Die Premierefrau

Der Bundesrat will Monika Ribar zur ersten Präsidentin der Schweizerischen Bundesbahnen machen. Die Vorzeigemanagerin mit Branchenerfahrung glänzte nicht immer.

Monika Ribar soll den SBB künftig den Weg weisen. Foto: Esther Michel

Monika Ribar soll den SBB künftig den Weg weisen. Foto: Esther Michel

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Wagt er es oder wagt er es nicht? Lange hat sich die Öffentlichkeit gefragt, ob der Bundesrat eine Person ins SBB-Präsidium hieven will, die Risiken birgt. Jetzt ist klar: Er wagt es. Monika Ribar (57) soll im Frühsommer zur Verwaltungsratspräsidentin gewählt werden und Ulrich Gygi ablösen.

Ein Wagnis ist es deshalb, weil gegen die aktuelle SBB-Vizepräsidentin eine Verantwortlichkeitsklage läuft. Letzten Oktober wurde sie als Sika-Verwaltungsrätin von der Besitzerfamilie eingeklagt, mit zwei weiteren Mitgliedern, auf mindestens 5,7 Millionen Franken. Dies, weil sie sich gegen den Verkauf der Bauchemiefirma nach Frankreich stemmt.

Die Klage war bei den SBB in den obersten Reihen schon ein Thema, bevor sie überhaupt eingereicht war, wie Personen aus dem SBB-Umfeld sagen. Das sei ein Risiko, hiess es schon letzten Sommer. Dass der Bundesrat die Personalie nun durchwinkt, deuten diese Insider so, dass man sich in Bern sicher sei, dass die Verwaltungsrätin als Gewinnerin aus dem Rechtsstreit gehe. Denn es sei ja wohl klar, dass eine verurteilte Verwaltungsrätin als SBB-Präsidentin nicht tragbar sei, so die Branchenkenner weiter. Das Departement von Bundes­rätin Doris Leuthard, das die Wahl der Vorzeigemanagerin vorbereitet hat, sagt dazu: «Das Uvek hat sich über die Verantwortlichkeitsklage im Zusammenhang mit dem Sika-Mandat informiert. Wir sind zum Schluss gekommen, dass diese einer Kandidatur von Frau Ribar als neue Verwaltungsratspräsidentin der SBB nicht entgegensteht.»

Durchzogene Erfolgsbilanz

Ribar wäre die erste Frau an der obersten Spitze der Bundesbahnen. Die Multi-Verwaltungsrätin, die unter anderem auch im Gremium von Lufthansa sitzt, kennt diese Rolle bestens. Schon in der Welt börsennotierter Unternehmen war Ribar eine Premiere.

2006 übernahm die Betriebsökonomin den Chefposten beim Logistikkonzern Panalpina, wo sie 15 Jahre vorher als Controllerin und Projektleiterin begonnen hatte. Die langjährige und steile Karriere in nur einem Unternehmen, dazu noch in einer männerdominierten Branche, ist bemerkenswert und hat der Ostschweizerin Titel wie Musterchefin und Vorzeigemanagerin eingebracht.

Ihr Weg war allerdings steinig und ihre Erfolgsbilanz durchzogen. Kaum war sie in der Chefposition, brach beim Logistiker die Schmiergeldaffäre in Nigeria aus. Panalpina hatte Zollbeamte bestochen. Die Folge waren Bussen in Millionenhöhe, abspringende Kunden und amerikanische Aufpasser, die kontrollierten, ob der Konzern ein angemessenes Programm einsetzt, damit sich die Mitarbeiter gesetzeskonform verhalten.

Wie Ribar diese Krise managte, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Panalpina betonte stets, die US-Justiz habe die Umsetzung der Programme positiv gewürdigt. In der Öffentlichkeit war die Rede von Panalpinas beispielhaftem Compliance-Programm. Trotzdem wurde der Konzern einige Jahre später, im Frühling 2012, temporär auf eine schwarze Liste gesetzt, die Firmen von öffentlichen Aufträgen in den USA ausschliesst. Dass dies trotz aller Compliance-Erfahrung und der Kooperation mit den USA passierte, war für Compliance-Experten ein Zeichen, dass die Konzernführung falsch reagierte, wie die «Handelszeitung» damals schrieb. Panalpina verneinte dies.

Branchenkennerin

Auch das operative Geschäft lief nicht wie gewünscht. Ribars Leistungsausweis wurde von Analysten als eher bescheiden bewertet. So hat das Unternehmen unter ihrer Ägide im wichtigsten Bereich, der Luftfracht, Marktanteile verloren. Der Konzern rutschte 2012 in die roten Zahlen. Mit ein Grund war sicher auch die düstere Wirtschaftslage und der hohe Konkurrenzdruck. Für die ­Investoren war die Managerin kein Glücksfall. Unter ihrer Führung verlor die Aktie rund 36 Prozent. Konkurrent Kühne + Nagel legte in der gleichen Zeit um 20 Prozent zu. Noch heute hinkt Panalpina der Konkurrenz auf operativer Ebene hinterher. Die neue Führung ist mit dem Konzernumbau in Verzug.

Frau Ribar muss sich darum nicht mehr kümmern. Als SBB-Präsidentin wird sie andere Aufgaben zu meistern haben – und politisches Gespür zeigen müssen. Die nötige Führungserfahrung, das Durchsetzungsvermögen und Know-how hat sie. Sie kennt die Transportbranche in- und auswendig.

Kümmern muss sich Ribar vorerst noch um die Verantwortlichkeitsklage. Bis zum 8. Februar müssen sie und ihre VR-Kollegen dazu Stellung nehmen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 27.01.2016, 22:49 Uhr)

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