Wirtschaft
Die ZKB sitzt tief im Sumpf
Von Bruno Schletti . Aktualisiert am 09.09.2010 28 Kommentare
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Bewiesen ist nichts. Doch die Vorwürfe wiegen schwer. Der Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky sagt: «Wir haben sehr starke Indizien dafür, dass die Geldwäsche-Transaktionen des Herrn Alijew in überwiegendem Umfang über die Privatinvestbank gelaufen sind.»
Lansky vertritt die Interessen von Geschädigten, ist also Partei. Er ist aber kein Nobody, sondern Kopf einer der grössten Wirtschaftskanzleien Österreichs, international tätig, mit über 100 Mitarbeitenden. Die Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner hat gegen Rakhat Alijew, den früheren Botschafter Kasachstans und einstigen Kunden der Privatinvest, Strafanzeige wegen Verdachts auf Geldwäscherei eingereicht.
Alte Garde in Amt und Würden
Die Chefs der Zürcher Kantonalbank (ZKB) senden zwei Botschaften aus. Die eine: Man habe beim Kauf der Privatinvest Bank AG (Piag) um die Probleme gewusst. Die andere: Bis Ende Jahr wolle man in Salzburg und beim Piag-Ableger in Wien volle Transparenz erlangen. Die ZKB hat den österreichischen Behörden wiederholt Geldwäschereiverdachtsmomente gemeldet. Das zeigt einerseits, dass die Zürcher in Österreich tatsächlich am Aufräumen sind. Es zeigt aber auch, dass laufend neue Überraschungen zutage gefördert werden, von denen die ZKB-ler beim Kauf der Piag keine Ahnung hatten.
Auch die Tatsache, dass die ZKB bei der Übernahme des Salzburger Instituts die alte Führungsriege zunächst unbehelligt auf ihren Posten beliess, ist ein Hinweis auf die Gutgläubigkeit der Zürcher. Wohl wurde Piag-Chef Hermann Reif durch den ZKB-Mann Adrian Kohler ersetzt. Reif wurde aber die Betreuung der Schlüsselkunden übertragen. Herbert Werkgarner war und ist noch immer Leiter des Bereichs Recht und Compliance, also Hauptverantwortlicher für die Einhaltung aller Regeln. Eugen Duschek schliesslich blieb auch nach der Übernahme Leiter der Wiener Niederlassung. Er wurde erst abgelöst, als seine Verstrickung in Unregelmässigkeiten aus Sicht der ZKB unübersehbar wurde.
Zweifel an Unbescholtenheit des Piag-Chefs
Dabei hat ein ebenfalls freigestellter Wiener Piag-Mann längst zu plaudern begonnen: Er habe nur im Piag-System mitgespielt, sei von Duschek angestiftet worden, die Eröffnung fiktiver Konten sei bei der Salzburger Bank üblich gewesen. Klar, das gehört zur persönlichen Verteidigungsstrategie besagten Mannes. Es weckt aber massive Zweifel an der Unbescholtenheit der Piag-Chefs. Und doch ist Werkgarner noch immer zuständig für die Einhaltung der Rechtskonformität. Und Reif ist der Internetseite zufolge «der perfekte Berater für unsere Key Clients». Fragen zur Rolle dieser Männer beantwortet die ZKB nicht.
Rakhat Alijew war einer dieser Schlüsselkunden der Piag. Laut Rechtsanwalt Lansky ist davon auszugehen, dass er in krimineller Weise ein Vermögen erlangt und davon 114 Millionen Euro nach Österreich geschleust hat. «Der Grossteil der gewaschenen Gelder wurde über Konten bei der Salzburger Privatinvestbank transferiert.» Mit Aufräumen ist es für die ZKB nicht getan. Es droht eine Klage. «Wir prüfen», sagt Lansky, «ob wir im Namen der Geschädigten Schadenersatzansprüche gegen die Privatinvest geltend machen können.»
«Kasachen-Krimi» ohne Ende
Die ZKB hat keine Freude, wenn sie über ihre Tochter mit Alijew in Verbindung gebracht wird. Sprecher Urs Ackermann: «Der Fall Alijew ist kein Fall Privatinvestbank, sondern primär eine Causa Österreich. Die Piag hat damals von sich aus eine Geldwäschereimeldung erstattet. Das zuständige österreichische Bundesministerium für Inneres hat Alijew jedoch entlastet.»
