Die Preisfrage und das Rennen um Klicks

Erstmals liegen Zahlen für die beiden Newcomer im Schweizer Onlinejournalismus vor. Wer wird sich durchsetzen: Watson oder Blickamabend.ch?

Teuer erkämpfte Reichweite: Blick in die Redaktion von Watson Online.

Teuer erkämpfte Reichweite: Blick in die Redaktion von Watson Online. Bild: Keystone

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Seit Anfang Jahr liefern sich die beiden Newcomer im Schweizer Onlinejournalismus ein Rennen um Klicks und Reichweite. Doch erst jetzt liegen für Watson.ch und Blickamabend.ch beglaubigte Zahlen vor, lässt sich eine erste Zwischenbilanz ziehen – und die ist in mehrfacher Hinsicht interessant.

Auf Watson.ch (NZZ: «News für Frauen mit Tattoos») griffen im Juli 704'000 Geräte (Unique Clients) zu (Quelle: NET-Metrix-Audit). Ein schönes Resultat für die Site aus dem Verlagshaus Wanner, die im Januar online ging. Erfolgreicher aber: der im Dezember von Ringier lancierte Blickamabend.ch (Eigenwerbung: «News, die wirklich unterhalten»). Die helvetische Kopie der US-Plattform Buzzfeed (die mit den zahllosen Listen) verbuchte im Juli 816'000 Unique Clients. Auch wenn die Nutzungsintensität der beiden Boulevard-Angebote weit hinter den etablierten Titeln liegen: Sie haben ein Publikum gefunden.

Digitaler Optimismus

Nur: Bei Watson.ch ist der Erfolg teuer erkauft. Das Team (inklusive IT und Verlag) umfasst 55 Stellen – darunter arrivierte Journalisten mit Topsalären. Wie viel Werbeeinnahmen die Site erwirtschaftet, ist nicht öffentlich. Insider schätzen, dass Wanner mit Watson monatlich 800'000  Franken verliert. Trotzdem scheint der Optimismus ungebrochen, Watson sucht neu einen Redaktor für Basel und verstärkt das Verkaufsteam.

Einen Schnäppchenpreis zahlt dagegen Ringier für die Reichweite, die Blickamabend.ch erzielt. Nur 5  zusätzliche Stellen sind dafür nötig. Klar, Blick­amabend.ch profitiert von Artikeln der Printausgabe, den Ressourcen des Newsrooms und der Präsenz auf der «Blick»-Website. Doch dass die Markenerweiterung mit einem Zehntel des Aufwands von Watson eine grössere Reichweite hat, ist bemerkenswert.

Die Watson-Macher betonen gern, wie wichtig es sei, unabhängig von einem Printtitel ein reines Digitalprodukt zu kreieren. Nur so könne man dem Medium Internet gerecht werden. Ironischerweise zeigt sich nun, dass eine der wenigen traditionellen journalistischen Vorstellungen, an der sie unbedingt festhalten wollen, dem Projekt zum Verhängnis werden kann: die Annahme, grosse publizistische Ressourcen seien die Voraussetzung für eine grosse Reichweite.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 29.08.2014, 07:36 Uhr)

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Reichweite zum Schnäppchenpreis: Das Team von blickamabend.ch.

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