Wirtschaft

Die Schweiz als einzige Chance für den Gripen?

Aktualisiert am 15.02.2012 37 Kommentare

Der Auftrag über 22 Kampfflugzeuge ist für den Rüstungskonzern Saab nicht nur finanziell wichtig – sondern existenziell für den Fortbestand des Programms, wie «Tages-Anzeiger»-Korrespondent Bruno Kaufmann sagt.

1/8 Vorläufer des neuen Kampfjets der Schweizer Armee: Ein Gripen vom Typ Saab JAS 39 C/D, hier bei einem Testflug am 29. Juli 2008 in der Schweiz.
Bild: Sigi Tischler/Keystone

   

Mit dem Gang an die Öffentlichkeit konnte Ueli Maurer nicht alle Zweifel beseitigen. Für Joachim Eder, Ständerat FDP und Mitglied der Sicherheitskommission, bleiben wichtige Punkte ungeklärt. (Video: Keystone )

«Die Schweiz gilt als der ideale, solide und qualitätsbewusste Partner»: Bruno Kaufmann. (Bild: PD)

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Die Marketingaktivitäten des Herstellers Saab für seinen Gripen sind beträchtlich. Auf der Website sind nicht nur alle Nationen aufgelistet, die zu den Abnehmern des einstrahligen Kampfflugzeugs zählen, sondern auch die Flaggen von jenen Ländern, auf deren Aufträge man hofft – mit den jeweiligen Links zu den Campaign-Sites für Brasilien, Indien und die Schweiz.

Tschechien, Thailand, Südafrika, ...

Eine Aktualisierung wäre nötig. Indien hat sich mittlerweile für den Rafale-Kampfjet entschieden, der damit zum ersten Mal aus Frankreich exportiert würde. Und auch Brasilien, so scheint es derzeit jedenfalls, wird keinen Gripen anschaffen. Kein Wunder, dass auf der Schweiz-Webseite prominent zu lesen ist, dass Verteidigungsminister Ueli Maurer gestern vor der Presse bestätigte, dass der Gripen für die Schweiz erste Wahl bleibe.

Sollte das Parlament in Bern dem Kauf je zustimmen, würde sich die Schweiz als Kunde unter Nationen wie Tschechien, Thailand, Südafrika und Ungarn befinden. Sogar Grossbritannien wird auf der Gripen-Website als Kunde genannt. «Das waren aber nur zwei, drei Maschinen», sagt «Tages-Anzeiger»-Korrespondent Bruno Kaufmann, der die Geschicke des Gripen seit mehreren Jahren verfolgt und analysiert, «und der jüngste Auftrag aus Ungarn war eine Verlängerung des Leasingvertrags. Ein halbes Geschäft nur, wenn man so will.»

Kein Update ohne Partner aus dem Ausland

So ist die Schweiz derzeit der einzig bekannte, ernsthafte Interessent für den Kauf neuer Gripen-Jets – und damit auch die Hoffnung für eine Weiterentwicklung hin zum Gripen der nächsten Generation (NG), der dank eines neuen Triebwerks und anderen Veränderungen leistungsfähiger und kampfstärker werden soll als seine Vorgänger. «Das schwedische Parlament hat schon längst gesagt, dass es ohne ausländische Partner keine Weiterentwicklung geben wird», sagt Kaufmann.

Anders als Kunden wie Thailand, Tschechien oder Südafrika ist die Eidgenossenschaft offenbar der Wunschkandidat, mit dem die Schweden die Zukunft ihres Kampfjets sichern wollen. «Die Schweiz gilt als der ideale, solide und qualitätsbewusste Partner», so der Korrespondent. Und nach dem ersten Entscheid des Bundesrates habe Saab bereits damit begonnen, unter den Abgeordneten Lobbyarbeit für den nächsten Typenentscheid zu machen.

Verkäufe mit allerlei Methoden gefördert

Dass die Weiterentwicklung des Gripen, der unter den Kampfflugzeugen ein Nischenprodukt ist, so ernst genommen wird, hat nicht nur politische und wirtschaftliche Gründe, sondern auch einen emotionalen Aspekt. «Man ist hier stolz darauf, dass ein kleines Land so etwas überhaupt bauen kann», sagt Kaufmann und zieht als Vergleich die Saab-Automobile heran. «Diesen Hersteller hat man lange künstlich am Leben erhalten, aber er hatte seit 25 Jahren nicht ein Mal eine positive Bilanz geliefert.»

Um das Projekt Gripen weiterzuentwickeln, war sich die schwedische Regierung nicht zu schade, gegenüber eingeladenen Journalisten anzudeuten, dass das Land allenfalls auch als Vertragspartner einspringen könne. «Also eine Art Staatsgarantie», sagt Kaufmann – und verweist zudem darauf, dass auch Verkäufe in andere Länder massiv unterstützt wurden. Mit Südafrika beispielsweise wurde ein gewaltiges Rundumgeschäftsmodell vereinbart, so der Korrespondent, «und bei jedem Gripen-Verkauf gab es hinterher Korruptionsvorwürfe, die teilweise auch belegt werden konnten».

Die eigene Luftwaffe als wichtigster Abnehmer

Selbst die eigene Luftwaffe kam in den Genuss einer übertriebenen Behandlung. Anfangs wollte Schweden ganze 200 Kampfjets anschaffen, doch das war selbst dem Militär zu viel, erzählt Kaufmann weiter. Dann wurden es 140 Stück, und schliesslich einigte man sich auf 100 Exemplare. «Die schwedische Luftwaffe ist mit Kampfjets zurzeit eigentlich überversorgt», sagt Kaufmann. Und so verwundert es nicht, dass die Schweiz mit den geplanten 22 Flugzeugen sogar mehr kaufen würde als der Staat Schweden, der vorerst nur zehn NG-Gripen anschaffen will.

(raa)

Erstellt: 15.02.2012, 12:30 Uhr

37

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37 Kommentare

Patrick Merz

15.02.2012, 12:42 Uhr
Melden 51 Empfehlung 0

Schön das der Bund jetzt neben Banken und Fluggesellschaften auch noch Rüstungsfabriken rettet. Antworten


Peter Studer

15.02.2012, 12:53 Uhr
Melden 32 Empfehlung 0

Wenn man den schon ein solches Flugi beschaffen soll, sehe ich Schweden und den Grippen als die klügste Wahl. Das Töff wird seinen Anforderungen gerecht, ist am günstigsten und hat mit Schweden einen Hersteller, der die gleichen Aussenpolitischen Ziele in Europa verfolgt wie die Schweiz. Die Schweiz wird zum Glück keine Angriffskriege führen müssen, deshalb braucht es keinen anderen Jet. Antworten



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