Wirtschaft
Die Migros holt sich Thomy-Senf und Coca-Cola ins Regal
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 07.12.2009 43 Kommentare
Artikel zum Thema
Wer in der Migros einkaufte, fand lange Zeit kaum Markenartikel. Das begann sich 2004 zu ändern, als der damalige Marketingleiter und heutige Emmi-Chef Urs Riedener gestaffelt eine ganze Reihe von Marken in die Regale stellte: Nutella, Red Bull, Elmex, L'Oréal. Mit Erfolg: Die Umsätze stiegen und kannibalisierten die Eigenmarken kaum.
Knorr schon im Sortiment
Gemäss einer Umfrage der Marktforscher von Nielsen vermisste die Kundinnen und Kunden damals drei Namen am meisten im Sortiment: Thomy, Knorr und Coca-Cola. Die zu Unilever gehörende Traditionsmarke Knorr landete noch im gleichen Jahr in den Gestellen der Migros. Bei den zwei anderen dauerte es etwas länger. Doch nun ist es soweit: Anfang 2010 wird die Migros auch Coca-Cola sowie Senf und Mayonnaise von Thomi verkaufen. Das ergeben Recherchen des TA, die am Samstag durch eine Meldung der deutschen «Lebensmittelzeitung» bestätigt wurden.
Bestätigen will es zwar niemand. Man sei «miteinander im Gespräch», sagen die Pressestellen nur. Allerdings gab Migros-Marketingchef Oskar Sager bereits im Oktober in einem Interview bekannt, dass er 2010 auch Coca-Cola und Pampers im Angebot haben wolle.
Fall Gillette als Hindernis
Was die Windeln betrifft, dürften die Verhandlungen ins Stocken geraten sein: Der Konzern, der Pampers herstellt, ist der gleiche, der die Rasierklingen von Gillette fabriziert: der US-Riese Procter & Gamble. Da hat die Migros unlängst für böses Blut gesorgt: In einer werbewirksamen Aktion hat die Nummer eins im Schweizer Detailhandel die Preise für die Klingen um bis zu 39 Prozent gesenkt. Als Exempel gegen überhöhte Preise und um der Marktmacht von Gillette entgegen zu treten.
Procter & Gamble-Sprecherin Irene Kämpfen sagt zwar, man respektiere die Preispolitik der Handelspartner. Und: «Entscheide über Verkaufspreise haben auf die Geschäftspolitik gegenüber diesen Partnern keinen Einfluss.» Anastasia Li-Treyer, Direktorin des Verbands der Markenartikelhersteller Promarca, spricht aber von einer «unschönen Aktion, welche die Gespräche zwischen Hersteller und Händler belastet». Es sei aber grundsätzlich jeder Hersteller daran interessiert, in möglichst vielen Verkaufskanälen präsent zu sein. Erst recht gilt das für Procter & Gamble: Der Gigant sucht in Westeuropa derzeit gezielt nach neuen Absatzmöglichkeiten.
Cola war schon lange Kandidat
Gut möglich, dass man bei Gillette trotzdem wenig Lust verspürt auf eine Zusammenarbeit mit der Migros. Denn: Wer garantiert, dass der Grossverteiler nicht auch die Windeln zur Zielscheibe einer Preissenkung macht?
Deshalb dürfte die Migros Anfang 2010 erst mal nur Coca-Cola und Thomy neu im Sortiment haben. Der amerikanische Softdrink war schon mehrfach Kandidat für eine Aufnahme ins Sortiment der Migros. Von Thomy kauft der durchschnittliche Schweizer Haushalt pro Jahr vier Tuben Mayonnaise und zwei drei Tuben Senf, und Nestlé hat die Marke der Migros schon mehrfach angeboten. Zudem gibt es beide Marken bei dem Discounter Lidl, der seit diesem Frühjahr in der Schweiz präsent ist.
Für die Migros geht es nicht um ein paar Tuben Senf oder einige Flaschen Cola. Sie will damit Kunden in die Läden locken, die sonst exakt deswegen zu Coop oder Lidl gehen. Mit gegen 5 Prozent ist der Anteil der Markenartikel im Lebensmittel-Bereich bei der Migros allerdings noch immer weit entfernt von den 45 Prozent, die der Markenartikelspezialist Coop führt. Dieser baut sein Angebot an Eigenmarken in letzter Zeit aber kräftig aus.
Neue Premium-Eigenmarke
Die Eigenmarken weiter stärken will auch die Migros, wie die «NZZ am Sonntag» unlängst schrieb. Sie will Anfang 2010 «Migros-Premium» einführen, eine Linie zwischen «M-Sélection» und dem mittelpreisigen «M-Classic», unter dem die Migros derzeit viele bisherige Eigenmarken zusammenfasst. Befürchtungen, dass die Kunden Sélection und Premium verwechseln könnten, hat die Migros nicht: Die Top-Linie Sélection sei viel exklusiver positioniert, heisst es. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.12.2009, 08:43 Uhr
Kommentar schreiben
43 Kommentare
Seltsamerweise sind gerade der Migros-Senf (Dijon) für mich ein wichtiger Grund, beim orangen M einkaufen zu gehen. Das Pendant von Thomy schmeckt mir nicht. Langfristig wäre es evt. cleverer, die Eigenmarken weiter zu entwickeln und damit ein eigenständiges Profil zu pflegen als quasi das Coop-Sortiment zu kopieren. Wenn das Sortiment austauschbar wird, entscheidet nur noch der Preis. Antworten
Wirtschaft
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



