Wirtschaft
«Die Swiss ist eine Cash-Cow»
Interview: Matthias Chapman. Aktualisiert am 24.09.2010
Max Ungricht ist Chefredaktor der Branchenzeitschrift «Cockpit».
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Vertrag bis Mai 2014
Die Lufthansa wird künftig von Christoph Franz geleitet. Der bisherige Lufthansa-Vize und Sanierer der Swiss wurde vom Verwaltungsrat des Unternehmens zum Nachfolger von Wolfgang Mayrhuber (63) gewählt, den er zum Jahreswechsel beerben soll. Mit der Entscheidung setzt die zuletzt mit Zukäufen stark gewachsene Lufthansa auf Kontinuität im harten Wettbewerb mit Billigfliegern und finanzstarken Herausforderern auf dem Weltmarkt.
Der Vertrag von Franz läuft bis zum 31. Mai 2014. Das sei die aktienrechtlich höchstmögliche Restlaufzeit, teilte die Lufthansa mit. Der 50-Jährige hat sich als Sanierer der Lufthansa-Tochter Swiss einen Namen gemacht. Das Unternehmen ist derzeit die profitabelste Airline im Lufthansa-Konzern, der in den vergangenen Jahren durch Zukäufe unter anderem in Grossbritannien und Österreich stark gewachsen ist.
In der Unternehmensleitung ist der frühere Bahn-Manager, der bei der Lufthansa angefangen hatte, seit Juni 2009. Er vertrat gegenüber den Mitarbeitern das ambitionierte Sparprogramm «Climb 2011», mit dem die Kosten bis zum kommenden Jahr um eine Milliarde Euro gesenkt werden sollen. Bei der Bahn war er über die nicht erfolgreiche Einführung eines Preissystems nach Lufthansa-Vorbild gestolpert.
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hat einen neuen Chef. Was heisst das für Europas grösste Airline?
Mit Christoph Franz hat die Airline einen Chef, der schon einmal einen Turnaround mit einer Luftgesellschaft überstanden hat. Nämlich denjenigen der Swiss. Solches musste der alte Chef, Wolfgang Mayrhuber, nie durchziehen. Die Lufthansa steht jetzt aber auch vor einem Turnaround.
Wo liegt das Problem?
Wie alle grossen Gesellschaften setzt die Lufthansa Fett an. Es gibt die Tendenz zu verkrusten. Franz wird Teile der Lufthansa-Familie auslagern, zusammenlegen oder verkaufen, die nicht rentabel sind, respektive um Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Er muss sich auch überlegen, ob es Sinn macht, innerhalb der gleichen Familie mit Billigfliegern die Angebote der Muttergesellschaft Lufthansa zu konkurrenzieren. Und Franz wird mit den Gewerkschaften einen Weg finden müssen. Allerdings hat Franz in Verhandlungen mit den Piloten schon bewiesen, dass er hier grosse Fähigkeiten hat.
Der Lufthansa ging es in letzter Zeit nicht gut. Hat das einen Einfluss auf die Swiss?
Bis jetzt sehe ich das nicht. Im Gegenteil, die Swiss profitiert nach wie vor vom Verbund der Lufthansa-Familie.
Wo profitiert die Swiss?
Zum Beispiel beim Flugzeugkauf. Nächstens werden bei der Swiss ja die Avro-Jumbolino durch die C-Series-Flieger von Bombardier ersetzt. Die Lufthansa trat hier als Käuferin auf und kann so einiges an Mengenrabatt herausholen. +/- 20% sind denkbar. Die Swiss profitiert aber auch beim Kerosin-Hedging – dem Absichern des Treibstoffpreises – und grundsätzlich beim Einkauf. Nicht zu vergessen die Einbindung in das Vertriebsnetz der Lufthansa-Familie.
Franz war früher Swiss-Chef. Ist das für die Schweizer Airline ein Vorteil?
Das ist bestimmt ein Vorteil für die Swiss. Er wird die Schweizer Tochter mit einem besonderen Auge beobachten. Ich habe Franz kürzlich getroffen. Dabei zeigte sich, Franz ist im Herzen noch immer ein Swiss-Mann.
Wo wird Franz die Swiss hinsteuern?
Die Swiss wird weiterhin wachsen, in Abstimmung mit dem Streckennetz des Konzerns. Ich glaube, dass die Swiss und Zürich auch vermehrt als Hub für den Lufthansakonzern werden profitieren können. Der Schweizer Carrier und sein Personal können mit Zuversicht in die Zukunft schauen.
Besteht die Gefahr, dass die Swiss längerfristig gesehen ganz in die Lufthansa integriert wird?
Aus heutiger Sicht glaube ich das nicht. Die Swiss ist ein äusserst starker Brand und die Gesellschaft beweist ja, dass sie der Muttergesellschaft Geld abliefert. Zudem muss man sagen, dass die Swiss schon jetzt fast vollständig integriert ist.
Trotzdem liessen sich vermutlich mit einer Integration noch Kosten sparen.
Das ist nur die eine Seite. Auf der anderen Seite bringt eine erfolgreiche und nicht voll integrierte Swiss einen guten Konkurrenzdruck in die Gruppe. Davon kann die Lufthansa-Familie profitieren.
Besteht die Gefahr, dass die Swiss zur Cash-Cow der Lufthansa-Gruppe wird?
Logisch ist die Swiss eine Cash-Cow. Die Gewinne gehören der Muttergesellschaft. Aber man darf sie auch nicht überbewerten. Bei normalem Geschäftsgang ist das im Vergleich zum gesamten Überschuss ein kleiner Anteil.
Die Gewinne, welche die Swiss erwirtschaftet, müssten doch auch in diese Gesellschaft wieder investiert werden. Ist das gewährleistet?
Nein, überhaupt nicht. Man kann davon ausgehen, dass in guten Jahren Geld von der Swiss an die Muttergesellschaft abfliesst. Dafür gibt es im Gegenzug in mageren Jahren Support.
Seit fünf Jahren gehört die Swiss nun zum Lufthansa-Konzern, wie fällt ihre Bilanz aus?
Das ist eine Erfolgsgeschichte. Franz konnte nach dem Konkurs der Swissair und den Anfangswirren der Swiss eine neue Gesellschaft aufbauen. Und er hat praktisch alles richtig gemacht.
Wie gross ist die Identifikation der Schweizer mit ihrer Airline noch?
Deutlich kleiner als damals bei der Swissair. Das hat aber auch damit zu tun, dass sich heute viel mehr Reisende nach dem Preis richten und deswegen auf die Konkurrenz umsteigen.
Die Swiss ist heute eine Ertragsperle. Wurden die damaligen Eigner der Gesellschaft mit dem schon fast symbolisch anmutenden Preis von gut 300 Millionen Franken über den Tisch gezogen?
Sie hatten gar keine Wahl. Man musste entweder den Preis akzeptieren, oder die Gesellschaft wäre erledigt gewesen. Klar hätte man in den Verhandlungen eine Beteiligung für allfällig spätere Erfolge einbauen müssen. Aber im Nachhinein lässt sich das leicht sagen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.09.2010, 06:54 Uhr
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