Wirtschaft

Die ZKB sucht bei ihrer Tochter in Österreich weitere Leichen

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 21.08.2010

Hausdurchsuchung, dubiose Kunden, Trennung von Mitarbeitern – der Kauf der Privatinvest in Österreich ist reich an Überraschungen.

Statt des grossen Geschäfts winkt bisher aber nur Ärger: Die ZKB müht sich mit der Österreichischen «Privatinvest» ab.

Statt des grossen Geschäfts winkt bisher aber nur Ärger: Die ZKB müht sich mit der Österreichischen «Privatinvest» ab.
Bild: PD

Es war gedacht als Sprung ins grosse weite Europa der reichen Privatkundschaft. Von Salzburg aus wollte die Zürcher Kantonalbank den deutschsprachigen Raum und Zentraleuropa aufrollen. Statt des grossen Geschäfts winkt bisher aber nur Ärger. Die Salzburger Privatbank Privatinvest ist in Fälle von Geldwäscherei verwickelt.

Christoph Weber, bei der ZKB verantwortlich für das Private Banking, hält dem entgegen: «Man muss die Geschichte von dem trennen, was in Zukunft läuft.» Bank-Chef Martin Scholl stösst ins gleiche Horn: «Wir sind daran, sicherzustellen, dass wo ZKB draufsteht, auch ZKB drin ist.» Aber die Zürcher geben zu, dass bei der Privatinvest Leichen im Keller gefunden worden sind. Das habe man aber beim Kauf gewusst. Jetzt räume man auf.

Kunden vor die Tür gesetzt

«Wenn Sie ein Haus wollen», holt Scholl zum Vergleich aus, «kaufen Sie entweder ein altes Haus, oder Sie bauen auf der grünen Wiese ein neues. Ärger haben Sie immer.» Mit der Privatinvest hat sich die ZKB für den Kauf des alten Hauses entschieden. Scholl ist bemüht, den damit eingehandelten Ärger als normal abzutun.

Offenbar scheinen aber nach und nach Leichen aufzutauchen, von denen man bei Vertragsabschluss nichts gewusst hat. Weber bestätigt, dass man sich in der Niederlassung in Wien von zwei Mitarbeitern getrennt hat und dass Meldungen an die Behörden ergangen sind – vermutlich wegen Geldwäscherei-Vergehen. Scholl räumt darüber hinaus ein, dass man auch Kunden vor die Tür gesetzt hat. Offenbar Kunden mit Geldern aus dubioser Herkunft. Zu den genauen Hintergründen will sich Scholl aber nicht äussern.

Heimmarkt auf Zielkurs

Die Zürcher sind jetzt daran, bei ihrer Tochtergesellschaft «jeden Stein umzudrehen», wie es Weber formuliert. Dabei sei nicht auszuschliessen, dass noch mehr Überraschungen an den Tag kommen. Ziel sei es, bis Ende Jahr vollkommene Transparenz in Salzburg und Wien zu erlangen.

Weit geringer sind die Turbulenzen im Heimmarkt Schweiz. Allerdings brachte auch dort das erste Halbjahr nicht nur positive Nachrichten. Im Vergleich zur Vorjahresperiode musste die ZKB einen Gewinnrückgang um über 11 Prozent hinnehmen. Ein Vergleich, den sich ZKB-Chef Scholl allerdings mit wenig Begeisterung anhört. Gleich mehrfach betonte er an der Medienorientierung, dass das erste Halbjahr 2009 ausserordentlich gewesen sei. Auf Quartals- und Semesterergebnisse gebe er wenig. Entscheidend sei das Gesamtjahr: «Da sind wir auf Zielkurs.»

Neugelder können gebunden werden

Überraschend ist der anhaltende Zufluss von Neugeld. 5,3 Milliarden Franken konnte die ZKB im ersten Halbjahr neu verbuchen – 2,9 Milliarden von Privatkunden, vor allem aus der Schweiz. Unter den deutschen Kunden gebe es solche, die ihr Vermögen gegenüber den Behörden offengelegt hätten. Gemäss Scholl hat das «zu einem gewissen Geldabfluss» geführt. Nicht alle offengelegten Gelder würden aber automatisch nach Deutschland zurückfliessen.

Die Vermutung, dass während der Finanzkrise umgeschichtete Vermögen früher oder später wieder abgezogen werden, scheint sich nicht zu bewahrheiten. Laut Scholl gelingt es der ZKB, ihr zugeflossene Neugelder zu binden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2010, 06:48 Uhr

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