Wirtschaft
Die Rückkehr eines umstrittenen Sohns spaltet Vals
Von Jürg Ackermann. Aktualisiert am 28.09.2011 22 Kommentare
Umstritten: Der Valser Remo Stoffel.
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Remo Stoffel ist eine schillernde Figur. Nicht erst seit dem Sommer 2009, als er sich Hals über Kopf in die Snowboarderin Manuela Pesko verliebte. Der 35-jährige Unternehmer stand zuletzt auch anderweitig im Rampenlicht: Er kaufte sich bei den Bergbahnen Lenzerheide ein, erwarb Werke von Alberto Giacometti und ersteigerte für Hunderttausende Franken seltene Autonummern. Daneben hat er etwa in Pontresina und auf der Lenzerheide millionenschwere Immobilienprojekte am Laufen.
Stoffel steht auch jetzt wieder im Fokus. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der aus einfachen Verhältnissen stammende, ehemalige Banklehrling mit über 50 Millionen Franken die Therme Vals und den Hotelbetrieb von der Gemeinde übernehmen und modernisieren will. Es wäre eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln (Stoffel wuchs in Vals auf, seine Eltern wohnen noch heute dort) und eine fast glückliche Fügung: In Vals sucht man seit über zehn Jahren einen Investor. Denn ohne Neubau und Sanierung ist der Hotelbetrieb im hart umkämpften Tourismusmarkt mittelfristig kaum konkurrenzfähig.
Gerichtsverfahren am Hals
Dies sieht auch Paul Kopp so. Dennoch treiben den 82-jährigen ehemaligen Präsidenten des Obergerichts Luzern Zweifel um. Der Besitzer eines Appartments in einem der zur Therme gehörenden Häuser setzt in einem Brief an die Bündner Kantonalbank, die als Hauptgeldgeberin Stoffels Investitionen in Vals mitfinanzieren will, Fragezeichen. Er sei sehr besorgt über die geplante Übernahme, schreibt Kopp im Brief, der dem TA vorliegt. Man sei mit der Tätigkeit Stoffels als Verwalter der Stockwerkeigentümer der Therme nicht zufrieden gewesen. Darum habe man ihn 2006 gegen eine Person ausgewechselt, «deren Seriosität und Zuverlässigkeit ausgewiesen war».
Kopp ist nicht allein: Andere verweisen auf die Strafverfahren, die gegen den möglichen Investor laufen. Stoffel ist in den vergangenen Jahren verschiedentlich in die Mühlen der Justiz geraten. Gemäss «Bilanz» läuft eine Untersuchung der eidgenössischen Steuerverwaltung wegen Verdachts auf Hinterziehung grosser Steuerbeträge in einer seiner Firmen. In Graubünden hat Stoffel zudem Verfahren wegen Vermögens- und Konkursdelikten am Hals. Stoffel, dessen fast schon märchenhafter Aufstieg sich mit dem Kauf der Immobiliengesellschaft Avireal im Zuge der Liquidation der Swissair 2005 beschleunigte, wies die Vorwürfe stets als haltlos zurück. Auch am geschäftlichen Erfolg änderten sie anscheinend nichts: Experten schätzen den Wert des Firmenimperiums auf eine halbe Milliarde Franken.
«Nur Vermutungen, keine Verurteilungen»
Dennoch: Die Vorwürfe beschäftigen auch den Valser Gemeinderat. «Wir treffen Abklärungen», sagt Gemeindepräsidentin Margrit Walker. Es sei klar, dass ein Entscheid von solcher Tragweite gegenüber den Bürgern begründet werden müsse. Walker weiss um die Wichtigkeit der von Peter Zumthor gebauten Therme und des dazugehörenden Hotelbetriebs: «Ohne Therme wäre Vals nur ein normales Bündner Bergdorf.»
Möglicherweise wird bereits im Oktober über das Kaufangebot abgestimmt. Vals ist offenbar gespalten, wie Insider berichten. Weil die Gemeinde die notwendige Sanierung des Hotelbetriebs nicht selber schultern kann, sind viele froh, endlich einen privaten und erst noch einheimischen Investor gefunden zu haben. Andere fragen sich jedoch, woher Stoffel das viele Geld hat, und mutmassen, ihm gehe es auch darum, den Valsern zu zeigen, dass er es zu etwas gebracht habe.
Daran glaubt Stephan Schmid nicht. «Für uns ist es wichtig, dass jemand investiert, der mit dem Ort verbunden ist», sagt der Präsident der Hotel und Thermalbad Vals AG, der den Deal aufgegleist hat. Zweifel am Ruf des möglichen Investors hat Schmid keine. «Es sind nur Vermutungen und keine Verurteilungen. Herr Stoffel investiert nicht aus reinen Renditeüberlegungen. Er will ein Zeichen setzen. Die Gemeinde wäre nicht in der Lage, das zu finanzieren.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.09.2011, 11:49 Uhr
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22 Kommentare
Verdachts auf Hinterziehung grosser Steuerbeträge und Verfahren wegen Vermögens- und Konkursdelikten. Ein Gauner, und man weiss es und schaut weg!! Aber wehe ein Jugendlicher oder gar Ausländer begeht ein kleines Delikt, dann aber !!! Verlogene Doppelmoral. Wenn Gemeinden wie Vals nur mit solchen "Investoren" überleben kann, dann aber christliche gute Nacht. Antworten
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