Die Kleinen triffts härter

Börsenkotierte Industriefirmen legen derzeit ganz passable Jahresabschlüsse vor. Die Frankenstärke belastet sie weniger, weil sie international aufgestellt sind.

In Industriebetrieben fehlt mittlerweile oft der Spielraum, um noch an den Kosten zu schrauben. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

In Industriebetrieben fehlt mittlerweile oft der Spielraum, um noch an den Kosten zu schrauben. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Die Aufwertung des Frankens hat in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie deutliche Spuren hinterlassen. So vermeldeten etwa gestern der Industriekonzern SFS und der Werkzeugmaschinenbauer Starrag gesunkene Umsätze und gefallene Gewinne. Wirklich schlechte Nachrichten tönen allerdings anders. So hat SFS seine Medienmitteilung mit der Überschrift «Solide finanzielle Entwicklung trotz Frankenstärke» versehen. Und auch Starrag verbreitete mit Formulierungen wie «solider Auftragsbestand» und «gehaltener Umsatz» alles andere als Krisenstimmung. Dass die Unternehmen nicht ums Überleben kämpfen, zeigen auch die Dividenden. SFS schüttet den Aktionären gleich viel aus wie vor einem Jahr, Starrag wiederum senkt sie im selben Ausmass, wie auch der Gewinn zurückgegangen ist.

Armin Rechberger, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, stellt denn auch klar, dass die an der Börse kotierten Firmen nicht jene sind, die den Frankenschock am stärksten zu spüren bekommen haben. «Die meisten börsenkotierten Unternehmen sind sehr international aufgestellt.» Ihnen gelänge es daher besser, die Auswirkungen des auf einen Schlag aufgewerteten Frankens abzufedern. Die Wirkung der starken Währung auf diese Unternehmen verharmlosen will Rechberger dennoch nicht. Selbst wenn die Grossen der Branche weniger leiden müssten als viele kleine und mittelgrosse Player, habe der Frankenschock auch bei ihnen den Druck erhöht. Massnahmen wie Produktionsverlagerungen rückten mit der markanten Aufwertung des Franken noch schneller in den Fokus der Unternehmenslenker.

Bei SFS wird im Aktionärsbrief denn auch darauf hingewiesen, dass die schweizerischen Standorte noch mehr auf innovative Spitzenleistung und technisch höchst anspruchsvolle Produktionsaufgaben ausgerichtet würden. «Aufgaben, die diesen Kriterien nicht entsprechen, werden kontinuierlich an andere Standorte übertragen, die nicht unter dem Handicap des überbewerteten Frankens leiden», schreibt SFS-Verwaltungsratspräsident Heinrich Spoerry

Wie ausgeprägt sich der starke Franken in den Zahlen niederschlägt, variiert von Unternehmen zu Unternehmen. Gravierend ausgewirkt hat sich die Aufhebung des Euro-Mindestkurses überall dort, wo die Kosten in Franken anfallen, die Erträge aber in einer anderen Währung generiert werden. Fallen die Kosten in der gleichen Währung an wie die Erträge – etwa wenn ein Tochterbetrieb einer Schweizer Firma in Deutschland für den Euroraum produziert –, dann sind zwar die vom Schweizer Konzern ausgewiesenen Umsätze und Gewinne kleiner, das Verhältnis von Gewinn zum Umsatz bleibt aber unverändert.

Jeder dritte Betrieb mit Verlust

Während bei international aufgestellten Unternehmen die unter Druck geratene Marge der Geschäftsaktivitäten in der Schweiz durch die Zahlen anderer Standorte etwas gedämpft wird, schlägt die Frankenstärke bei Unternehmen mit einem grösseren Wertschöpfungsanteil in der Schweiz voll durch. Gemässeiner Umfrage des Branchenverbands Swissmem ist etwa ein Drittel der Industrie­betriebe letztes Jahr in die Verlustzone gedrängt worden. Besonders oft dürfte dies bei KMU der Fall sein.

«Kleine Unternehmen hat der Frankenschock besonders stark getroffen», sagt denn auch Matthias Rutzer von Swissmechanic, dem zweiten Branchenverband, dem 1400 meist kleinere Industriebetriebe angeschlossen sind. Die Schwierigkeiten, mit denen gewisse Unternehmen nach dem Frankenschock konfrontiert sind, sind dabei vielschichtig. «Einzelne Firmen berichten, dass sie nicht einmal mehr um eine Offerte angefragt würden, weil man im Markt schlicht davon ausgehe, dass ihre Preise aufgrund des starken Franken nicht mehr mit jenen der ausländischen Konkurrenz mithalten könnten», sagt Rutzer. Er sieht den gegenwärtigen Margendruck insbesondere auch als mittelfristiges Problem an: «Wenn jetzt die Margen zu schmal und die Kosten gesenkt werden, besteht die Gefahr, dass die Unternehmen kein Geld mehr in die Innovation stecken und Investitionen hinausschieben.» Das würde sich dann einige Jahren später auswirken, wenn sie technologisch in Rückstand geraten seien.

Wie wichtig für die Unternehmen Innovation sei, unterstreicht auch Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann. Er weist aber darauf hin, dass die Unternehmen sich dessen sehr bewusst sind. In einer Umfrage hätten rund zwei Drittel der Firmen angegeben, jetzt Geld in die Innovation zu stecken. Kleine Unternehmen könnten zudem von der Innovationsförderung des Bundes profitieren. Erst im Februar hat der Bundesrat dafür 61 Millionen Franken für zusätzliche Sondermassnahmen bewilligt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.03.2016, 21:36 Uhr)

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