Die Panama-Firmen der Schweizer

Ein Blick in Panamas Firmenregister zeigt: Bekannte Schweizer führen im Offshore-Paradies Unternehmen. Wozu?

Panama ist einer der ältesten Offshore-Finanzplätze, unzählige Briefkastengesellschaften sind im zentralamerikanischen Land domiziliert. Foto: Mary Knox Merrill (Getty Images)

Panama ist einer der ältesten Offshore-Finanzplätze, unzählige Briefkastengesellschaften sind im zentralamerikanischen Land domiziliert. Foto: Mary Knox Merrill (Getty Images)

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Eine Gruppe von investigativen Journalisten hat diese Woche zahlreiche Daten von Firmen präsentiert, die sich auf das Errichten von Offshore-Gesellschaften spezialisiert haben. Parallel dazu recherchierte der «Tages-Anzeiger» im Firmenregister von Panama. Das zentralamerikanische Land hat immer wieder als Offshore-Paradies von sich reden gemacht. Viele haben dort eine oder mehrere Briefkastenfirmen gegründet, um Steuern zu hinterziehen.

Entsprechende Schlagzeilen verleihen Gesellschaften in Panama etwas Anrüchiges, auch wenn das Gründen und Führen einer dortigen Firma selbstverständlich noch nichts Illegales ist. Der drohende Reputationsschaden führte etwa dazu, dass UBS-Chef Sergio Ermotti den Sitz von fünf Panama-Firmen sofort in die Schweiz verlegte, als nach seiner Ernennung zum UBS-CEO bekannt wurde, dass er in solche Firmen involviert ist. Auch der Zuger CVP-Politiker Peter Hess kam 2001 als Nationalratspräsident unter Druck, als seine Mandate bei Unternehmen in Panama und auf den British Virgin Islands bekannt wurden.

«Panama ist einer der ältesten Offshore-Plätze», sagt Peter Cosandey, Experte für Wirtschaftskriminalität. Dortige Firmen würden sowohl für legale als auch für illegale Zwecke eingesetzt, wobei der grösste Teil der Konstrukte laut Cosandey legal sein dürfte – etwa zur Abwicklung eines Erbes.

Transparenz auf Umwegen

Wer in Panama eine Gesellschaft gründete, profitierte lange von der Verschwiegenheit des zentralamerikanischen Staats. Doch auch dieser hat sich unter dem internationalen Druck bewegt. So ist seit einigen Jahren das Firmenregister im Internet öffentlich zugänglich – wenn auch nur unter sehr erschwerten Bedingungen. Man kann dort nicht nach Personen, sondern nur nach Firmen suchen. Das macht es für Steuerfahnder und Rechercheure schwierig. Denn wie sollen sie den Firmennamen kennen, wenn sie noch nicht wissen, ob jemand in Panama ein Unternehmen hat?

Panama rechnete aber wohl nicht mit Daniel O’Huiginn. Der britische Datenexperte lud mittels eines Spezialprogramms sämtliche Daten legal herunter, ordnete sie und machte das Ganze über eine brauchbare Suchmaske zugänglich. Nun kann man bei O’Huiginn nach Personennamen suchen und erfährt so die dazugehörigen Firmennamen. Mit diesen wiederum lässt sich in Panamas offiziellem Register weiterrecherchieren.

Firmenzweck bleibt geheim

Dies hat der TA getan und die gefundenen Personen mit den Resultaten konfrontiert. Zum Beispiel Pierre Mirabaud, den einstigen Präsidenten der Schweizerischen Bankiervereinigung. Er ist in Panamas Firmenregister als Präsident der Galmar Finance Inc. eingetragen – offenbar ohne sein Wissen. Jedenfalls teilte er dem TA schriftlich mit: «Ich bin sicherlich nicht mehr Präsident der Galmar!» Die Gesellschaft in Panama sei eine konsolidierte Filiale der Bank Mirabaud. Als einstiger Partner habe er sich vor zwei Jahren pensionieren lassen.

Ging bei den Betreibern des Registers oder bei der Bank eine Anpassung vergessen? Laut einer Sprecherin der Bank ist die Panama-Gesellschaft seit einigen Jahren nicht mehr aktiv. Aufgelöst wurde sie gemäss dem Register aber nicht. Und welchen konkreten Zweck verfolgte man einst mit Galmar Finance? Dazu wollte sich die Bank nicht äussern.

Überhaupt keine Stellungnahme war von Ivan Pictet zu erhalten. Laut Panamas Firmenregister ist der pensionierte Privatbankier aus Genf Präsident der Zeta Shipping Engineering Chartering Corporation, Sekretär der Pindia S.A. und Direktor der Pictet Financial Services Inc. In den letzten beiden Firmen ist laut dem Register auch Nicolas Pictet vertreten, der gegenwärtige Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers.

Über besonders viel Erfahrung mit Panama-Firmen verfügt Tito Tettamanti, der schon früh von solchen Gesellschaften Gebrauch machte. Sein Name taucht bei mehreren Dutzend Firmen auf, wobei ein Grossteil davon inzwischen aufgelöst wurde. «Im Rahmen des Tax Planning für internationale Tätigkeiten wurden seinerzeit panamesische Gesellschaften oft benutzt», teilt Tettamanti mit. In den letzten Jahren sei Panama aber aus Reputationsgründen vermieden worden.

