Wirtschaft
Die Schweinegrippe beschert den Pharmakonzernen Milliardengewinne
Von Marc Badertscher. Aktualisiert am 01.10.2009 7 Kommentare
Das Versuchskaninchen spielte China. Dort haben die Ärzte bereits die ersten 44'000 Menschen gegen die Schweinegrippe geimpft. Die Nebenwirkungen waren gering, und so hat vorgestern auch die EU-Kommission für Europa grünes Licht gegeben. Sie hat zwei Impfstoffe von Novartis und GlaxoSmithKline zugelassen. Die Schweizer Aufsicht Swissmedic rechnet damit, Ende Oktober nachziehen zu können. In der Schweiz warten 13 Millionen Impfdosen auf ihre Verwendung. Der gross angelegten Impfaktion dürfte damit eigentlich nichts mehr im Wege stehen.
Erleichtert werden die Finanzchefs der Pharmakonzerne sein. Die Investitionen in den Ausbau der Forschung und der Produktionskapazitäten waren beträchtlich, doch jetzt zahlen sie sich aus: Weltweit sind von den Regierungen laut Analystenschätzungen 840 Millionen Dosen Impfstoff bestellt worden. «Im Durchschnitt verlangen die Pharmakonzerne 10 Dollar pro Dosis», sagt Odile Rundquist vom Finanzhaus Helvea. Damit beträgt der Umsatz rund 8,4 Milliarden Dollar.
Hohe Margen
Ebenfalls in die Milliarden geht der Gewinn. Die Marge für die Hersteller Sanofi-Novartis, GlaxoSmithKline, Baxter, Wyeth, Astra-Zeneca und andere ist hoch – deutlich höher als im übrigen bereits hochmargigen Pillengeschäft. Er beträgt rund 50 Prozent. «Im Unterschied zum übrigen Medikamentengeschäft fallen bei der Schweinegrippe-Impfung kaum Marketingkosten an», sagt ein Branchenkenner. Die Staaten rissen sich um die Impfstoffe, weil sie bisher nicht in genügender Menge hätten produziert werden können. Diesmal sässen die Pharmafirmen am langen Hebel, und trotz aller Investitionen in neue Anlagen seien die Produktionskosten nicht gigantisch. Nach Abzug von Steuern verbleiben so immer noch rund 3 Milliarden Dollar bei den Konzernen als Reingewinn.
Zu den grossen Gewinnern gehört auch Novartis. Die Basler sind laut eigenen Angaben zuversichtlich, bis Ende Jahr 100 Millionen Dosen zu einem Durchschnittspreis von 10 bis 15 Dollar ausliefern zu können. Analysten von Helvea und der UBS rechnen inklusive des nächsten Jahres gar mit Bestellungen von rund 200 Millionen Dosen. Nach Abzug der Steuern dürften Novartis je nach Analystenschätzung zwischen 660 und 675 Millionen Dollar Reingewinn verbleiben.
Feilschen ohne Krankenkassen
Einen Teil des Gewinns bezahlen die Schweizer und Schweizerinnen über Steuern, denn auch die Schweiz hat sich bei Novartis eingedeckt. Insgesamt bestellte der Bundesrat bei Novartis und GlaxoSmithKline 13 Millionen Dosen für 84 Millionen Franken.
Der Durchschnittspreis liegt damit bei gut 6 Franken. Aber massiv billiger eingekauft als die übrige Welt hat die Schweiz trotzdem nicht: Bei der Glaxo-Impfung ist neben dem eigentlichen Impfstoff ein die Wirkung verstärkender Zusatzstoff nötig. Dieses Adjuvans, teurer als der Impfstoff selbst, hat der Bund noch vorrätig, weil er vor drei Jahren bei GlaxoSmithKline 8 Millionen Impfdosen gegen die Vogelgrippe gekauft hat. Es kann nun verwendet werden und senkt die Anschaffungskosten.
Harte Preisverhandlungen
Aus dem Bundesamt für Gesundheit hört man, dass die Preisverhandlungen mit den Konzernen wirklich hart gewesen seien. Das habe auch daran gelegen, dass die Pharmakonzerne Druck für einen hohen Impfstoffpreis gemacht hätten, was in dieser Situation natürlich legitim sei.
Die Krankenkassen waren in die Preisgestaltung nicht involviert, da der Kauf des Impfstoffs entgegen ersten Plänen nicht über die Kassen, sondern über den Bund gelaufen ist. «Der Bund verhandelt generell zu wenig hart», lautet das Fazit von Felix Schneuwly vom Kassenverband Santésuisse. Der Fall Schweinegrippe sei allerdings nicht zentral, weil die Kosten nur einmal anfielen und nur einem halben Prämienprozent entsprächen.
No-win Situation für Novartis
Novartis macht geltend, der Konzern sei im Mai und im Juni ein unternehmerisches Risiko eingegangen, als man ohne Bestellungs- und Zulassungssicherheit in die Impfstoffentwicklung investiert hatte. Es sei imagemässig eine eigentliche No-win-Situation gewesen: Hätte Novartis nichts gemacht, wäre dem Konzern mangelnder Einsatz vorgeworfen worden. Und nun könnte Kritik am möglichen Gewinn laut werden.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.10.2009, 04:00 Uhr
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7 Kommentare
Der Novartis-Papst hat gut lachen. Die Rechnung der Pharmariesen geht auf. Mit Angst und Panikmache lassen sich todsichere Geschäfte machen. Nicht nur die Bosse freuen sich sondern alle Aktionäre haben etwas davon. Der Impfstoff ist verkauft an die Gesundheitsbehörden. Egal ob sich die Menschen impfen lassen, das Lager- also Finanzrisiko bleibt am Staat hängen. Antworten
Die Gesundheitsfreaks sind der Pharmaindustrie wieder reihenweise auf den Leim gekrochen. Unser oberster Taliban wird seinen kommenden Abgang wohl noch in der Industrie vergolden nach diesem Millionengeschenk. Nach Rinder-, Vogel- und Schweine-Grippen-Wahn dürfte wohl bald noch die Fischgrippe folgen. Es bleibt abzuwarten, was sich die Talibans mit ihren zu grossen Budgets noch einfallen lassen! Antworten
Den Verdacht, dass hier etwas gemischelt wurde hatte ich schon lange und dies ebenfalls geäussert. Wurde jedoch nur ausgelacht. Schlitzohren bleiben Schlitzohren. Mag gar nicht daran denke, wie nächstes Jahr die Boni gewisser Herren wieder ausfallen werden. Ich kann dazu nur eines sagen; unerlaubte Bereicherung auf dem Buckel des Weltvolkes. Antworten
Der Verdacht ist naheliegend. Die Pharmakonzerne haben das Virus selber ausgebracht. Jetzt zocken sie Milliarden von Dollars ab. Dazu kommt, dass der Impfstoff, im Eilverfahren produziert wurde und mit Lebensgefährlichen Makro zusätzen angereichert ist ! Das ergibt mehr Tote , und somit die Legitimierung, von weiteren Massenimpfungen. Wir dürfen gespannt sein, auf den nächsten Raid !! Antworten




Uschi Lehmann
Gewinne hin.... Verluste her!! Es gibt kein wirkliches unternehmerisches Risiko, denn die Verluste müßten wir Patienten mittels Preiserhöhungen anderer Pharma-Produkte ausgleichen, und die Gewinne.... na ja, versteht sich von selbst, dass da über die Gebühr zugelangt wird. Dafür ist die Pharma-Industrie nur allzu gut bekannt.... Antworten