Wirtschaft
Die SBB suchen den Superstar
Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 27.01.2012 19 Kommentare
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Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie sitzen in einem überfüllten Zug der SBB, die Toiletten funktionieren nicht und der Zug hat wieder einmal Verspätung. Sie verpassen den Anschluss, aber sie reagieren gelassen, weil überall aus den Lautsprechern der Hit «Love Train» aus den 70ern zu hören ist. Gesungen wird der Refrain «Join hands, start a love train» nicht von der Kultband The O'Jays, sondern vom Zugpersonal.
Utopie? Nicht ganz. Wie in einem Beitrag aus der Mitarbeiterzeitung der SBB zu erfahren ist, sucht der Konzern Gesangtalente für die Aufnahme eines Songs. Die SBB will in diesem Frühjahr musikalisch in die Imageoffensive gehen. Zum Einsatz kommen nicht allein nette Plakate und lustige Werbespots. Mit dem Song wollen die SBB-Verantwortlichen die Herzen ihrer Kunden erobern.
Imagepolitur mit Roman Camenzind
Für diesen anspruchsvollen Job setzen die SBB-Manager auf einen der besten Musikproduzenten der Schweiz: Roman Camenzind. Dieser hat schon für bekannte Musiker wie Adrian Stern, Baschi, Bligg und Francine Jordi Songs geschrieben und produziert. Wie Camenzind im SBB-Magazin sagt, soll das neue Lied bei den Zuhörern ein «vertrautes und wohliges Gefühl» auslösen.
Derzeit läuft das Casting. Gesucht wird so quasi der Superstar unter den rund 28'000 Bähnlern. Wer Englisch spreche, Freude am Singen und ein gutes Rhythmusgefühl habe, könne sich jetzt bewerben. Gesucht würden bis 7. Februar nicht professionelle Stimmen, sondern jene, die am besten zum Song passen.
Wann die Kampagne lanciert wird, wollte die Pressestelle auf Anfrage nicht sagen. Auch wollte der kurz angebundene Medienverantwortliche keine Einzelheiten über die Werbestrategie sagen. Auf die Frage, ob die SBB mit Camenzinds Song die Hitparaden stürmen wollen, hiess es lapidar: «Lassen Sie sich überraschen.»
Radiohit geplant?
Gut möglich, dass die SBB einen Charterfolg planen, um die Imagewerte aufzupolieren. Immerhin setzen die Bundesbahnen mit Camenzind auf einen erfahrenen Musikproduzenten, der alle Tricks kennt, um einen Charterfolg zu landen. Zudem vertraut der Bahnkonzern auf die Geschicke der Zürcher Werbeagentur Rod, die in der Vergangenheit schon mehrfach für Werbekampagnen Radiohits kreierte. Und last but not least hat die jetzige SBB-Führung Erfahrung damit, wie man mit Musik die Herzen der Konsumenten erobern kann. So hat der amtierende Kommunikationschef Stefan Nünlist vor vier Jahren bei der Swisscom einen schweizweiten Gesangwettbewerb lanciert. Damals forderte der Telekomkonzern die Bevölkerung dazu auf, im Internet den Klassiker «Love is in the air» zu trällern. Mit nachweisbarem Erfolg: Die Imagewerte der Swisscom stiegen.
Ist zu hoffen, dass die geplante musikalische Charmeoffensive für die SBB-Verantwortlichen die gewünschte Wirkung erzielt. 2012 wird für die SBB kein einfaches Jahr. Obwohl die SBB 2011 Gewinne schrieben und sich der Personenverkehr erfreulich entwickelt, gibt der rigorose Sparkurs von SBB-Chef Andreas Meyer zu reden. Zudem klagt das Bahnpersonal über unhaltbare Arbeitsbelastungen, Bahnkunden reklamieren über schlechte Dienstleistungen und Tariferhöhungen. Zudem stehen die SBB in Sachen Verspätungen und wegen überfüllter Züge regelmässig in den Schlagzeilen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.01.2012, 12:01 Uhr
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19 Kommentare
An all die Kommentare welche die Bundesbahnen in den Dreck ziehen: Kommt nach England und ihr werdet Eure blauen Wunder erleben mit Verspaetungen, Annulationen von ganzen Zuegen, Sauberkeit etc. und dazu duerft ihr noch doppelt so hohe Fahrpreise wie bei den SBB bezahlen! Jammern auf viel zu hohem Niveau scheint des Schweizers Lieblingsbeschaeftigung zu sein. Antworten
Meine Rede!