«Dazu haben Berater geraten»

Investor Peter Friedli, dessen Vermögen die «Bilanz» auf 100 bis 200 Millionen Franken schätzt, präsidiert in Panama drei Firmen: Madison Partners S.A., Friedli Corporate Finance Inc. und Inflabloc Inc. «Dazu haben mir vor einigen Jahren die Berater geraten», sagt Friedli. Ob sie dies auch heute noch tun würden, wisse er nicht. Der Investor schätzt aber den geringeren administrativen Aufwand in Panama: «In der Schweiz ist das Auflösen einer Aktiengesellschaft ein Albtraum, während Sie in Panama das Geld einfach ausschütten und davonlaufen können.» Darüber hinaus könne man auch ganz legal Steuern optimieren, wobei dies nicht im Vordergrund stehe. «Ich habe nichts zu verstecken», betont Friedli. Alles sei offen deklariert. Und er habe weder privat noch über eine Gesellschaft je ein Offshore-Konto bei einer Bank in Panama besessen.

Swatch nutzt The Swatch Group Panama mit Präsident Marc Hayek für «die Repräsentation und die Unterstützung all unserer Partner in Lateinamerika», wie das Unternehmen mitteilt.

Und wozu dient die Monffalo Investments S.A., in der gleich mehrere Mitglieder der Tessiner Familie Mantegazza sitzen? Laut dem Anwalt der Familie, deren Vermögen die «Bilanz» auf 3 bis 4 Milliarden Franken schätzt, übt die Panama-Gesellschaft die Stimmrechte der Familie aus. So solle sichergestellt werden, dass die Mantegazzas mit einer Stimme sprechen. Eine ökonomische Bedeutung habe die Panama-Firma dagegen nicht, versichert Anwalt Fabio Gaggini. Sie diene auch nicht der Steueroptimierung.

Nicht äussern wollte sich Franke-Inhaber Michael Pieper, der laut «Bilanz» 2 bis 3 Milliarden Franken besitzt. Unter seinem Namen figuriert in Panamas Firmenregister die Vinci Business Corp. Dazu könne Pieper nichts sagen, da er sich derzeit im Ausland befinde, teilt seine Assistentin mit.

Bern in Gespräch mit Panama

Unter den Bundesräten und Parlamentariern hat der TA niemanden mit einer Panama-Firma gefunden. Rein theoretisch wäre es trotzdem möglich, dass der eine oder andere an einer solchen Gesellschaft beteiligt ist. Denn: Wer im Hintergrund bleiben will, kann in Panama auch Strohmänner als Präsidenten und Sekretäre einsetzen. So erscheint sein Name nicht im Register. Folglich findet man dort in erster Linie die Ehrlichen, die Unvorsichtigen und jene, die einst auf die ewige Verschwiegenheit Panamas vertrauten.

Auch Panama musste sich aber unter dem internationalen Druck öffnen. Das Land erfüllt inzwischen die Vorgabe der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), mit mindestens zwölf Ländern ein Abkommen über den Informationsaustausch in Steuersachen abgeschlossen zu haben. Entsprechend ist Panama auch von der grauen Liste der OECD gestrichen worden. Mit der Schweiz existiert aber kein solches Abkommen. Dies, obwohl die Schweiz laut Anne Césard vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) durchaus interessiert wäre. Es hätten bereits entsprechende Gespräche stattgefunden. Konkrete Verhandlungen gebe es aber noch nicht.

Auch Deutschland strebt laut dem «Handelsblatt» ein Informationsaustausch-Abkommen an, nachdem die «Süddeutsche Zeitung» über prominente Deutsche mit Panama-Firmen berichtet hat. Es könnte also für den einen oder anderen, der über Panama Steuern hinterzieht, bald eng werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.04.2013, 07:04 Uhr

Panama-Bezug

CS-Chef Urs Rohner früher
im Steuerparadies

Im Firmenregister von Panama taucht auch der Name Urs Rohner auf. Der heutige Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse war fast die ganzen 90er-Jahre Partner bei Lenz & Stähelin, der grössten Schweizer Anwaltskanzlei, die diese Woche Schlagzeilen machte. Drei Namen prominenter Klienten wurden publik, für welche die Zürcher Wirtschaftsjuristen Offshore-Konstrukte betrieben: für Kunstsammlerin Carmen Thyssen-Bornemisza, für Playboy Gunter Sachs und für Baron und Bankier Elie von Rothschild.

Partner von Lenz & Stähelin, darunter Rohner, betrieben Trusts und andere Konstrukte in Steuerparadiesen. Zum Teil nahmen sie persönlich Einsitz in den Gesellschaften, so in Panama. Bei einem oder zwei der vier Geschäftsleute mit dem Namen Urs Rohner im Firmenregister des mittelamerikanischen Staats handelt es sich höchstwahrscheinlich um Namensvetter des CS-Präsidenten. Nicht so bei der inzwischen aufgelösten Areal Investment Inc.: Dort war Rohner Sekretär und Peter Hafter Präsident. Hafter war lange Jahre der Anwalt Gunter Sachs’ gewesen. Er gilt als juristischer Mentor Rohners. Die beiden vertraten in den 90er-Jahren die Bank Rothschild in einer Schwarzgeld-Affäre.

Die Credit Suisse betont, Rohner sei «als Prozessanwalt und Anwalt für Gesellschaftsrecht und nicht als Anwalt für Steuerangelegenheiten» tätig gewesen. «In dieser Funktion», so sagt ein CS-Sprecher, «hat er aufgrund anwaltlicher Verpflichtungen Mandate für Klienten wahrgenommen, die er vor Gericht oder sonst anwaltlich vertrat. Keines seiner Mandate hatte daher einen steuerlichen Hintergrund.» Am Ende seiner anwaltlichen Tätigkeit, Ende 1999, habe Rohner sämtliche Mandate niedergelegt. Lenz & Stähelin bestätigte dies. (tok)

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