Wirtschaft
Die Spur der Spionagegelder führt in die Schweiz
Von Oliver Meiler, Marseille. Aktualisiert am 12.01.2011 1 Kommentar
Zwei Gutschriften auf ein Konto in der Schweiz und auf eines in Liechtenstein bewegen die Gemüter bei Renault (RNO 33.685 1.40%) – eine über 500'000 Euro und eine über 130'000 Euro. Wie die Pariser Tageszeitung «Le Figaro» am Dienstag berichtete, vermutet der französische Autokonzern, dass mindestens zwei der drei hohen Kader, die vor einer Woche wegen Verdachts auf Industriespionage im Elektrosektor entlassen wurden, gegen die Preisgabe von strategischen Informationen von einem chinesischen Stromkonzern mit Schmiergeldern bedacht worden sind.
Genannt wird die China Power Grid Corporation mit Sitz in Peking. Sie soll die Eurobeträge zunächst nach Shanghai und Malta verschoben haben, bevor das Geld in der Schweiz und Liechtenstein landete. Ziel der Transaktion in mehreren Etappen sei es gewesen, die Spuren zu verwischen.
Eine «organisierte Bande»
Seit die Affäre publik wurde, ist die Aufregung in den französischen Medien und in der Politik gross. Für Renault ist der Markt der Elektrowagen zentral: Bis 2020 will Konzernchef Carlos Ghosn einen weltweiten Verkaufsanteil von 50 Prozent erreichen und investiert dafür Milliarden in die Forschung und Entwicklung von Batterien und Motoren. Wie viel davon nach aussen gedrungen ist, bleibt unklar. Renault informiert nur sehr zurückhaltend und beteuert, kein «Körnchen Technologie» an die Rivalen verloren zu haben.
Andererseits heisst es aber auch, man sei Opfer einer «organisierten internationalen Bande». Im letzten Sommer hatte ein Mitarbeiter die Direktion aufmerksam gemacht auf die angeblichen Machenschaften der Kaderleute, die allesamt in bedeutender Rolle im Elektroprogramm tätig waren. Renault engagierte, wie man heute weiss, einen privaten Sicherheitsdienst, um die Aktivitäten seiner Leute zu überwachen.
Gute Resultate dank Billigautos
Die Abteilungen der Polizei und der Geheimdienst, die für Wirtschaftsschutz und Konterspionage zuständig sind, wussten nichts davon. Sie erfuhren aus den Medien von der Affäre. Aktiv können sie erst werden, wenn die Firma Klage einreicht. Das tat sie bisher nicht. Offenbar wollte man möglichst verhindern, dass die Interna an die Öffentlichkeit geraten. Nun fragt sich, ob die Indizien, die Renaults Privatdetektive gefunden haben, in einem allfälligen Prozess auch gültig wären.
Der Skandal verdeckt die erstaunlich guten Resultate, die Renault in diesen Tagen präsentiert hat: Im letzten Jahr verkauften der französischen Autobauer vor allem dank ihrer Billigautos 14 Prozent mehr Wagen als im Jahr davor, insgesamt 2,63 Millionen, und legte selbst im rückläufigen Europamarkt um 7,4 Prozent zu. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.01.2011, 22:53 Uhr
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Bitte meine Damen und Herren: Wäre nicht hier das öffentliche Interesse gross genug und der Verdacht in dem Masse gehärtet, dass man die Bank nennen könnte, wo sich diese Konti befinden? Lass uns wahr machen, diesen Vorsatz der Transparenz. Antworten
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