Wirtschaft

Die SNB ist ein «eigenkapitalloses Ungetüm»

Aktualisiert am 10.06.2012 245 Kommentare

Der Gewerbeverband fällt der Schweizerischen Nationalbank in den Rücken. Laut einem Bericht fordert SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler die Aufhebung der Euro-Untergrenze – und greift die SNB frontal an.

Die Nationalbank bedroht seiner Ansicht nach die Schweizer Wirtschaft: SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler.

Die Nationalbank bedroht seiner Ansicht nach die Schweizer Wirtschaft: SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler.
Bild: Keystone

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Der Gewerbeverband (SGV) fährt offenbar schweres Geschütz gegen die Nationalbank auf: Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» fordert SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler eine Exit-Strategie aus der Euro-Anbindung. Dies geht aus einem 10-Punkte-Papier, das der «SonntagsZeitung» vorliegt, hervor.

Die «aufgeblähte Bilanz» der SNB (SNBN 1100 1.85%) sei «mit einer Blase zu vergleichen, deshalb stellt die Notenbank heute die grösste Bürde für die Öffentlichkeit dar», so Bigler. Die Nationalbank sei zu einem «eigenkapitallosen Ungetüm» geworden und bedrohe die Schweizer Wirtschaft. «Wir gehen beträchtliche Inflations- und Rezessionsrisiken ein.» Zudem wirft er der SNB Kompetenzüberschreitungen vor, etwa mit dem Eingriff in die Bankenregulierung.

Widerstand in eigenen Reihen

Mit seinen Thesen stösst der SGV-Präsident auf Widerstand – selbst in den eigenen Reihen. «Für den Tourismus wäre es verheerend, wenn man die Untergrenze aufgeben würde», sagt Guglielmo Brentel, SGV-Vorstand und Präsident von Hotelleriesuisse.

Für Siemens-Schweiz-Chef Siegfried Gerlach ist «das Gerede von der Aufhebung des Mindestkurses dummes Zeug». Für die Exportwirtschaft sei die Untergrenze von 1.20 Franken überlebenswichtig. Der Industrielle Willy Michel warnt vor massiven Produktionsverlagerungen, sollte der Mindestkurs fallen.

Spuhler befürchtet «Blutbad» bei Aufhebung

Bahnbauer und SVP-Nationalrat Peter Spuhler sagt gegenüber der Zeitung «Der Sonntag»: «Würde der Mindestkurs jetzt aufgehoben, gäbe es ein Blutbad. Der Euro würde von 1.20 auf 1 Franken oder gar auf 90 Rappen stürzen», vermutet er. «Das würde bedeuten: Die Exportwirtschaft und der Tourismus wären tot.» Mittelfristig, ergänzt Unternehmer Peter Spuhler, sehe die Sache anders aus. «Die Teuerung ist in der Eurozone höher als in der Schweiz.» Der Wechselkurs hänge von den Kaufkraftparitäten ab: «Es wäre möglich, dass sich der Euro-Kurs in vier bis fünf Jahren bei 1 Franken einpendelt.»

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel, der im letzten «Sonntag» die Debatte zum Mindestkurs ausgelöst hatte, bekommt derweil Sukkurs vor allem aus der Bankbranche. Auch Thomas Borer, der ehemalige Botschafter, heute international vernetzter Berater, sagt: «Mit Stützungsaktionen kann man eine Währung über ein paar Monate oder vielleicht ein Jahr lang stabil halten, aber – wenn die Marktkräfte anders wollen – nicht länger», sagt er. Bundesrätin Doris Leuthard verteidigt die Euro-Untergrenze. Auf die Frage des «Sonntags», ob die SNB nicht eine Exit-Strategie für einen Ausstieg aus der Kursbindung haben müsse, sagt die Bundesrätin: «Vielleicht hat ja die Nationalbank eine Exit-Strategie, aber dazu sollte man besser schweigen.»

(wid/mrs)

Erstellt: 09.06.2012, 23:33 Uhr

245

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245 Kommentare

peter wiesendanger

10.06.2012, 07:30 Uhr
Melden 272 Empfehlung 0

auch wieder so ein neoliberaler dem es nicht pass,dass die snb bei der bankenregulierung einfluss nimmt. die banken und das kapital sind noch viel zu wenig reguliert punkt. Antworten


Lisa Von Moss

10.06.2012, 07:26 Uhr
Melden 156 Empfehlung 1

Wäre es nicht besser das Geld womit die SNB Euros aufkauft direkt in unsere Witschaft zu pumpen um diese zu unterstützen? Beim Tourismus könnte es ja eine Art Subvention sein. Wäre doch immer noch besser wie Euros zu kaufen die dann irgendwann gar nichts mehr wert sind. Oder glaubt noch irgendjemand daran, dass der Euro wirklich gerettet werden kann? Tzz.. Antworten



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