragen. Bis zu 6400 Mitglieder geben ihre Geistesblitze ab.

Drei Männer mit Idee: Atizio-Gründer Christian Hirsig, Reto Aebersold, Mathias Ruch.

Drei Männer mit Idee: Atizio-Gründer Christian Hirsig, Reto Aebersold, Mathias Ruch.

«Der Kiosk mit seinen vielen Standorten soll Schnittstelle zwischen realer und digitaler Welt sein. Welche überraschenden Ideen, Produkte und Services können Sie sich rund um den Kiosk der Zukunft vorstellen?» So lautet die neueste Frage auf der Internetplattform von www.atizo.com. Eingegangen sind bisher 370 Antworten. Hier zwei davon: Briefversand innerhalb der Stadt. Jeder Kiosk nimmt Briefe entgegen und schickt diese zum Kiosk, der dem Empfänger am nächsten ist. Von dort wird der Empfänger per E-Mail über den Eingang informiert.

Kiosk bietet Paketservice an

Zweites Beispiel: Der Kiosk bietet einen Paketservice an. Der Kunde füllt zu Hause am PC einen Paketschein aus und bezahlt die Gebühr online. Dann bringt er das Paket mit dem ausgedruckten Schein zum Kiosk. Die Kiosk AG hat die Frage am 21. Januar auf die Plattform gestellt. Für die besten Antworten ist eine Gesamtprämie von 3000 Franken ausgesetzt. «In der Regel werden zwischen 25 und 50 Ideen prämiert», sagt Atizo-Geschäftsführer Christian Hirsig. Das Unternehmen wurde 2007 von Absolventen der Universität Bern als Open Innovation GmbH gegründet. Seit Juni 2009 wird das Angebot unter dem Namen Atizo AG vermarktet.

Atizo ist in einem ähnlichen Markt tätig wie die Bieler Brainstore AG. Diese lädt eine Gruppe von Personen aus unterschiedlichen Interessengebieten zu einem Brainstorming ein. Bei Atizo findet die Ideensuche ausschliesslich über das Internet statt. Hirsig beschreibt das Konzept als «Facebook-artig»: Atizo stellt den Kunden mit der Internetplattform den Zugang zur «Atizo-Gemeinde» mit 6400 Mitgliedern zur Verfügung. Neben öffentlichen gibt es auch vertrauliche Umfragen, die innerhalb des Unternehmens stattfinden.

Idee für Reissverschluss-Ersatz

Als Paradebeispiel nennt Atizo den Sportkleiderhersteller Mammut, der dank der Internetplattform die Idee für den Ersatz des Reissverschlusses fand. Statt Zähnen greifen zwei Kunststoffschienen ineinander. «Der Geistesblitz kam mir beim Blick in den Kühlschrank: Weshalb nicht das Prinzip von Gefrierbeuteln aus Plastik auf die Kleidung übertragen?», sagt Erfinder Christian Schwanert. «Welche neuen Kurse wünschen Sie sich?», fragte die Klubschule Migros. Über 500 Vorschläge gingen ein. Blacksocks fand die Idee für ein Reise-Necessaire dank Atizo, und BMW gewann online Ideen für das Motorrad der Zukunft. Als weitere Kunden nennt Atizo Swisscom, Post, BMW, Google, Helsana, Procter & Gamble.

Das im Berner Gründerzentrum angesiedelte Unternehmen mit 10 Angestellten erzielte 2009 einen Umsatz von 500'000 Franken. Für die Expansion hat die junge Firma von erfahrenen Unternehmern soeben gegen 1 Million Franken neues Kapital erhalten. Neuer Verwaltungsratspräsident und bedeutender Aktionär ist Gerhard Jansen, der vor zwei Jahren die Maschinenfabrik Schleuniger in Thun an die Metall Zug AG verkauft hatte. Zweiter neuer Atizo-Grossaktionär ist Roland Brack, Gründer der Competec Holding und der Brack Electronics AG in Mägenwil.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2010, 09:49 Uhr

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4 KOMMENTARE

Livia Stucki

10.02.2010, 09:35 Uhr

Wir sind der Ansicht dass beim Communitygedanken der Austausch von Ideen im Zentrum steht. Die finanzielle Entlöhnung dient primär als Anerkennung für Innovatoren.


Thomas Müller

09.02.2010, 10:39 Uhr

Habe bei Atizo eine Weile mitgemacht. Obwohl meine Ideen von anderen User top bewertet wurden, einmal sogar mit Abstand die beste Idee hab ich gerade einmal CHF 50.-- bekommen. Das ganze Portal taugt höchstens als Marketing-Plattform für die Firmen die da mitmachen.


Peter Meier

09.02.2010, 10:36 Uhr

Es kommt auf die Prämie darauf an: Wenn Sie 500 Franken verdienen können mit einer Idee von 160 Zeichen Länge... Das ist nicht naiv, da mitzumachen.


Klaus Ackermann

09.02.2010, 07:34 Uhr

Eine Idee die final Ihre Transformation ins Web 2.0 geschafft hat. Erstaunlich wer da Geld gibt, bzw. sich was verspricht... Der Leverage ist sehr gross, die Firmen profitieren mehr, aber wie ist es mit den Ideengebern? Ein paar 1'000 Fränkli? Wohingegen die Firma ein Patent anmelden wird ... Loyalität ohne ein Verhältnis zur Firma zu haben ... neues Phänomen? Dummheit? Naivität? Freie Denker?






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