Als Studentin muss ich öV abos immer hoch budgetieren, aber im Vergleich wie z.B. England zahlt man den Preis gerne!
Mänätscher/innen aus der Teppichetage stellen die SBB endlich aufs richtige Gleis.
Bahnbenutzer wollen keine Sitzplätze, keine WC's, kein zufriedenes, motiviertes Personal, keine Bahnschalter, keine sauberen Züge. Als Gegenleitsung für steigende Tarife wollen wir den SBB-Hit. Die Idee ist "bahnbrechend". GD Meier wird zum Schweizer des Jahres mit Nomination für den Wirtschafts-Nobelpreis.
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Generell hat sich die SBB wie auch der schiengebundene Verkehr überlebt. Auch aus Umweltgesichtspunkten muss man AKW-betriebene Elektroloks und die Elektrosmog-Belastung sehr, sehr kritisch sehen. Die Zukunft gehört flexiblen, spurtstarken Verkehrsmitteln, wie z.B. benzinsparenden Autos. Insofern hinken wir in der Schweiz der weltweiten Entwicklung hinterher. SBB abschaffen, Geld an Bürger geben! Antworten
Hmmm, der Sie meinen den gleichen Chef, wo Weichen ausbauen liess, Stationen zu machte und WC Anlagen abschaffte? Vergleichen Sie bitte nicht Rindsfilet mit Maroni. Die SBB ist ein ganzes System, während die Westbahn eine einzige Linie betreibt...
die UNFLEXIBLE SBB >> wenn ich morgen von zürich nach sierentz (im elsas, mit umsteigen in basel) fahren will, kann ich nicht schon heute ein billett kaufen, ausser ich weiss genau auf welchen zug es reichen wird. und wenn ich dann 10 min. vor abfahrt in der schlange vor dem schalter stehe verpasse ich meistns den zug (automatenbezug ausgeschlossen) obs ! normaler personenzug, kein TVG Antworten
Die Herzen der Kunden erobern. Guter Vorsatz. Wie wäre es diesen so umzusetzen dass die Toiletten wieder sauber sind, die Züge pünktlich fahren und das Personal etwas Menschlichkeit zeigt wenn mal wieder das im Internet gelöste Ticket nicht funktioniert? Mit fröhlicher Werbung lösen sich diese Probleme nämlich nicht und die Kunden lassen sich mit Werbung nicht erobern, aber mit Taten! Antworten
Das die SBB bei Kontrollen selten kulant ist liegt wohl weniger an unhäflichem Personal sondern viel mehr an jenen Menschen, welche die Gutgläubigkeit ihrer Umwelt schamlos ausnutzen. Seien sie lieber wütend auf Schwarzfahrer als auf Bahnpersonal, welches sich zunehmend beleidigen und körperlich angreiffen lassen muss.
Personen, welche in der Schweiz über Unpünktlichkeit im ÖV jammern, kann man wohl wirklich nicht mehr helfen...
Natürlich, für einen von den SBB eingekauften Musikstar oder einen Professor an der Hochschule Sankt Gallen, der eigens für höhere Billetpreise lobbyiert, reicht das Geld allemal. Die Passagiere greifen ja liebend gern ins Portemonnaie, um diese Hobbys von Hr. Meyer zu finanzieren. Antworten
ja, ich bin mit der SBB nicht mehr zufrieden. der service nimmt immer ab, aber die arroganz und inkompetenz zu. kürzlich würde ich unhöflich angegangen.... also wenn die mir als kunde sagen, es würde so aus dem wald tönen, wie man hereinrufe... dann sehe ich die SBB. die haben im mangement das segel echt falsch gesetzt! da ändert der song nichts, ist ja peinlich! das dürfen wir als kunde bezahlen! Antworten
und dazu würde dann auch ein party-song mit titel "keine feier ohne meyer" passen! -;)

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