Der Fall Alijew läuft in Österreich seit Jahren unter dem Titel «Kasachen-Krimi». Es ist die Geschichte um Mordversuch, Körperverletzung, Erpressung, Folter, Betrug. Entsprechende Strafverfahren sind hängig. Hängig ist auch das zweite Auslieferungsgesuch von Kasachstan. Das erste Gesuch hat Österreich abgelehnt wegen Zweifeln an einem fairen Rechtsverfahren in Kasachstan.
Alijew stand einst als Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew mitten im Machtzentrum. Ihm gehörten neben einer Bank mehrere Firmen. Er war stellvertretender Chef des Geheimdienstes, Vizeaussenminister, dann Botschafter in Wien. Über sein Zerwürfnis mit Nasarbajew wird genauso gerätselt wie über seinen heutigen Aufenthaltsort. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.09.2010, 08:03 Uhr
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28 Kommentare
Wer mit einer Vollkaskomentalität geschäftet, fliegt wohl öfters auf den Hintern, als jene, die permanent Sorge zu ihren Investitionen tragen müssen. Folglich ist die Staatsgarantie abzuschaffen und die ZKB zu privatisieren. Danach muss die Politik dafür sorgen, dass sich die faktische Staatsgarantie wie bei der UBS nicht wiederholt...Treue Kunden sind besser als sinnloses Wachstum... Antworten
Vor 29 Jahren hatte mir die ZKB Hauptsitz Bahnhofstrasse Zuerich einen Kredit von sfr. 5000.--- abgelehnt. Heute gehts mir super ohne ZKB. Diese halb staatlichen Angestellten, sollten alle in die Wueste geschickt werden und zwar ohne Staatsgarantie. Antworten
Zum Imageproblem wird die PIAG primär durch die CH-Presse gemacht. Die ZKB wird (hoffentlich) den Kaufvertrag so vereinbart haben, dass sie die materiellen Schäden beim Verkäufer einfordern/verrechnen kann. Beim "Eingangstor" in den EU-Raum ging es um eine Bankenlizenz im EU-Raum und nicht um Salzburg oder Wien. Meldung wegen Geldwäschereiverdachts konnte die ZKB erst nach der Uebernahme machen. Antworten
1. Staatsgarantie hin oder her, wenn sie fällt muss eh der Steuerzahler dran glauben 2. ZKB hat nur noch dem Namen nach eine Verbundenheit zu Zürich. 3. Für die kleinen Anleger ist die Raiffeisen zuständig, sie füllt diese Nische gut aus. 4. Muss man früher oder später mit dem EU Raum liebäugeln. 5. Gewinne, Aktien steigen, die Dividende wird ausgeschüttet = Alle sind zufrieden! Antworten
@Peter Muster Die Staatsgarantie für die ZKB fällt weg, sobald der Staat für die UBS nicht mehr gerade stehen muss. Schon Vergessen? Die Steuerzahler haben die UBS mit 68 Mia. gerettet! War das keine Staatsgarantie? Sobald die faktische Staatsgarantie für die Grossbanken weg ist, (mehr Eigenmittel strengere Auflagen usw) kann auch die ZKB darauf verzichten! Antworten
Migros Bank ich komme .... neben der Reiffeisen wohl die einzige "schweizer" Bank, die sich noch mit Kunden mit unter einer Million zufrieden gibt. Alle andren wollen ums verrecken im grossen Teich nach dicken Fischen angeln. Ziehen aber meisstens nur alte Gummistiefel und verfaulte Korruptionsfracks heraus. Antworten
Die ZKB MUSS diversifizieren, denn sie hat im Hypothekargeschäft im Kanton ein Klumpenrisiko. Die Staatsgarantie hat an Bedeutung stark verloren, seit klar ist, dass der Staat auch private Banken rettet, wenn sie nur genügend gross und genügend katastrophal geführt sind. Der Fall PIAG reiht sich ein in eine Serie von Image-Beulen wie Sulzer und Ilisu-Staudamm. Dennoch: Die ZKB ist grundsolide! Antworten
Super, man hat diese Machenschaften beim Kauf der Piag also wissentlich in Kauf genommen. Wohl in der Annahme, dass in der allgemeinen Hassstimmung gegen die Grossbanken, so ein kleines "Geldwäscheaffärchen" bei der von der Presse geliebten ZKG nicht so auffällt. Ich bin gespannt wer dafür jetzt wieder den Kopf hinhalten muss. Antworten
