Wirtschaft
«Die UBS hat amerikanisches Recht verletzt»
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In den letzten Monaten wurden Sie wiederholt von Kritikern hart attackiert. Haben Sie nie an Rücktritt gedacht?
Nein, eigentlich nicht. Ich weiss, dass wir in allen Fällen unsere Arbeit sorgfältig und sachgerecht erledigt haben. Jeder Entscheid basiert auf klaren Grundlagen. Ich kann heute sagen – und da weiss ich auch den ganzen Verwaltungsrat geschlossen hinter mir –, dass wir in all diesen schwierigen Situationen noch einmal genau gleich entscheiden würden. Wir haben den Auftrag erfüllt und unsere Ziele erreicht. Der Massstab unserer Entscheide ist nicht die öffentliche Meinung.
Rückblickend muss man feststellen, dass die Finma die Ausmasse der Krise zu spät erkannt hat.
Es trifft zu, dass wir die Entstehung der Krise zu spät realisiert und die Dimension zu Beginn unterschätzt haben. Da ging es uns nicht besser als Spezialisten weltweit. Aber als wir die Ausmasse erkannten, reagierten wir zügig und rasch. Jedenfalls handelten wir deutlich schneller als viele ausländische Behörden in Ländern, die ebenfalls knietief – oder noch tiefer – im Sumpf standen.
Welche Korrekturen kann die Finma vornehmen, um alte Fehler nicht zu wiederholen?
Ganz abgesehen davon, dass das Erkennen von solchen Krisen enorm anspruchsvoll ist, kann man sicher einiges verbessern. Faktoren sind hier verschärfte Stresstests, das kritischere Nachfragen, aber auch eine noch engere Kooperation mit der Schweizerischen Nationalbank und auch mit den internationalen Aufsichtsbehörden. Zudem müssen wir unsere Aufsicht über die Einzelinstitute ausweiten und den Blickwinkel für makroökonomische Veränderungen öffnen.
Wie wollen Sie das erreichen?
Zum Beispiel, indem wir einen Chefökonomen anstellen, der eine volkswirtschaftliche Perspektive einbringt. Wir glauben, dass uns der Brückenschlag zwischen makro- und mikroökonomischer Betrachtungsweise noch besser gelingen muss.
Die Nationalbank verfügt über viele solcher Spezialisten. Wollen Sie diesen Konkurrenz machen?
Nein, im Gegenteil. Jean-Pierre Roth, der Präsident des Nationalbank-Direktoriums, hat jüngst gefordert, dass die Finanzmarktaufsicht die Nationalbank im Dialog stärker herausfordern solle. Diese Herausforderung nehmen wir an. Wir wollen der SNB in diesen wichtigen Fragen ein Sparringpartner sein.
Der Finma wird oft die Banken-nähe ihrer Exponenten – Sie selber sind ein ehemaliger UBS-Angestellter – zum Vorwurf gemacht. Geschieht dies zu Recht?
In einer Aufsichtsbehörde braucht es eine gewisse Mischung zwischen beruflicher Erfahrung und wissenschaftlicher Tätigkeit. Bei uns finden Sie das, sowohl auf operativer Ebene als auch im Verwaltungsrat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es möglich ist, in diesem anspruchsvollen Umfeld schwierige Entscheide zu fällen, wenn eine Behörde oder ein Gremium nicht auch auf praktische Erfahrung und das entsprechende Wissen aus dem Finanzsektor zurückgreifen kann.
Welches waren in letzter Zeit die schwierigsten Entscheidungen, die Sie zu treffen hatten?
Da gibt es sicher zwei Entscheide hervorzuheben, beide betreffen die UBS. Das war zum einen die Genehmigung der Boni für das Jahr 2008 – dieses Thema löste erwartungsgemäss eine sehr emotionale Debatte aus –, zum andern die Verfügung, dass die UBS Kundendaten ausserhalb eines Amtshilfeverfahrens an die USA ausliefern muss.
Diese Verfügung war nur nötig geworden, weil die UBS mit Steuertricks über Jahre amerikanisches Recht verletzt hatte. Hätte dies die Finma respektive die Bankenkommission nicht früher feststellen müssen?
Die UBS hat hier amerikanisches Recht – und damit auch Schweizer Aufsichtsrecht – verletzt. Wir wurden in der Tat erst darauf aufmerksam, als die US-Behörden und die UBS selber auf die damals noch relativ kleine Auseinandersetzung hinwiesen. Da nahmen wir den Ball auf und begannen eine eigene Untersuchung des Sachverhalts. Das Resultat ist bekannt.
Aus Ihrem Munde stammt die Aussage, die Schweiz befände sich im Wirtschaftskrieg. In welcher Verfassung sehen Sie den Schweizer Bankenplatz heute?
Wir haben auf Grund der allgemeinen Marktentwicklung weiterhin eine anspruchsvolle Situation. Aus der Sicht der grossen Banken, aber auch aus jener der grossen Versicherer, wirkt sich zum Beispiel aus, dass sich die grossen Hypothekenmärkte in den USA, in Grossbritannien oder Spanien noch nicht stabilisiert haben. Und solange die Stabilisierung in solch wichtigen Märkten nicht wirklich greifbar ist, ist es nicht angebracht, Entwarnung zu geben. (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.04.2009, 06:56 Uhr



