Wirtschaft

«Die Märkte rechnen mit einem Übergreifen der Eurokrise»

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 05.08.2011 31 Kommentare

Keine Erleichterung in Sicht: Die Märkte rasseln weiter nach unten und Rettungspakete in der Eurozone werden für Investoren zunehmend unglaubwürdig.

1/23 Seoul, Südkorea: Die Kurse schweben wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Devisenhändler. (9. August 2011)
Bild: Keystone

   

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Das Entsetzen der Händler

Das Entsetzen der Händler
Weltweit schauen die Leute verzweifelt auf die Charts der Börsen.

Es geht bergab: DAX (Archivbild).

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Der SMI gibt nach der weltweiten Börsentalfahrt von gestern auch heute weiter nach. Am Vormittag ist der Schweizer Leitindex um mehr als 230 Punkte nach unten gegangen. Auch am deutschen Aktienmarkt geht der Abwärtstrend am Freitag ungebremst weiter. Der DAX brach zum Handelsstart um fast vier Prozent auf 6153 Punkte ein. Das ist der tiefste Stand seit Anfang Oktober 2010. Am Vortag hatte der Leitindex 3,4 Prozent nachgegeben. Seit Wochenbeginn hat er damit fast 14 Prozent beziehungsweise 983 Punkte verloren. Und an der New Yorker Wallstreet war der Dow-Jones-Index am Donnerstag um 4,3 Prozent eingebrochen. Das war der stärkste Rückgang seit Dezember 2008.

Angesichts der durchaus soliden Fundamentaldaten der Blue Chips im SMI sei der starke Rückgang hierzulande aber nicht mehr zu rechtfertigen, meint Greogor Mast, Chefanalyst der Privatbank Clariden Leu. Der wahre Grund für das Absacken an den Märkten: «Die beschlossenen Massnahmen zur Eurorettung wurden von den Märkten als nicht ausreichend bewertet.» Ein Indikator sind die Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen, die auf über sechs Prozent gestiegen sind. «Die Märkte rechnen nach Griechenland mit einem Übergreifen auf die umliegenden Länder und glauben, dass das Paket vom 21. Juli nicht ausreicht», so der Chefanalyst. Hinzu komme, dass EZB-Präsident Jean Claude Trichet den Investoren ihre Sorgen nicht nehmen konnte. «Der EZB-Präsident ist mit keinem Wort auf Spanien oder Italien eingegangen», schliesst Mast.

Ein weiteres Problem sind die US-Konjunkturdaten, die alles andere als blendend sind. «Die Abwärtsrevisionen zum vorangegangen Quartal kommen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt», so Mast weiter. Mit dem Effekt, dass die Anleger die Aktien in Angst und Schrecken verkaufen.

Asiens Märkte schielen auf US-Börsen

Was die asiatischen Finanzmärkte betrifft, geben die Börsen in den USA den Takt an. «Die asiatischen Märkte hängen stark dran.» In Asien seien die Fundamentaldaten aber besser, deswegen falle der Rückgang an den asiatischen Finanzmärkten auch nicht ganz so gravierend aus. «Erstaunlich ist, dass kein Unterschied mehr gemacht wird, ob die Fundamentaldaten den panikartigen Verkauf rechtfertigen oder die Reaktionen möglicherweise überzogen sind.»

Fakt ist: Es gibt eine breite Verabschiedung von den Aktienmärkten. Das wird wohl so lange anhalten, bis die USA eine Lösung für ihre Konjunktur- und Schuldenprobleme gefunden haben und in der Eurozone wieder Vertrauen hergestellt werden konnte. «Das Sentiment ist ja recht pessimistisch geworden, was das betrifft. Es wird so unruhig und volatil bleiben», sagt Mast.

Ob der Euro verloren ist, wenn Italien ein Problem bekommt, wagt der Chefanalyst nicht zu behaupten. Allerdings sei das auch keine Geschichte der nächsten Wochen, sondern der nächsten Monate und Jahre. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2011, 10:28 Uhr

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31 Kommentare

joe walz

05.08.2011, 10:38 Uhr
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ich glaube es braucht zuerst einen noch grösseren knall auf dem planeten. sonst kommen diese spekulanten, bangster, manager und politker nicht mehr zur besinnung. Antworten


Oliver Burkardsmaier

05.08.2011, 11:09 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Angst und Schrecken. Ich denke, das trifft es ganz genau. Der Grund dafür ist einfach zu finden: Wenn eine Aktie keinen reellen Wert widerspiegelt, und man also darauf spekuliert, dass jemand anders auch bereit ist, Phantasiepreise für einen imaginären Gegenstand zu bezahlen, dann bleibt nur Angst und Panik, wenn die ersten Anzeichen darauf hindeuten, dass man selbst der sprichwörtlich letzte ist. Antworten



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