Wohin führt das Prestige- und Elitedenken der ZKB? Beim Kauf war es ebenfalls bekannt, dass die PIAG stark im Ostblockimmobilengeschäft beteiligt war. Diese Blase ist am Platzen - im Osten wurde quasi unbeschränkt Kredite gegeben wie in den USA! Die PIAG ein Fass ohne Boden! Antworten
Ist doch logisch weshalb man Salzburg gewählt hat, Salzburg ist Provinz und weniger auffällig, der Weg durch die Hintertür vermeintlich einfacher. Aber auf diesem dunklen Weg scheinen doch gewaschene oder ungewaschene Geldbündel gelegen zu haben, daher ist man auf den Weg in den Euroraum in´s stolpern geraten. Aber was hat eigentlich eine Kantonalbank in Österreich zu suchen? Sehr eigenartig! Antworten
Wenn Staatsbanken in neue Geschäftsfelder im Ausland expandieren, geht das meistens schlecht. Man denke nur an die Landesbanken in Deutschland, die fast alle zu den grössten Verlierern in der Finanzkrise gehörten, weil sie in grossem Stil in amerikanische Wertpapiere investierten. Kantonalbanken sollen bei ihrem angestammten Geschäft bleiben! Antworten
Ach nein, unsere super ZKB hat Dreck am Stecken? Wer hätte das gedacht.... Da haben wohl alle vor lauter auf die UBS einschlagen vergessen, dass es auch noch andere Banken gibt. Wann fällt endlich die Staatsgarantie weg? Warum sollen wir Steuerzahler für solche Risiken haften? Antworten
Die ganze bis jetzt bekannte story ist für eine Staatsbank wie die ZKB eine Katastrophe. Sie zeigt auch, dass selbst unsere Manager naiv sind und nicht nur die Politiker und gewisse Gutmenschen. Hoffentlich werden die Bankkunden, das Personal usw.nicht in irgendeiner Form zur Kasse gebeten.Das Ganze kann man nur als Missmangement bezeichnen.Die Zukunft wird zeigen wie gross der Imageschaden ist! Antworten
@tefan Flüeler: Weit vom Schuss gibt alte Krieger. In Salzburg schaut keiner hin, die werden dann aber schon Filialen oder Kooperationen mit anderen Banken in Luxemburg etc haben. Ein bisschen tricky, aber was erwartet man anders in einer Branche wo keiner dem anderen den Dreck unter den Fingernägeln gönnt sofern irgendein Analyst verkündet hat, dass der zu Geld zu machen ist. Antworten
Die Kantonalbank soll sich auf ihren ursprünglichen Zweck besinnen, nämlich Versorgung von Privaten und Gewerbe mit Kredit und sichere Sparkonti. Die lernen anscheinend nichts. Vorher haben sie den Spekulanten mit der Fliege und dem Käppi gerettet, der die AHV-Vermögensverwaltung privatisieren wollte, danach haben sie Sulzer an eher dubiose Russen verhökert. Antworten
Ganz einfach: die Staatsgarantie muss entabuisiert werden! Die ZKB ist längst keine Kantonalbank mehr, sondern in immer komplexeren Geschäftsbereichen auch ausserkantonal tätig.Dazu gehören Rohstoffe, Derivative und neu auch der Anspruch, im ETF-Handel vorne mitzuspielen.Die Bilanzsumme und die Risiken der Geschäfte sind in keinem Verhältnis zum Zürcher Steuersubstrat mehr. Ende Staatsgarantie! Antworten
Seltsam, dass die ZKB ausgerechnet in Salzburg "Zugang zum EU-Raum" sucht. Wenn schon Oesterreich, dann wenigstens Wien. Salzburg ist nun wirklich äusserste Peripherie, was den EU Finanzraum betrifft. Weit besser wären aber Luxembourg oder Brüssel. Unter dem genannten Gesichtspunkt sind die doch wesentlich naheliegender. Antworten
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Dieter Wundrak-Gunst
Nicht nur die ZKB zahlt ihr Engagement in Austria mit Lehrgeld, so erging es ja auch der Bayerischen Landesbank . Und interessant ist nur, dass bei beiden Banken die Aufsichtsbehörde öffentlich rechtlich ist. Im Moment scheint es bei uns nur die ZKB zu sein, Und warum? Jeder CEO will den höchsten Lohn erzielen. Und so versucht man eben auch maximale Gewinne zu erreichen. Verständlich oder nicht? Antworten