Die Mühen des Credit-Suisse-Chefs

Nach der jüngsten Herabsetzung der Kreditwürdigkeit seiner Grossbank sieht sich Tidjane Thiam vor noch grösseren Herausforderungen. Die CS-Aktie sinkt unter die Schmerzgrenze.

CS-Chef Tidjane Thiams Konzernumbau bringt noch nicht die erhofften Resultate. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

CS-Chef Tidjane Thiams Konzernumbau bringt noch nicht die erhofften Resultate. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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In Davos wird Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam nächste Woche im globalen Rampenlicht stehen. Er wird zusammen mit dem Chef von Microsoft, der Konzernleiterin von General Motors und drei weiteren Wirtschaftskapitänen als Co-Vorsitzender der Veranstaltung auftreten – eine Auszeichnung, die nur wenigen Topshots je zuteilwird.

Mit seiner Grossbank dagegen steht er in scharfem Gegenwind. Wie schwierig sein grosser Umbau ist, zeigt ein jüngster Dämpfer. Anfang Woche reduzierte die US-Ratingagentur Moody’s die Noten für die CS um eine Stufe. Damit ist die Kreditwürdigkeit der Credit Suisse für Sparer und Geldgeber nun mit der Note A1 statt wie zuvor mit Aa3 bewertet. Das ist eine Position schlechter als jene der UBS. Die zwei anderen grossen Ratingagenturen, Standard & Poor’s und Fitch, bewerten die CS und die UBS derzeit gleich. Allerdings ist ihr Ausblick für die UBS positiv, für die CS-Gruppe nur stabil.

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Die Rückstufung durch Moody’s kommt aus CS-Sicht zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Stürme an den Börsen zum Auftakt des Jahres haben die Nummer zwei des Schweizer Finanzplatzes heftig erfasst. Die CS-Aktie ist diese Woche weiter unter Druck geraten und deutlich unter die psychologisch wichtige Grenze von 20 Franken gefallen. Bei Börsenschluss lag der Preis bei 18.71 Franken, seit Jahresanfang entspricht das einem Minus von 14 Prozent.

Die Moody’s-Analysten begründeten die Rückstufung der CS mit den absehbar schwachen Gewinnen der nächsten zwei Jahre. Grund seien die Kosten für den grossen Umbau in den drei Regionen Schweiz, Asien und International, für den Rückzug aus Geschäften in der Investmentbank und für Investitionen in die Wachstumsmärkte sowie anhaltende Rechtskosten.

Die Ausgaben und Abschreibungen könnten vermutlich nicht vollständig durch weitere Kostensenkungen und mehr Gewinne im verbleibenden Geschäft kompensiert werden, schreibt Moody’s. Tatsächlich hat die CS die Zitrone unter Thiams Vorgänger Brady Dougan seit 2011 bereits stark ausgepresst. Von 2011 bis 2013 sanken die Löhne und Boni – der grösste Ausgabeposten – von 13 Milliarden auf 11 Milliarden Franken. Seither verharren sie dort.

Asien bleibt länger ungewiss

Für Vontobels Bankenanalyst Andreas Venditti war die Ratingherabsetzung absehbar. «Die nächsten zwei Jahre werden tatsächlich schwierig», meint er. «Die CS dürfte im vierten Quartal 2015 über 6 Milliarden Franken Goodwill abschreiben, es gibt Rechtsrisiken, die eine Milliarde Dollar übersteigen könnten, in Asien drohen Kreditausfälle, und die Lage an den Märkten wird wohl schwierig bleiben.» Vor allem wegen Fehlern rund um US-Hypothekenpapiere drohen der Bank hohe Strafen. Goldman Sachs hat am Donnerstag 5 Milliarden Dollar dafür bezahlt.

In Fernost, wo sowohl die Credit Suisse unter ihrem neuen Kapitän als auch die Erzrivalin UBS mit dem Tessiner Sergio Ermotti an der Spitze sich die grössten Hoffnungen auf Wachstum machen, herrscht derzeit mehr Sorge als Optimismus. Die Börsen in China und überhaupt in der Region Asien-Pazifik tendieren stark nach unten.

Dass die Schweizer Grossbanken-Chefs trotzdem auf Asien setzen, dürfte «langfristig» richtig sein, meint Analyst Venditti. Nur: «In der näheren Zukunft könnte die Region für volatile Ergebnisse sorgen.» In die gleiche Kerbe schlägt sein Berufskollege Christopher Wheeler, Londoner Bankenanalyst bei Atlantic Equities, einer US-Wertpapierfirma. «Thiams Problem ist das Timing», sagt er. Es stimme, dass die Region Asien für das Private Banking zentral bleibe. «Doch für Tidjane Thiams ambitiöse Pläne wächst die Region in den nächsten Jahren möglicherweise zu wenig rasch.»

Im letzten Jahrzehnt hatten die Schweizer Banken in Asien geklotzt. Die verwalteten Kundenvermögen schossen in die Höhe. Dabei unterstützten sie die Kunden beim Investieren und Spekulieren mit Krediten. Nun hat der Wind gedreht, und viele Kunden in Asien drohen an der Börse Geld zu verlieren. Laut Vontobel-Analyst Venditti habe erst die UBS Kredite reduziert. Die CS, Julius Bär und andere Institute könnten folgen.

Börsengeschäfte mittels Krediten waren ein Boomgeschäft. Im letzten Quartalsabschluss per Ende September wies die Credit Suisse durch Wertschriften gesicherte Kredite im Umfang von 40 Milliarden Franken aus. Ende 2011 waren es 25 Milliarden Franken – ein Anstieg um 60 Prozent. Ein grosser Teil könnte aus Asien stammen. Denn in der gleichen Zeitspanne erhöhten sich dort die Kundenvermögen von 92 Milliarden auf 139 Milliarden Franken, stärker als in anderen Regionen.

Bad Bank geschaffen

Eine Sprecherin der Credit Suisse verwies für Fragen zu Asien auf Anfang Februar, wenn die Bank ihre Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr präsentiert. Zur Moody’s-Reduktion meinte sie, dass diese Herabstufung «keinen Einfluss auf unseren strategischen Plan vom Oktober» habe.

Für den Londoner Analyst Christopher Wheeler ist hingegen klar: Tidjane Thiam habe wie die neuen CEOs bei der Deutschen Bank sowie der englischen Standard Chartered und Barclays eine «weit anspruchsvollere Lage» angetroffen als ursprünglich vermutet.

Die Credit Suisse hat mittlerweile eine zentrale Bad Bank geschaffen, um dort Geschäfte zu entsorgen, aus denen sie sich zurückziehen will. Das hat die CS letzte Woche vollzogen. Am wahren Problem kann die buchhalterische Neuordnung jedoch nichts ändern. Bei der CS dürften die Gewinne in absehbarer Zeit bescheiden bleiben. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 15.01.2016, 22:38 Uhr)

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