Wirtschaft
Die Wall Street hat Angst vor der Credit Suisse
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 19.06.2009 32 Kommentare
Hat die Wall Street im Visier: CS-Chef Brady Dougan. (Bild: Keystone)
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Investmentbanking in den USA, das ist nach wie vor die Königsdisziplin im internationalen Bankgeschäft. Die Herren des Universums sitzen an der Wall Street, wo sich Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley messen. Seit Jahrzehnten wollen auch die Schweizer Grossbanken in diesem Geschäft mitmischen, mit wechselndem Glück. Die UBS leckt derzeit ihre Wunden, die ihnen die Subprimekrise zugefügt hat.
Die Credit Suisse hingegen will angreifen. Sie hat ihren Milliardenflop mit dem missglückten Kauf von Donaldson, Lufkin & Jenrette im Jahr 2000 inzwischen verdaut und sieht jetzt neue Chancen. «Wir haben nun die Gelegenheit, unsere Position wirklich massiv auszubauen», erklärt CS-Chef Brady W. Dougan in der «New York Times».
Gut gewählt
Der Zeitpunkt für einen Angriff auf Wall Street ist gut gewählt. Viele der einst so stolzen und mächtigen Investmentbanken sind angeschlagen (Merrill Lynch) oder gar verschwunden (Lehman Brothers). Bereits fürchten die Amerikaner, die Banken könnten das gleiche Schicksal erleiden wie die Autoindustrie. «Könnten ausländische Banken Wall Street das gleiche Schicksal bescheren wie Japan Detroit?», fragt die «New York Times».
Was Toyota und Honda für GM, Ford und Chrysler sind, sind nun Deutsche Bank, Barclays Capital, Credit Suisse und gar die UBS für Citigroup & Co. Diese vier Banken bilden die ausländische Speerspitze im Kampf um die Vorherrschaft an der Wall Street. Bereits sind sie in den Top Ten der grössten «Mergers & Acquisitions»-Berater gerutscht.
CS mit Erfolg
Noch vor zehn Jahren schaffte dies einzig die Dresdner Kleinwort. Und die Ausländer haben einen Wettbewerbsvorteil, weil die Rahmenbedingungen für die US-Konkurrenten (Gesetze, Aufsicht) derzeit sehr im Wandel sind. «Nicht-amerikanische Banken können unter einem kohärenteren Regelwerk operieren», sagt Eugene A. Ludwig, hoher Finanzbeamter unter Präsident Clinton. «Das führt zu Ungleichgewichten, die sie ausnützen können.»
Die Credit Suisse macht dies bereits mit Erfolg. Sie hat ihre Aktivitäten im Prime Brokering Geschäft ausgebaut und damit in den ersten fünf Monaten 20 Milliarden Dollar verdient. Nur Klassenprimus Goldman Sachs war besser (29 Milliarden Dollar). CS-Boss Dougan will mehr. Er hat zuerst die Kosten gesenkt und die gefährlichen Positionen in den Büchern bereinigt. Jetzt wirbt er mit aggressiven Methoden die besten Leute der angeschlagenen Konkurrenz ab. Wird er damit ein Mitglied der kommenden Generation der Herren des Universums? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.06.2009, 17:49 Uhr
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